KonstanzNeue Technik gegen Nierensteine [0]
Neue Hoffnung für Patienten mit Nierensteinleiden: Manfred Gekeler, Professor an der Hochschule Konstanz (HTWG), und das Unternehmen MTS Europe haben einen Nierensteinzertrümmerer entwickelt, der herkömmlichen Geräten technisch und preislich überlegen sein soll. Das Gerät kann laut Hochschule auch auf anderen medizinischen Gebieten eingesetzt werden.
Manfred Gekeler, Professor an der HTWG Konstanz (Zweiter von links) und Reiner Schultheiss, Direktor für Forschung und Entwicklung bei der MTS Europe (Dritter von links) bei der Vorstellung des Geräts.
Konstanz (sk) Zertrümmerer haben in der Medizin mittlerweile die operative Entfernung von Nierensteinen weitgehend abgelöst. Das Verfahren funktioniert durch Stoßwellen.Sie zersetzen gezielt und mit extrem hohem Druck die Steine, so dass sie auf natürlichem Weg ausgeschieden werden. Ein Therapiekopf wird auf den Körper aufgesetzt und gibt kurze Stöße ab. Das Erzeugen der Wellen ist technisch anspruchsvoll, teuer und mit beträchtlichen Energieverlusten behaftet. Anspruchsvoll deshalb, weil zur Erzeugung ausreichender Stoßwellen die Energiespeicher auf einer Hochspannung von bis 25000 Volt aufgeladen und anschließend in weniger als einer Millionstel Sekunde mit Strömen von etwa 5000 Ampere entladen werden müssen. Der geladene Energiespeicher wird über einen Schalter im Therapiekopf entladen. Der Funke, der dabei entsteht, löst die Stoßwelle aus. Durch diese Verfahren verpufft ein Großteil der Energie wirkungslos. Die Schalter in den Therapieköpfen sind teuer und verschleißen sehr schnell. Außerdem handelt es sich dabei um so genannte Vakuumschalter, die auch zur Zündung von Nuklearwaffen geeignet sind, heißt es von der HTWG. Dies bedeutet auch, dass die Geräte nicht in sensible Gebiete exportiert werden - für die dortigen Patienten ein großer Nachteil. Doch nun können bald auch diese Menschen mit Stoßwellen therapiert werden. Denn Manfred Gekeler von der HTWG Konstanz hat ein patentiertes Verfahren entwickelt, das die Geräte entscheidend energieeffizienter als bisher macht. Gemeinsam mit dem Konstanzer Unternehmen MTS Europe wurden die ersten Geräte bereits gebaut und erfolgreich getestet. Das Verfahren des Elektrotechnik-Professors greift auf kostengünstige Niederspannungs- statt bisher Hochspannungselemente zurück. Die Elemente können nach beliebig benötigter Leistungsstufe gebaut werden. Durch ein Verfahren wird sogar ein Großteil der eingesetzten Energie zurückgewonnen und erneut zur Erzeugung von Stoßwellen verwendet. Die tragbaren Geräte seien nicht nur kostengünstiger, teilte die HTWG mit. Sie seien auch leichter zu handhaben. Die Realisierung der Geräte gemeinsam mit MTS Europe bezeichnet Gekeler als "beispielhaft für die Kooperation zwischen unserer Hochschule und den mittelständischen Unternehmen der Region". Reiner Schultheiss, Direktor für Forschung und Entwicklung der MTS lobt "den offenen Informationsaustausch, die Professionalität, die hohe Ingenieurkunst und die umfassenden Fachkenntnisse" des Hochschulteams. "Professor Gekeler und sein Mitarbeiter Sebastian Franz hatten immer schnell eine Lösung parat, die das Gerät noch besser machte", sagte Schultheiss. MTS-Geschäftsführer Nikolaus Hopfenzitz betonte, das Projekt sei "das beste, das wir bisher gemeinsam mit einer Hochschule durchgeführt haben". Das neue Gerät kann laut Herstellern auch auf anderen medizinischen Gebieten angewendet werden, etwa in der Orthopädie, bei Hautkrankheiten und offenen Wunden etwa infolge von Diabetes oder Verletzungen.
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