KonstanzOrt der Entschleunigung [0]
Hier geht's rein in die Bunte Kuh: Hektik ist fehl am Platz.
Hierher kommt man nicht alle Tage. Sehr selten sogar, sofern Kaltbrunn nicht auf dem Weg liegt oder man den Allensbacher Ortsteil absichtlich ansteuert. An der Hauptstraße grüßt eine bunte Kuh in ewig gleicher Pose. Sie ist das Wahrzeichen für das, was sich hinter ihr verbirgt: das Restaurant gleichen Namens. In diesem scheint die Zeit still zu stehen – und der Gast kann sich auf eine gut bürgerliche Küche freuen. Es ist beschaulich in Kaltbrunn. Hier scheint es keine Hektik zu geben. Der Verkehr hält sich in Grenzen, die Straßen sind nicht mit Menschen bevölkert, hier trifft man sich zum gemütlichen Plausch in der Ortsgaststätte. Eine wunderbare Gelegenheit für den Konstanzer Altstadtbewohner, seinen Alltag zu entschleunigen. Bei einem weiteren Punkt merkt der Gast, dass er auf dem Land ist: Die Teller und Portionen sind größer als in der Stadt bei niedrigeren Preisen. Wir starten mit einer Ochsenschwanzsuppe (3,90 Euro). Sie schmeckt gut und erhält durch den Schuss Sherry eine leicht bitter-herbe Note. Lediglich die Fleischeinlage hätte üppiger ausfallen dürfen. So muss der Gast lange löffeln, bis er an den festen Bestandteil der Vorspeise kommt. Groß ist die Portion vom Zwiebelrostbraten (13,80 Euro) – und rosa gebraten ist es auch noch. Das Fleisch ist von sehr guter Qualität und lässt keine Wünsche offen. Die dazu gereichten Pommes sind in Ordnung, nur die Zwiebeln hätten teilweise etwas weniger Feuer auf dem Herd vertragen, schließlich ist Kohle kein Geschmacksverstärker. So kommt die gelungene Kräuterbutter darunter nur bedingt zur Geltung. Des Salatblatts und der Tomatenscheiben hätte es nicht bedurft, denn zum Menü gehört ein kleiner, leckerer Salat. Er schmeckt knackig frisch. Wie die Zwiebel, hat der Koch auch die Spätzle als Beilage zum Hirschgulasch (11,80 Euro) zu lange in der Pfanne gewälzt. Sie sind an manchen Stellen ebenfalls angeschwärzt. Sehr gut schmeckt dagegen das Blaukraut. Es ist nicht zu weich und nicht zu hart. Seine obligatorisch leicht säuerliche Note passt gut zum Hirsch. Das Fleisch – starke Esser werden sich mehr als sechs Stückchen wünschen – ist für unseren Geschmack optimal durchgebraten und wird von einer herrlichen Sauce begleitet. In einer halben Birne ruhen die Preiselbeeren als fruchtiges Rahmenprogramm am Tellerrand. Auf einen Nachtisch müssen wir mangels Angebot verzichten, nach einem Vanilleeis ist uns an diesen kalten Tagen wirklich nicht. Die Bunte Kuh ist ein Wirtshaus wie aus dem Bilderbuch. Hier scheint sich in den vergangenen Jahren nicht viel verändert zu haben: in der Speisekarte verblassen die eingeklebten Fotos, die Utensilien an den Wänden haben wohl ihre Stammplätze gefunden aus den Boxen tönt auf jeden Fall keine Rockmusik. Das soll keinesfalls negativ klingen. Hier ist es gemütlich, der Umgang ist fast schon familiär, ein Ortsgasthaus, in dem man gut einige Stunden verbringen kann. Philipp Zieger Gasthaus Bunte Kuh, Markelfinger Straße 11, Allensbach-Kaltbrunn, geöffnet ab 18 Uhr, warme Küche bis 22 Uhr, Montag Ruhetag. Telefonnummer 074533/66 14. Alle Folgen der Gastrokritik: www.suedkurier.de/gastrokritik
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