Die Betriebsräte beim Pharmakonzern Nycomed/Takeda haben mit Mahnwachen begonnen. Jeden Mittwoch um 17 Uhr wollen sie künftig dafür kämpfen, dass die Gekündigten eine Perspektive bekommen.
An diesem Abend ist es im Wortsinn ein eisiger Wind, der durch die Byk-Gulden-Straße pfeift. Kaum mehr als ihr Name wird bald vom einst größten Arbeitgeber in Konstanz übrig bleiben, und gegenüber dem Werkstor der Firma, die noch Nycomed heißt, stehen zwei Frauen und vier Männer. Mühsam müssen sie die schwachen Flammen ihrer Grablichter beschützen. In ihre ernsten Gesichter leuchtet das warme Kerzenlicht. Doch von Behaglichkeit ist keine Spur bei dieser ersten, kleinen Mahnwache gegen den vom Takeda-Konzern verfügten Stellen-Kahlschlag.
Jeden Mittwoch um 17 Uhr wolle man sich im Industriegebiet künftig treffen, sagen die sechs Betriebsräte: „Jeder kann dazukommen, je mehr wir sind, desto besser.“ Zwei Arbeitsnehmervertreter aus Konstanz sind zum Auftakt dabei, zwei vom Nycomed-Standort Hamburg-Willinghusen, zwei aus Oranienburg. Zuvor hatten sie beraten, wie es weitergehen soll. Mit der Geschäftsleitung stehen jetzt die Verhandlungen über den Interessenausgleich an. In ihm könnte ein Einvernehmen über die Begleitumstände der tiefgreifenden Umstrukturierung gefunden werden.
Gespräche, sagt der stellvertretende Konstanzer Betriebsratsvorsitzende Horst Schließer, soll es bald geben, „aber noch keine Verhandlungen.“ Unterstützung holen sich die Vertreter der Arbeitnehmer bei den Gewerkschaften. Doch schon 2007 hat sich gezeigt: Der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder unter den Pharma-Mitarbeitern ist traditionell gering. Es sei, sagt einer der Betriebsräte an diesem kalten Abend, „halt leider nicht wie bei der IG Metall.“
Die kleinen Zeichen vor dem Werkstor soll es dennoch geben. Von den Stuttgart-21-Gegnern haben sich die Betriebsräte die Idee mit dem Bauzaun ausgeliehen. An einer improvisierten Klagewand haben sie Protest-Zettel, Bilder und Texte angepinnt. Einzelne Appelle an die Politik gibt es auch. Dass sie doch nur ohnmächtig zusehen könne, was mit wichtigen Arbeitsplätzen in Konstanz passiert, lässt Horst Schließer nicht ganz gelten. Bei der Forderung nach ordentlichen Abfindungen und nach einer Auffang-Firma für die Gekündigten könne sie helfen. Als Sprecher der lokalen Politiker habe ihm Landrat Frank Hämmerle erneut seine volle Unterstützung zugesagt. Viel wärmer ums Herz wird den vier Männern und zwei Frauen davon auch nicht.
Alles zu Nycomed/Takeda im Dossier
Das Gewerbe ist krisensicher, diese Art Laden geht uns nicht ...