Konstanz Reiten gegen Übergewicht
Übergewichtige Kinder bekommen beim Reiten Lust auf Bewegung. Bild: Privat
Wer als Kind zu viele Pfunde mit sich herumschleppt, sollte sich gesünder ernähren und mehr bewegen. Doch Übergewichtige sind selten fit. Das Sporttreiben kann dann ganz schön mühsam und extrem belastend für den Kreislauf und die Gelenke sein. „Kids auf Trab“ setzt darauf, die Kinder erst einmal passiv zu bewegen. Sie reiten auf Pferden und entdecken dabei, dass es Spaß machen kann, sich in der freien Natur zu bewegen. Und ganz nebenbei bewegen sie sich selbst, etwa beim Ausmisten oder beim Putzen der Pferde oder bei spielerischen Übungen mit und auf dem Pferd. Die Kinder entwickelten mit der Zeit ein Gefühl für die Bedürfnisse des Pferdes und des eigenen Körpers, sagt die Diplompsychologin Annette Gomolla. Dies sei ein erster Schritt, dem Übergewicht zu begegnen. Auf dem Pferd gewönnen die Kleinen ein neues Selbstbewusstsein und Freude daran, sich auch im Alltag zu bewegen. Manchen dienten die Pferde als Vorbild für eine gesunde Ernährung.
Gomolla leitet das interdisziplinäre und gemeinnützige Forschungszentrum Great mit Sitz in Petershausen. Es untersucht pferdegestützte Therapien wissenschaftlich, etwa „Kids auf Trab“. Kooperationspartner sind die Sportwissenschaften der Universität Konstanz und das Euregio-Projekt Kinder im Gleichgewicht. Drei ehrenamtliche Therapeuten und zwei Therapiepferde sind im Einsatz, ein weiteres gerade in Ausbildung. Die Tiere würden bis zu ein Jahr lang darauf trainiert, völlig ruhig zu bleiben, auch wenn neben ihnen Tücher flattern, ein Regenschirm aufschnappt oder ihnen ein Ball vor die Hufe hüpft, sagt Gomolla.
Kinderärzte empfehlen Kinder für die Reitgruppe. Es kommen Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren in Frage, denen wegen ihres Übergewichts Krankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislaufstörungen drohen und deren Selbstbewusstsein sich wegen der vielen Pfunde wenig entwickelt hat. Um die Unkosten für die Therapiestunden gering zu halten, ist das Projekt auf Spenden angewiesen. Kids auf Trab ist ein Pilotprojekt, das wissenschaftlich begleitet wird. Mit Fragebögen, Videoanalysen und Pulsmessungen erfassen Forscher wie sich das Verhalten, die körperliche Verfassung und das Bewegungsverhalten der Kinder verändert.
