KonstanzOhne Zivis wird es schwierig [6]
Soziale Einrichtungen und Organisationen in Konstanz sehen sich bei der geplanten Verkürzung des Zivildienstes vor einem großen Problem. Viele wollen in diesem Fall auf den Einsatz von Wehrdienstverweigerern verzichten. Die neue Bundesregierung will die Zivizeit von neun auf sechs Monate verkürzen.
Kolja Müller hilft in der Werkstatt für Behinderte einer Frau in den Mantel. Auf seine Arbeit als Zivildienstleistender zählt die Caritas und steht der geplanten Zivizeitkürzung kritisch gegenüber.
Konstanz – „Die Einsatzmöglichkeiten unserer Zivildienstleistenden werden dadurch eingeschränkt“, erklärt Jürgen Raupp, Geschäftsführer der Malteser im Bezirk Bodensee. Besonders im Bereich Schwerstbehindertenbetreuung werde man künftig keine Zivildienstleistenden (Zivis) mehr einsetzen können, wenn die Bundesregierung den Zivildienst ab 2011 analog zur Wehrpflicht tatsächlich auf sechs Monate kürzt. „Gerade diese Patienten brauchen Kontinuität in der Betreuung. Bei einem sechsmonatigen Dienst funktioniert das nicht“, so Raupp. Die Malteser in Konstanz beschäftigen zehn Zivis in den Bereichen Fahrdienst, Menü-Service, Hausnotruf und Behindertenbetreuung. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) beschäftigt in Konstanz momentan nur einen Zivi. Sechs weitere junge Leute fallen unter den Paragrafen 14c des Gesetzes über den Zivildienst der Kriegsdienstverweigerer. Das bedeutet: Sie sind anerkannte Kriegsdienstverweigerer, werden aber nicht zum Zivildienst verpflichtet, wenn sie ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolvieren. Sie können sich aber diese Zeit als Zivildienst anrechnen lassen. „Der Knackpunkt für uns ist die Frage, ob auch dieses Sondermodell auf sechs Monate verkürzt wird“, sagt Patrik Lauinger, DRK-Geschäftsführer im Landkreis Konstanz. Wäre dies der Fall, sieht er Probleme auf das Rote Kreuz zukommen. „Dann kämen wir nur zurecht, wenn sich genügend FSJ-ler melden.“ „Bei den mobilen sozialen Diensten wird es schwer, denn hauswirtschaftliche Tätigkeiten und leichte Pflege sind vor allem bei Männern wenig beliebt“, so Lauinger. Die Caritas in Konstanz hat 19 Zivis in der integrativen Kindertagesstätte Arche, im Haus St. Franziskus, in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung und im Seewerk, wo psychisch erkrankte Menschen am Arbeitsleben teilhaben. Insgesamt hat die Konstanzer Caritas aber 25 Zivi-Stellen. „Einige konnten wir nicht besetzen, weil geeignete Bewerber fehlten“, sagt Pressesprecherin Johanna Klumpp. Wenn die Zivizeit tatsächlich auf sechs Monate verkürzt wird, hat es die Caritas noch schwerer. Eberhard Klein, Geschäftsführer des Nabu-Naturschutzzentrums Wollmatinger Ried, sieht das Ende des Modells Zivi kommen: „Mit sechs Monaten kommen wir gar nicht klar.“ Im Naturschutz seien schon die bisher vorgesehenen neun Monate nicht sinnvoll, da Schutzgebiete das ganze Jahr über betreut werden müssen. Daher verlängern die Nabu-Zivis ihre Tätigkeit freiwillig um ein dreimonatiges Praktikum. Beim Nabu arbeiten bis zu fünf Zivis und zwei FÖJ-ler (Freiwilliges Ökologisches Jahr). Nun überlegt sich Eberhard Klein, wie es weitergehen soll, falls die Regierung ihre Pläne umsetzt. Denkbar sei der Umstieg auf Praktikanten, die neben oder nach dem Studium das Wollmatinger Ried pflegen. Von insgesamt sieben Stellen hat die Stadt Konstanz derzeit drei mit Zivis in ihren Kinder-, Familien- und Seniorenzentren besetzt. „Der Einsatz von Zivildienstleistenden macht bei einer weiteren Reduzierung der Zeit auf sechs Monate keinen Sinn“, betont die Verwaltung. Sollte dies eintreten, beabsichtige das Sozial- und Jugendamt, noch stärker als bisher junge Menschen für das Freiwillige Soziale Jahr einzustellen, so Sprecher Walter Rügert. Ähnlich sieht es das Klinikum, an dem aktuell 33 Zivis beschäftigt sind. Eine vernünftige Einarbeitung sei bei sechs Monaten nicht mehr möglich, erläutert Pressesprecher Werner Merk. Außerdem sei in den Frühjahrs- und Sommermonaten ein „Beschäftigungsloch“ zu erwarten, da Schüler den Zivildienst in der Regel nach Schulabschluss beginnen. Das betrifft auch die Spitalstiftung. Hier arbeiten derzeit sieben Zivis, vier in der Altenpflege, drei als Hausmeister. Weitere Artikel zu: |

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Aber Zivis sind für viele soziale Einrichtungen nunmal unerlässlich, denn sie sind zum einen verpflichtet, ihren Dienst zu verrichten und zum anderen verglichen mit den anderen Angestellten deutlich kostengünstiger. Auf gut Deutsch: Es fallen billige Arbeitskräfte weg.
Das könnte aber auch die Chance für viele Arbeitslose sein wieder in den Beruf zurückzukommen, denn letztendlich müssen die Lücken, die die Zivis hinterlassen, ja wieder gefüllt werden. Schliesslich darf die Regierungsentscheidung nicht nachteilig für die Patienten sein.
Mangelndes Geld im Pflegebereich kann doch nicht die Begründung dafür sein, junge Männer zwangszuverpflichten.
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