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Konstanz Proteste vor Firma Lifecodexx

Etwa 80 Personen versammelten sich gestern vor dem Sitz der Konstanzer Firma Lifecodexx. Sie protestierten gegen den neuen Bluttest „PraenaTest“, der schon ab der 12. Schwangerschaftswoche Gewissheit über Trisomie 21 („Down-Syndrom“) bei ungeborenen Kindern geben soll.

Eine Mahnwache gegen den neuen Pränataltest der Konstanzer Firma Lifecodexx und Abtreibung generell fand gestern vor dem Firmengebäude statt.
Eine Mahnwache gegen den neuen Pränataltest der Konstanzer Firma Lifecodexx und Abtreibung generell fand gestern vor dem Firmengebäude statt. | Bild: Haupt

Die Kritiker fürchten, dass sich wegen dieses Testes mehr werdende Mütter für eine Abtreibung entscheiden, wenn sie erfahren, dass ihr Kind behindert zur Welt kommen könnte. Mit Plakaten und Slogans wie „Alle Menschen sind ein Geschenk Gottes“ und „Wieder Selektion in Deutschland?“ forderten sie ein Verbot des neuen Verfahrens. Vor allem ältere Protestler, aber auch Familien mit Kindern mit Down-Syndrom, Gruppen aus Camphill-Einrichtungen und Gäste aus der Schweiz waren anwesend. Der Wert eines Menschen dürfe nicht daran festgemacht werden, ob er mit oder ohne Behinderung auf die Welt komme, so der Tenor – jedes Kind habe ein Recht auf Leben. „Kinder mit Down-Syndrom gehören zu unserer Gesellschaft und bereichern sie“, stellte eine junge Mutter fest und erntete dafür kräftigen Applaus. Auch der Aspekt von einer behindertengerechten Gesellschaft und Inklusion an Schulen wurde angesprochen. Weit aus dem Fenster lehnte sich dagegen Organisator Gero Winkelmann, als er mit Blick auf Abtreibung erwähnte, dass „Selektion in Deutschland in schlechter Erinnerung bleibt“.

Trotz einsetzenden Regens aber war die Atmosphäre sonst sehr harmonisch, der friedliche Charakter der Mahnwache wurde immer wieder betont. „Ich möchte in einer solchen Stimmung diskutieren, dass wir beide keine Probleme haben uns auf dem nächsten Wochenmarkt zu grüßen“, sprach Co-Organisator Josef Dichgans Pressesprecherin Elke Decker von Lifecodexx an. Diese hatte den Protestlern ein Gesprächsangebot gemacht, das aber kaum wahrgenommen wurde. „Jede Frau sollte ein Recht auf bestmögliche medizinische Versorgung und uneingeschränkte Unterstützung der Gesellschaft haben – egal welche Entscheidung sie trifft“, kommentierte sie die Proteste vor ihrem Firmengebäude. Die Demonstranten beendeten ihre Versammlung mit einem Abschlussgebet und der Ankündigung, die Mahnwache zu wiederholen.

Aufgerufen hatte zu der Mahnwache verschiedene Gruppen: Die „Christdemokraten für das Leben“ besteht aus Mitgliedern der Unionsparteien CDU und CSU, die sich gegen Abtreibung und Klonen einsetzen. Diese Gruppe setzt sich für ein juristisches Verbot des „PraenaTest“ ein und warnt vor einer „Eugenik von unten“. Die „European Pro-Life Doctors“ und der „Bund katholischer Ärzte in Deutschland“ sind Zusammenschlüsse christlich orientierter Ärzte, die sich auch gegen Verhütungsmaßnahmen aussprechen.

Trotz Ankündigung fanden weder radikalere Gruppen, die etwa Abtreibung mit dem Holocaust gleichsetzen und von einem Behinderten-Genozid sprechen, noch eine Gegendemonstration ihren Weg zu der Mahnwache.

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