Auch einen Tag nach der Sondersitzung zur Finanzkrise der Südwestdeutschen Philharmonie reißen die Merkwürdigkeiten in der Affäre nicht ab. Inzwischen musste die Stadtverwaltung einräumen, dass sie selbst gegen die Betriebssatzung des Eigenbetriebs Philharmonie jahrelang verstoßen hat. Quartalsberichte zur Lage des Orchesters lagen in der Verwaltung vor, wurden aber nicht an den zuständigen Ausschuss weitergeleitet, wie Bürgermeister Claus Boldt erklärte. „Wir haben das versäumt“, sagte er. Vom Orchesterausschuss selbst war das aber offenbar auch nie nachgefragt worden.
Insgesamt machte die Verwaltung in der Sondersitzung des Ausschusses einen etwas uneinheitlichen Eindruck. Nicht nur zu bei der Frage der Quartalsberichte war es zu Missverständnissen gekommen, auch die Frage, was die Liquidität des Orchesters über die finanzielle Lage aussagt, wurde verschieden bewertet. Während das Rechnungsprüfungsamt in seinem Bericht darauf hinwies, dass die angespannte Finanzlage der Philharmonie im Jahr 2011 auch der Entwicklung der Liquidität abzulesen gewesen wäre, erklärten Kämmerer Hartmut Rohloff und Bürgermeister Claus Boldt gerade das Gegenteil. „Aus den Zahlen zur Liquidität des Orchesters konnten sich keine Anhaltspunkte für eine problematische Entwicklung ersehen“, so Rohloff. Das dem Orchester eingeräumte Kreditvolumen sei zwar von Ende März bis Anfang Mai 2011 deutlich überschritten worden. Dies sei aber darauf zurückzuführen, „dass Zuschüsse der Stadt und des Landes noch nicht auf dem Konto der Philharmonie eingegangen waren. Nachdem diese eingegangen waren, bewegten sich die Kassenkredite des Orchesters im üblichen Rahmen“, hieß es.
Immerhin in einem anderen Punkt deutet sich eine Lösung an. Noch-Intendant Florian Riem wird wohl nicht auf eine Weiterbeschäftigung in Konstanz pochen. Darüber war spekuliert worden, nachdem sich sein geplantes Engagement bei den Münchner Symphonikern geplatzt war. „Herr Riem hat uns am vergangenen Montag mitgeteilt, dass alles beim bislang vorgesehenen Zeitplan bleibt. Das bedeutet: Der Auflösungsvertrag soll zum 30. September geschlossen werden. Abfindungszahlungen oder ähnliches seien nicht vorgesehen. Spätestens zum Jahresende wäre das Arbeitsverhältnis nach Angaben von Claus Boldt aber ohnehin beendet. Riem habe seinen Vertrag zum 31. Dezember gekündigt.
Wie es nun für Riem weitergeht, ist noch offen. Der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) hat er verraten, dass er weiterhin Lust habe, die Stelle bei den Symphonikern in München anzunehmen. Das legt den Schluss nahe, dass nicht Riem selbst das Engagement abgesagt hat, sondern vielmehr vom Vorstand des Münchener Orchesters dazu gedrängt wurde. Zu den möglichen Gründen einer solchen Absage, schrieb die SZ: „Seit Jahren hat das Haus (die Münchner Symphoniker, d. Red.) selbst Finanzierungsprobleme – und kann einen solide wirtschaftenden Intendanten gut gebrauchen.“
Die Südwestdeutsche Philharmonie in Konstanz steht vor finanziellen Problemen: Ein Defizit von rund 600.000 Euro belastet das Orchester. Seit 1. September 2012 ist Madeleine Häusler die Interims-Intendantin, sie tritt die Nachfolge von Florian Riem an. Lesen Sie alle Artikel zur Philharmonie in unserem Themenpaket.

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