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Konstanz Pädagogik trifft auf Kunst

22.07.2011


Im Kinderhaus St. Gebhard arbeiten Schauspieler mit dem jungen Nachwuchs, unterstützt von der Robert-Bosch-Stiftung

Konstanz – Früh morgens nahmen die Kinder des Kinderhauses St. Gebhard die vielen Zuschauer mit auf eine lange Reise. Mit ihrem Raumschiff flogen sie nach Amerika und sogar auf einen fremden Planeten. Ihr Theaterstück war das Ergebnis dreiwöchiger Arbeit. Diese stand unter dem Thema „Mit Stühlen spielen“ und ist Teil eines zweijährigen gesponserten Theaterprojektes.

Das Kinderhaus St. Gebhard hatte sich bereits vor einigen Jahren dazu entschieden, sein Programm auf ästhetisch-kulturelle Bildung auszurichten. Da kam das Projekt „Kunststück“ der Robert-Bosch-Stiftung 2009 zur richtigen Zeit. Die Stiftung finanziert das Honorar für die Schauspieler Anna Hertz, Thomas Jung, Rahel Wohlgensinger, Simon Engeli und Carin Frei. „Kinder sind die besten Schauspieler“, erzählt Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger. Im Gespräch spürt man die Begeisterung, die die Schauspieler für ihre Arbeit mit den Eineinhalb- bis Sechsjährigen hegen. Dabei gibt es kein Drehbuch, keine Texte zum Auswendiglernen und keine Haupt- und Nebenrollen. Die Schauspieler schaffen Atmosphären oder geben Impulse, die die Kinder dann selbst weiterentwickeln. „Es geht noch nicht übers Erklären, sondern nur übers Tun“, schildert Rahel Wohlgensinger.

Eine bestimmte Atmosphäre kann durch die Klänge von Wassergläsern geschaffen werden, wie sie Kinder und Zuschauer in der hauseigenen Turnhalle empfingen. Daraus entwickelte sich ein Tanz mit weißen Tüchern. Auch hier keine einstudierte Choreographie, sondern spontane Reaktionen der Kinder und Erzieher. Denn auch diese werden in die Theaterarbeit eng eingebunden. Teil des Projektes ist ihre Fort- und Weiterbildung, die von der Akademie Schloss Rotenfels gefördert wird. Andere Sponsoren wie die Volksbank, die Badische Beamten-Bank, die Gertrud-und-Johann- Fauler-Stiftung und die Nadelwerkstatt Konstanz bieten finanzielle Unterstützung, um das Kinderhaus mit Theaterräumen auszustatten oder Material zur Verfügung zu stellen. Sabine Brunke-Fennrich, Leiterin des Kinderhauses, hofft, dass es nach der zweijährigen Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung 2012 trotzdem weitergehen kann, und sucht dafür neue Sponsoren.

Die Eltern werden nicht nur zur Abschlusspräsentation eingeladen, sondern dürfen schon zu Beginn Theaterluft schnuppern: Ein Elternworkshop vor jedem dreiwöchigen Projektblock soll es den Eltern möglich machen, sich selbst als Schauspieler zu versuchen, um den Lernerfolg ihrer Kleinen besser nachvollziehen zu können. Dieser sei riesengroß, denn die Kinder hören und sehen sich gegenseitig zu, das schärfe die Wahrnehmung und die Empathie, das Einfühlungsvermögen, erklärt Sabine Brunke-Fennrich. Einen weiteren Effekt beschreibt die Pädagogin folgendermaßen: „Sich zum Affen machen schließt Seelen auf. “ Durch den Mut, den die Kinder beweisen, wenn sie sich auf die Bühne stellen, sowie durch die Wertschätzung gewännen die Kinder an Selbstbewusstsein. „Applaus ist wie eine Streicheleinheit“, fügt Schauspieler Carin Frei an. Und diese wohlverdiente Streicheleinheit bekamen die Kinder nach ihrer Aufführung zuhauf.

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