Konstanz – Die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden (IRG) will für den geplanten Neubau einer Synagoge in der Sigismundstraße das Gebäude des ehemaligen „Ankers“ nicht übernehmen. Das ist das Ergebnis einer Begehung des dortigen Grundstücks von Vertretern der IRG am Donnerstagnachmittag.
Damit dürfte es schwierig werden, die bisherigen Planungen einer Synagoge mit Gemeindezentrum auf diesem Gelände umzusetzen. Geplant war hierbei, den Altbau in einen Neubau zu integrieren.Hintergrund der Entscheidung der IRG Baden sei der desolate Zustand des alten Gebäudes. „Ich will der Entscheidung des Oberrates am 12. Juli nicht vorgreifen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir hier keinen einzigen Cent investieren“, sagte der Vorsitzende der IRG, Wolfgang Fuhl. Niemand könne von einer Religionsgemeinschaft erwarten, dass sie Millionen in eine Ruine investiere, fügte Fuhl an. Eine Sanierung sei ein „Fass ohne Boden“. Das würde das einkalkulierte Budget von 1,5 Millionen Euro für den Neubau „bei weitem überschreiten“, so Fuhl. Aus diesem Grund plädierte er für einen Abriss.
Bei Frank Mienhardt, oberster Denkmalschützer der Stadt, stößt er damit allerdings auf wenig Gegenliebe. „Das Haus ist immer noch ein Kulturdenkmal“, sagte er. Besonders Teile der Umfassungswände, eine Stube in den oberen Etagen und die historische Dachkonstruktion stünden unter Denkmalschutz, erläuterte Mienhardt. Trotz der unterschiedlichen Positionen, scheint ein Kompromiss nicht ausgeschlossen: „Wir sind bei dem Bau schon flexibel“, räumte Frank Mienhardt ein. Jetzt soll es darum gehen, eine gemeinsame Lösung zu finden. Denkmalpflege und Fritz Wilhelm, Architekt der geplanten Synagoge, wollen mögliche Pläne erarbeiten. Bereits in den nächsten Tagen soll es eine weitere Begehung des Gebäudes geben.
Trotz der unklaren Lage in der Sigismundstraße will die IRG die Planung für eine Synagoge in Konstanz aber weiter vorantreiben: „Bis spätestens Juni 2012 soll die neue Synagoge stehen“, so Wolfgang Fuhl. Sollte das am bisher geplanten Standort nicht möglich sein, gebe es zwei Alternativen: Entweder ein anderer Standort in der Altstadt oder ein kleinerer Synagogenbau in der Sigismundstraße ohne das geplante Gemeindezentrum.
Ganz gleich wie die Baufrage letztlich ausgeht: Spätestens zur Eröffnung einer neuen Synagoge im Jahr 2012 soll es nur noch eine Jüdische Gemeinde in Konstanz geben, sagte Wolfgang Fuhl. Derzeit existieren mit der Israelitischen Kultusgemeinschaft und der Jüdischen Gemeinde zwei Glaubensgemeinschaften, die in der Vergangenheit immer wieder im Clinch miteinander lagen.
Das Gebäude an der Sigismundstraße 8 beherbergte vor Jahren das Hotel Anker. In den Neunziger Jahren hat die Stadt die Immobilie für die Unterbringung von Asylbewerbern benutzt. Seit 2004 ist sie im Besitz der Israelitischen Kultusgemeinschaft.