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Konstanz Probe für heiligen Moment

21.04.2006
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Hunderte junge Konstanzer erhalten in diesen Wochen ihre Erstkommunion. Pfarrer und Laien bereiten sie auf den bedeutenden Moment im Leben eines jeden Katholiken vor. Oft aber lautet die wichtigste Frage: Was zieh ich an?

Konstanz - Chiara und ihre Freundinnen sind zur Probe in die Gebhardskirche gekommen. Geübt wird kein Theaterstück, auch nicht das alltägliche Leben - sondern etwas Heiliges: die erste Kommunion. Erstmals soll Chiara, 8, am kommenden Sonntag vor den Altar treten und den Leib Christi in Gestalt der Hostie empfangen. Damit alles klappt, treffen sich die Jungen und Mädchen drei Mal vorher zur Probe. Sie lernen, wer wo zu stehen hat. Sie testen, ob ihre Kerzen in die Ständer am Altar passen. Pfarrer Andreas Rudiger sagt, es werde geübt, damit die Kinder sich am Sonntag auf die Bedeutung des Tages konzentrieren könnten. Ein Kind hält bei der Probe jene Kerze, mit der auch die Mutter vor 34 Jahren zur Erstkommunion durch die Kirche gegangen war.

Allein in der Seelsorgeeinheit Petershausen mit drei Pfarreien gehen 74 Kinder zur Erstkommunion. In den drei Altstadtpfarreien sind es 62, in Litzelstetten, Dingelsdorf und Dettingen 64. Allensbach und Hegne kommen auf 47 Mädchen und Jungen. Pastoralreferent Eugen Brenner aus der Altstadt sagt: "Die Erstkommunion steht immer noch hoch im Kurs." Seit 29 Jahren begleitet er Kinder bei dem Fest. Die Acht- und Neunjährigen vorzubereiten, wird schwerer. In vielen Familien spielt Glaube keine Rolle mehr. Im Winter, wenn der Kommunionunterricht beginnt, übt Brenner mit ihnen zunächst einmal das Kreuzzeichen.

Wie sich die Zeiten ändern, können Gemeinden und Pfarrer auch am Terminkalender ablesen. Es gibt nur noch wenige Pfarrer in großen Seelsorgeeinheiten. Darum gehen nicht alle Kinder an diesem "Weißen Sonntag" zur Kommunion. In Litzelstetten war bereits an Ostern Kommunion. In anderen Gemeinden ist sie erst übernächstes Wochenende.

Dabei übt das Fest eine große Faszination aus. Pfarrer Rudiger kennt als Religionslehrer Kinder, die gerne vor dem Altar stehen würden - doch sie sind nicht getauft. Rudiger weiß, dass die Erfahrungen der jungen Katholiken unterschiedlich sind. Um so überraschter ist er, "wie tief die Kinder mit dabei sind". Nach der Kirchentradition fällt die Erstkommunion auf ein Alter, in dem die Kinder begreifen, dass ihnen am Altar nicht nur ein Stück Brot gereicht wird, sondern der Leib Jesu.

Kurz vor dem Fest aber geht es oft um andere Fragen. Zum Beispiel: Kleid oder Kutte? Viele Familien freuen sich, die Kinder festlich anzuziehen. Pastoralreferent Brenner sagt, eine schlichte Kutte sei "sinnvoll und sehr schön". Sie passe zum symbolträchtigen Akt. Doch Vorschriften gibt es nicht. Rudiger hatte in Petershausen den Wettlauf ums schönste und teuerste Kleid beinahe gestoppt. Die meisten Eltern wählten eine weiße Kutte; die Gemeinde schaffte eigens zusätzliche an. Doch je näher der Sonntag kommt, desto mehr Eltern entscheiden sich um. "Die Kinder machen Druck", sagt Rudiger. Oft erzählt die Freundin von ihrem Kleid. Zwar gibt es Pfarreien mit Kuttenpflicht. Doch Rudiger ahnt, ein Zwang würde diese Frage endgültig in den Mittelpunkt aller Gespräche rücken.

Einen anderen Konflikt hat Eugen Brenner entschärft: Eltern wollen den wichtigen Tag gerne dokumentieren. Eine Wand von Videokameras und ein Blitzlichtgewitter aber vertragen sich kaum mit der heiligen Würde der Feier. Brenner lässt die Kinder nun nach dem Auszug aus der Kirche gleich zur nächsten Tür wieder herein. Dann heißt es vor dem Altar: "Die Eltern dürfen losknipsen."

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