Auch nach dem Ende der Altana Pharma kann die Universität Konstanz auf erhebliche Unterstützung durch Nycomed rechnen. Forschungschef Anders Ullman kündigte bei der Verleihung des Nycomed-Forschungspreises an, dass alle Projekte weiterlaufen. Uni-Rektor Gerhart von Graevenitz sprach von einem "wichtigen Signal".
Konstanz - Die Universität Konstanz und die Altana Pharma AG waren sich auf vielen Wegen inhaltlich und finanziell verbunden. Seit 1973 wird ein von den Nycomed-Vorgängerunternehmen gestifteter Preis für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung vergeben. Altana hat eine Stiftungsprofessur für angewandte Informatik finanziert. Auch die Graduiertenschule sowie das mit Elitesiegel versehene Graduiertenkolleg Chemical Biology wurden bisher maßgeblich gefördert. Daran soll sich auch in der Ära Nycomed nichts ändern, wie Forschungschef Anders Ullman sagte. Auch der Schülerkongress "Science4Us" werde weitergeführt, so der Nycomed-Manager bei der Verleihung des diesjährigen Forschungspreises.
Uni-Rektor Gerhart von Graevenitz sagte, er sei froh und dankbar für die Treue von Nycomed. Gerade die engen Verzahnungen zwischen Wirtschaft und Forschung sorgten für das "spezielle Konstanzer Geflecht", das herausragende Erfolge möglich mache. Ullman sprach in diesem Zusammenhang auch das geplante Wissenschaftsjahr 2009 und die Biolago-Initiative an. Bei beiden wolle sich Nycomed ebenfalls auch künftig beteiligen.
Den Forschungspreis hat die Kommission an drei junge Naturwissenschaftler vergeben, die Erfolge in der Grundlagenforschung erzielen konnten. Für den Biologen Pitter Huesgen nahm dessen Doktormutter Iwona Adamska den Preis entgegen. Sie berichtete, Huesgen habe im Bereich der Photosynthese in Pflanzen gearbeitet und dabei Enzyme untersucht, die beschädigte Proteine erkennen und abbauen oder reparieren können. Damit können Pflanzen lebenswichtige Prozesse auch unter Stress weiterführen.
Der Chemiker Michael Strerath arbeitete auf Ebene des Erbguts ebenfalls mit Enzymen. Er konnte zeigen, wie beschädigte DNA-Ketten von einem Organismus repariert werden. Daraus konnte er ein schnelles und preiswertes Verfahren entwickeln, wie Schäden auch im menschlichen Erbgut ermittelt werden können. Dies helfe beispielsweise Patienten, die aufgrund einer kleinen genetischen Fehlprogrammierung kein Aspirin vertragen, so Strerath.
Dritter Preisträger - jeder erhält 5000 Euro - ist in diesem Jahr Carl Kübler. Der Physiker arbeitete in einem von weltweit nur zehn Forschungsteams, die sehr schnelle dynamische Prozesse in Festkörpern mit starken Laserblitzen auslösen und diese Vorgänge dann mit Hilfe von Licht in einem Frequenzbereich zwischen Mikrowellen-Strahlung und Infrarot-Licht untersuchen. Die Art und Weise, wie diese Terahertzwellen vom Festkörper durchgelassen oder geschluckt werden, gibt wertvolle Auskunft über die Eigenschaften des Materials. Ergebnisse aus dieser Art der Grundlagenforschung dienen unter anderem der Weiterentwicklung elektronische Bauteile, sagte Kübler: "Wir betreiben hier nicht nur akademische Spielereien."
Nycomed-Preis
Nycomed zeichnet jährlich drei hoch qualifizierte wissenschaftliche Arbeiten der Universität Konstanz aus. Der mit jährlich 15000 Euro dotierte Nycomed Preis für herausragende Promotionsarbeiten junger Doktoranden im Bereich der experimentellen Naturwissenschaften Biologie, Chemie und Physik wird seit 1973 verliehen. Die Preisträger werden von einem jährlich wechselnden Kuratorium aus jeweils drei Lehrstuhlinhabern und drei Vertretern des Forschungsmanagements von Nycomed ausgewählt. (sk)