Politik und Frauen gehören zusammen. Alter und Gesundheit auch. Gleich alle vier Themen verbunden hat Martin Herrmann, als er mit seinem Programm „Lustgewinn“ beim Kabarettherbst im K9 zu Gast war. Die verschiedensten Themen hat Herrmann im Laufe des Abends als gesprochenes oder gesungenes Wort auf die Bühne gebracht. Teilweise waren die Gedankensprünge etwas unvermittelt, aber doch immer so kaschiert, dass sie nicht für Irritationen sorgten.
Werbung und Religion streifte er ebenso wie Raser und Kernkraftwerke – ein bisschen von allem eben. Und doch zogen sich besagte Hauptthemen wie ein roter Faden durch den Abend. Und so resümierte Herrmann am Ende: „Die wesentlichen Dinge haben wir jetzt durchgesprochen.“ Eine Mischung aus literarischem und politischem Kabarett war es, die der Mann im grauen Sakko und Turnschuhen mit seiner Gitarre auf der Bühne präsentierte. Der Titel „Lustgewinn“ war allerdings nur bedingt Programm. Erst ganz zum Schluss stellte er offensichtlich zufrieden fest: „Meine Damen und Herren, ich möchte mich an dieser Stelle bedanken für Ihre gute Mitarbeit. Sie haben einen guten Abend bereitet – das hat mir sehr viel Lust bereitet.“ Für den Kabarettisten schien der Titel „Lustgewinn“ mehr den Charakter eines losen Mottos zu haben, unter dem er seine Bühnenshow nicht einfach nur professionell abspulte. Vielmehr gelang es ihm, in loser Folge Bewährtes mit Aktuellem zu verbinden. Tagesaktuell sinnierte Herrmann über die Zeitumstellung und das Zerrinnen der Zeit und sparte auch nicht mit Seitenhieben in Richtung der Diskussion um die Medien: „Elke Heidenreich ist aus dem ZDF rausgeflogen. Und warum? Sie hat eine Sendung, die heißt 'Lesen!' – und das hat der Programmchef gemerkt.“
Immer wieder kehrte Herrmann zurück zur Politik. Neben Gesundheitsreform und Kanzlerin widmete er sich auch hier aktuellen Themen wie der Diskussion um die Nacktscanner für Flugreisende: „Das ist eine tolle Idee von führenden EU-Politikern. Ich weiß nicht, warum sind die Leute so dagegen?“, fragte der Kabarettist. Er garantiere, in zwei Jahren gebe es Nacktflüge. „In konservativen Gegenden gibt es dann Nacktflugverbot.“ Daneben stellte Herrmann aber auch ganz grundlegende Fragen wie zum Beispiel die danach, was Regierungskompetenz eigentlich sei.
Herrmann nahm auch den häufigen Zwischenapplaus mit einem Augenzwinkern auf: „Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es ganz egal ist, was auf der Bühne geschieht – das Publikum gestaltet den Abend.“ Und genauso wie er den Abend mit ruhiger, angenehm unaufdringlicher Stimme und oft verschmitztem Gesichtsausdruck gestaltet hatte, teilte er dann am Ende auch den Applaus mit demjenigen, der gemeinsam mit ihm den Abend bestritten hatte: seiner Gitarre.
Anna Sophie Brasch
