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Konstanz Nur zwei Stunden Zeit für sich selbst

12.12.2009
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Pfarrer Andreas Rudiger hat an Heiligabend nicht viel Zeit für sich. Trotzdem mag er das Fest, weil er vielen Menschen eine Freude bereitet.

Den Heiligen Abend verbringt Pfarrer Andreas Rudiger ganz anders als die meisten Menschen. Er hat nicht viel private Zeit, um eines der wichtigsten Feste des Kirchenjahres zu feiern. „Morgens gehe ich zum Beten in die Kirche, dann biete ich Beichtzeit an und probe mit den Ministranten. Dann esse ich und nach einer zweiten Beichtzeit gestalte die erste Christmette um 17 Uhr“, erzählt der Leiter der Seelsorgeeinheit Petershausen. Vor dem zweiten Gottesdienst um 22 Uhr bleiben zwei Stunden Zeit, um mit fünf, sechs Freunden eine kleine Feier zu Hause zu gestalten. Trotzdem sagt Andreas Rudiger: „Mein Weihnachten ist sehr still und besinnlich, das genieße ich. Früher waren wir vier Kinder, da ging es laut und hektisch zu.“

Dass Andreas Rudiger seine private Zeit an Heiligabend für Menschen gibt, die vielleicht nur an Ostern und Weihnachten in die Kirche gehen, stört ihn nicht. Der Pfarrer hofft, dass diese Besucher dadurch den Zugang zur Kirche finden. „Es ist ein wahnsinniges Glück, wenn die Menschen in einer Zeit der Gottvergessenheit kommen und ich ihnen was bieten kann“, sagt Rudiger. Er glaubt, dass die Besucher aus einem inneren Bedürfnis heraus an Heiligabend in den Gottesdienst gehen. „Der Mensch ist unheilbar religiös“, sagt der Pfarrer. Ihm ist es wichtig, auch schon den Kindern den Zugang zur Religion zu vermitteln: „Ich ermutige sie, Jesus anzusprechen und selbst herauszufinden, ob sie ihn annehmen können.“

Weihnachten ist für Rudiger nicht nur ein Fest der Lieder und Geschichten, sondern auch ein Fest des Urvertrauens. „Ich versuche an Weihnachten, Kind zu sein. Ein Kind Gottes“, sagt er Pfarrer. Das erlebt er, wenn er in sein Elternhaus fährt und dort das kleine Jesuskind aus der Krippe in die Hand nimmt. „Wenn ich über die kleine Wachsfigur mit Jesus Zwiesprache halte, ist für mich Weihnachten“, sagt Andreas Rudiger. Trotzdem versperrt auch er sich nicht dem Konsum, sondern beschenkt seine Verwandten. Als Kaplan hat er sogar die Jugend angestellt, um seine Geschenke einzupacken. Oft bestellt er sie im Internet. „Im Kaufhaus kriege ich Kopfweh“, erzählt Rudiger.

Für den Pfarrer ist es „völlig okay“, dass er Heiligabend arbeiten muss. Im ersten Jahr kam bei ihm kein Weihnachtsgefühl auf, aber inzwischen denkt Andreas Rudiger sich: „Ich ermögliche so vielen Menschen eine schöne Zeit. Dafür arbeite ich gern.“

Kirsten Schlüter

Der Adventskalender im Internet:

www.suedkurier.de/kalender

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