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Konstanz Peter Lenk stellt im Atelier Zobel aus: Das Päpstlein ist wieder da

Vor Jahren verbannten konservative Politiker eine Skulptur von Peter Lenk aus der Konstanzer Tourist-Info. Jetzt ist die Figur nach Konstanz zurück gekehrt. Und die Nacktheit des Papstes ist größer denn je.

So viel ehrwürdige Nacktheit war selten: In stiller Eintracht sitzen König Sigismund und Papst Martin V. auf plüschigen Samtkissen nebeneinander. Die dicken Bäuche lappen über die Taille, Sigismunds Manneskraft hängt schlaff herunter. Viele Passanten laufen vorbei, blicken einmal, zweimal, lächeln erst zart, dann folgt ein breites Grinsen. Sie bleiben stehen, um in das große Schaufenster des Schmuckateliers Zobel in der Konstanzer Rosgartenstraße zu blicken und dort die prominenten Figuren eines Kunstwerks von Peter Lenk in ganzer, nun ja, Pracht zu betrachten.

Peter Lenk stellt in Konstanzer Atelier aus

Lenk, der Künstler aus Bodman hat es mal wieder geschafft. Man wird wieder über ihn reden. Wie so oft. In einer gemeinsamen Ausstellung mit dem Schmuckdesigner Peter Schmid zeigt er ab Samstag, 28. Juni, einige seiner Arbeiten in dem kleinen Konstanzer Atelier. „Ich bin gefragt worden, ob ich meine Figuren hier zeigen möchte. Nachdem hier wirklich niveauvolle Arbeit geleistet wird, habe ich gerne zugesagt“, sagt Peter Lenk beim Auspacken seiner Werke am Mittwochvormittag.

Tatsächlich ist diese Geschichte bemerkenswert. Sie hat eine dieser Pointen, wie sie Peter Lenk liebt. Noch im Sommer 2010 saß ein Modell der nackten Papstfigur in der Konstanzer Tourist-Info. Nach einem Proteststurm aus bürgerlich-konservativen Kreisen aus Politik und Kirche musste Tourist-Info-Chef Norbert Henneberger die Figur entfernen lassen. Die Begründung damals: Die nackte Papstfigur könnte die Gefühle religiöser Menschen verletzen. Dass ein Großteil der Entrüstung auf Falschinformationen beruhte, konnte auch nichts mehr daran ändern, dass sich die Geschichte zur Provinzposse auswuchs.

So glaubte der damalige baden-württembergische CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Strobl – zur Erinnerung, das ist der Mann, der 2016 Ministerpräsident werden möchte – einem Bericht der Bildzeitung, wonach der abgebildete Papst Papst Benedikt sei. Auch wegen des damals so großen Aufruhrs, freut sich Peter Lenk jetzt noch ein kleines bisschen mehr als sonst, dass sein Päpstlein nach Konstanz zurückkehrt. „Ich will die alte Geschichte eigentlich nicht wieder aufwärmen, aber ich muss zugeben, dass ich schon eine Freude dabei empfinde, den Schwarzen jetzt wieder eins auszuwischen. Und sie mir vorzustellen, wie sie an der Figur hier vorbeilaufen und sich vielleicht ärgern“, so Lenk.

Im Schaufenster des Schmuckateliers ist jetzt nicht exakt die Papstfigur zu sehen, die damals in der Tourist-Info saß. Es ist ein weiteres Modell in Originalgröße. Fast zwei Meter groß, mehrere hundert Kilo schwer – selten hat man die entblößende Nacktheit so genau gesehen. Es lassen sich viele Details neu entdecken, die man aus der Entfernung in den Händen der Imperia nicht erkennt. Wer da wo genauer hinschaut, bleibt einstweilen jedem selbst überlassen.
 


 

Offiziell eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 28. Juni, 11 Uhr. Dann werden neben Papst und König auch weitere Arbeiten von Peter Lenk zu sehen sein. Peter Schmid, Inhaber des Ateliers Zobel, ist glücklich über die Aufmerksamkeit, die die Schau schon jetzt auf sich zieht: „Wir wollten gerne etwas im Rahmen des Konziljubiläums machen. Da bietet sich eine Zusammenarbeit mit Peter Lenk und seiner Imperia an“, sagt Schmid. In seinen filigranen Schmuckarbeiten hat er auch Lenkfiguren verarbeitet. Mini-Ausgaben von Papst und König und auch die Imperia zieren Anhänger und Ringe. Man braucht nicht viel Fantasie um sich vorzustellen: Die Sommer-Ausstellung „Konzil-Geschichte, anders erzählt“ dürfte eine der erfolgreichsten in der Geschichte des Ateliers werden.

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