Konstanz/Singen – Nach den Reden der Manager regte sich keine Hand zum Beifall, erst als Betriebsratsvorsitzender Rolf Benz gesprochen hatte, gab es Zustimmung: Was den rund 500 Forschungs-Mitarbeitern des Pharmakonzerns Nycomed nach Angaben von Teilnehmern in Singen verkündet wurde, traf die Belegschaft hart. 87 Stellen in der frühen Forschung werden im Kreis Konstanz gestrichen. Es wird aller Voraussicht nach auch betriebsbedingte Kündigungen geben. Besonders hart getroffen ist Konstanz, wo Nycomed mit noch rund 1200 Mitarbeitern der wichtigste gewerbliche Arbeitgeber und der bedeutendste Gewerbesteuerzahler ist.
Der Stellenabbau hängt, wie Betriebsrat und Geschäftsführung übereinstimmend erklärten, mit der Neuausrichtung der Forschungsstrategie zusammen: Gehen sollen jene Mitarbeiter, die an Projekten in einem ganz frühen Stadium arbeiten, denen das Management kaum Chancen auf dem Markt einräumen. So sei, sagte Firmensprecher Jürgen Schneider, die eigentliche Forschungs-Pipeline – sie erst macht den Wert eines Pharmaunternehmens aus – nicht betroffen. Eher gehe es darum, Projekte in einem sehr frühen Stadium künftig stärker von außen zuzukaufen. Ob Nycomed mit dieser Strategie richtig liegt, ist zwischen vielen Arbeitnehmern und der Geschäftsführung umstritten. Dass externe Partner aber eine größere Rolle spielen sollen, hatte bereits im Jahr 2007 der neue Chef Hakan Björklund verkündet. Damals hatte Nycomed nach der Übernahme der in Konstanz beheimateten Altana Pharma das Aus für 790 Stellen verkündet.
Das Unternehmen muss in diesem Jahr bei stark rückläufigen Einnahmen aus dem einstigen Umsatzrenner Pantoprazol die geplante Markteinführung des – noch nicht zugelassenen – Lungenmedikaments Daxas stemmen. Und dass das Sparen in dem von Finanzinvestoren wie Nordic Capital und UBS abhängigen Unternehmen mit dem Einschnitt vom Dienstag nicht beendet ist, wurde ebenfalls deutlich: Jetzt soll die gesamte Verwaltung auf den Prüfstand. Der Ausgang für die Standorte im Kreis Konstanz gilt als völlig offen.

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