Konstanz Neue Spielhalle: Schweizer als wichtige Kunden
Vom einstigen Klein Paris blieb zuletzt nicht mehr viel übrig – nur noch ein Haufen Bauschutt. Bild: Hanser
– Ein optimaler Standort: Als solchen bezeichnet Michael Mühleck das Areal, auf dem jahrzehntelang das Klein Paris gestanden hat. Wo einst das Amusement mit leicht bekleideten Damen herrschte, will der Geschäftsführer einer privaten Spielhallenkette eine neue Filiale eröffnen. Zeitgleich fürchtet er sich vor der Einführung eines Spielhallengesetzes im Land.
Der Chef der Harlekin Spiel- und Unterhaltungsautomaten Betriebsgesellschaft mbH spricht offen über seine Branche, deren Sorgen und über seine Geschäfte. Im Gegensatz zu anderen Betreibern von Spielhallen in Konstanz scheut er sich nicht vor einem Gespräch mit Medien. Das liegt auch daran, dass er Vorsitzender des Automaten-Verbands Baden-Württemberg ist. In dieser Funktion hat Mühleck einen Überblick über dieses Geschäft. Es zittert vor einem Spielhallengesetz auch in Baden-Württemberg. Es könnte den privaten Spielbetrieb so stark einschränken, dass Arbeitsplätze sowie Umsatz in Gefahr seien. Andere Länder wie Berlin haben die Flut von Spielhallen bereits eingedämmt.
Trotz dieser Furcht kann Michael Mühleck den Wunsch der Kommunen nach besserer Steuerung von Neuansiedlung nachvollziehen: Städte bräuchten ein Instrumentarium, um Vergnügungsstätten zu kanalisieren. Axel Mothes, Leiter des Baurechtsamts, hatte bis zuletzt die Hoffnung, dass Harlekin Auflagen beim Bau nicht erfüllen kann. Ihm ist die Massierung von privaten Automatencasinos ein Dorn im Auge. Bei einem anderen Betreiber, der sich an der Macairestraße niederlassen wollte, war der Erfolg größer. Er konnte die Vorgaben nicht erfüllen und letztlich den Betrieb nicht aufnehmen.
Eine unbegrenzte Explosion müsse ein Ende haben, sagte Mühleck. Das sieht er durchaus selbstkritisch. Die Frage, weshalb sich trotz der bereits zahlreichen privaten Spielhallen auch noch Harlekin in Konstanz ansiedeln wird, beantwortet Mühleck mit der Standortwahl. An der Reichenaustraße sieht er ausreichend Potenzial für einen neuen Betrieb. Und: „Schweizer sind durch den Frankenkurs besonders interessant geworden“, erklärt er. Mühleck rechnet mit bis zu 50 Prozent Kundschaft aus dem Nachbarland. Die große Kaufkraft und die stabilen Immobilienpreise seien weitere ausschlaggebende Punkte für eine Ansiedlung gewesen.
Die Kritik an privaten Hallenbetreibern, sie führten in die Spielsucht, versucht Mühleck zu entkräften. Zutritt in die Casinos von Harlekin – sie firmieren unter dem Namen Magic Casinos – erhielten Personen erst ab 21 Jahren. Bis zu zwei der vermutlich zehn neuen Mitarbeiter in Konstanz seien auf Suchtprävention geschult. Sie sollen gefährdete und abhängige Gäste erkennen, den Kontakt suchen und Therapiegespräche zu Experten vermitteln. „Spielen sollte nur jemand, der sich das aus dem Freizeitbudget leisten kann“, sagt Mühleck. In dem neuen Gebäude an der Reichenaustraße sollen vier baulich voneinander unabhängige Spielhallen entstehen. Bis Mai soll das Haus schlüsselfertig errichtet sein, blickt Michael Mühleck voraus. Im Juni folge voraussichtlich der Innenausbau, sodass der neue Betrieb Ende Juli eröffnet werden könne.

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