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05.03.2013  |  von  |  6 Kommentare

Kreuzlingen Rechtsrocker? Frei.Wild spielen in der Bodensee-Arena

Kreuzlingen -  Frei.Wild spielen am 19. April in der Kreuzlinger Bodensee-Arena. Die Band aus Südtirol steht seit Jahren in der Kritik: Ihre Texte sollen rechtes und völkisches Gedankengut transportieren.

Ein Luftbild der Bodensee-Arena in Konstanz-Kreuzlingen  Bild: Plessing, Archiv

Besucher und Bühne von einem Frei.Wild Konzert 2008 in der Schweiz.  Bild: Wikimedia



Die Bodensee-Arena in Kreuzlingen vermietet am 19. April 2013 ihre Räumlichkeiten an die Band "Frei.Wild". Dieser wird vorgeworfen, nationalistische Texte im Repertoire zu haben, die vor allem in der rechten Szene hohen Anklang fänden. Die Sorge um einen Aufmarsch von Neonazis in Konstanz und Kreuzlingen sei aber unbegründet, sagt Matthias Mölleney, Präsident des Verwaltungsrates der Bodensee-Arena AG, auf Anfrage des SÜDKURIER.

Frontmann spielte vorher bei Skinhead-Band

Die häufigste Kritik am Südtiroler Quartett Frei.Wild richtet sich gegen Frontmann Philipp Burger. Dieser spielte bis 2001 noch in der Band Kaiserjäger, die insbesondere von Skinheads gehört wurde und als rechtsnational bekannt war. Zudem war Burger im Jahr 2008 kurzzeitig Mitglied der rechten Partei "Die Freiheitlichen". Heute distanziert er sich von seiner Vergangenheit. Laut seiner Aussagen in einem Interview der Badischen Zeitung sei er damals "jung, naiv und dumm" gewesen. Auch auf der Internetseite der Band grenzt sich Frei.Wild von der rechten Szene ab und beteuert, dass die Band keinem politischen Lager zuzuordnen sei.

Die Macht der Medien

In diesem Zusammenhang war es nach Angaben der Musiker in der Vergangenheit immer wieder zu nicht der Wahrheit entsprechenden Berichten gekommen. Deswegen startete Frei.Wild die Internetseite www.die-macht-der-medien.de. Darauf betonen die vier Rocker unter anderem, dass "Begriffe wie Heimat und Volk in Deutschland mit einer ganz anderen Sensibilität ausgesprochen werden als in Südtirol".

Visions sagt Unterstützung für Festival ab

Das Alternative-Rock-Magazin Visions sorgte Mitte Februar für Schlagzeilen, als es seine Unterstützung für das With Full Force Festival im Juni 2013 absagen wollte. Grund dafür war laut der Redaktion, dass die Band Frei.Wild "dem Rechtspopulismus zu sehr in die Hände spielt". Da es auch in sozialen Netzwerken zu starken Protesten kam, sagte die Band ihren Auftritt schließlich selbst ab.

Bodensee-Arena nur Vermieter

Matthias Mölleney ist der Präsident des Verwaltungsrates der Bodensee-Arena AG. Er selbst kenne die Band nicht, da sie nicht seinen Musikgeschmack treffe, teilt er auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Mölleney hebt allerdings hervor, dass die Bodensee-Arena nicht der Veranstalter sei, sondern lediglich der Vermieter. Die Frei.Wild Konzerte GmbH sei auf die Verwaltung der Bodensee-Arena zugekommen, um die Halle für die Tournee zu mieten.

Intensive Recherchen dauern an

"Da sich die Band in einer moralischen Grauzone bewegt, können wir ihr nicht einfach eine Absage erteilen", betont Matthias Mölleney. Die Bodensee-Arena wolle in dieser Hinsicht keine Zensur ausüben. Derzeit würden aber intensive Recherchen laufen, um festzustellen, ob sich die Texte der Band außerhalb des Rechtsraumes bewegten. Gegebenenfalls würde laut Mölleney dann der Mietvertrag trotz rechtlicher Konsequenzen aufgelöst.

Angst vor Neonazi-Aufmarsch unbegründet

Fragwürdig sind nicht nur die Texte von Frei.Wild, sondern auch das Datum ihres Auftritts in Kreuzlingen am 19. April. Wegen des darauffolgenden 20. Aprils, dem Geburtstag von Adolf Hitler, sind Sorgen um einen möglichen Neonazi-Aufmarsch nicht unbegründet. Mölleney wendet jedoch ein, dass die Arena am 20. April schon um 7 Uhr gereinigt übergeben werden muss. Folglich wäre es für die Band unmöglich, über Mitternacht hinaus zu spielen. Außerdem stünde er im Kontakt mit Züricher Kollegen, die ihre Erfahrung mit der Band Frei.Wild im vergangenen Jahr als unkompliziert und problemlos geschildert hätten. Damals sei keinerlei Polizeieinsatz nötig gewesen. Mölleney hat die Kantonspolizei Thurgau dennoch vorsorglich über die Brisanz des Abends informiert.

Die Booking-Agentur der Band bestreitet einen Zusammenhang zwischen Konzerttermin und historischem Ereignis. Auf Anfrage des SÜDKURIER versicherte Kai Michelmann von der Frei.Wild Konzerte GmbH, dass die Band ebenso am 24. Dezember hätten spielen können. Das Datum des Konzertes sei Zufall.


Wer sich selbst ein Bild von den umstrittenen Texten von Frei.Wild machen will, findet die komplette Sammlung der Songtexte auf deren Homepage unter http://www.frei-wild.net/index.php/medien/songtexte.
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6 Kommentare
Gewagte
"Deutschrock scheint aber in Deutschland verpöhnt zu sein, wieso auch immer"

Gewagte Annahme, wenn man sieht wieviel Geld damit verdient wird.
mein Tip = Plattdeutsch
Im TV-Mittagsprogramm wird gelegentlich ein Dialekt-Quiz veranstalltet: beim Plattdeutsch wird die Bedeutung nur per Zufall geraten. Der Klang tönt zwar hanseatisch, aber eine Verbindung zum Hochdeutsch erscheint sehr gewagt.

In den nächsten Tagen kommt Besuch von der Ostsee an den Bodensee: ich werde nachfragen, wie nah Platt-Nordsee mit Platt-Ostsee zueinander stehen und ob man auch Platt in den Niederlanden und Dänemark verstehen kann. Polnisch zählt zu den slawischen Sprachen, aber vielleicht ist Platt auch eher eine internat. hanseatische Schifffahrer-Sprache?

Da die Sprache fast schon "elitär" ist und nur von den wenigsten verstanden wird, aber trotzdem gut klingen, sind Musiktexte völlig problemlos, sofern man sich nicht die Mühe macht, einen ÜbersetzerIn zu suchen. Da es dort keine Berge als Herausforderung gibt, dürfte Platt auch für Südtiroler interessant sein: Kölsch ist eigentlich als Alternative zu gut zu verstehen.
Wo bleibt der SwissRock?
Laut einem Artikel hat ein bedeutendes Unternehmen seinen Geschäftsbericht nicht in hochdeutsch, sondern in Schwizerdütsch verfasst; die anderen Versionen "französisch, englisch" wurden beibehalten. Lustig sind auch die veränderten (oder ergänzten) Kantonswappen.

http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Das-isch-wahri-Swissness/story/31730938

Überrascht hat Wikipedia zum Begriff "Deutschrock", der sich lediglich auf die Verwendung des Hochdeutschen im Rock beziehen soll (und sonst nichts). Ebenso ein paar Namen, die ich eher der Unterhaltungsmusik zugeordnet hätte; zur Gegenwart wurde die hier kritisierte Gruppe unter einigen genannt. Allerdings steht der Wiki-Artikel unter allgemeinem Diskussions-Vorbehalt.
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