Konstanz Neue Hoffnung nach Brand
Die Bücheraktion für das abgebrannte Kinderhaus Edith Stein war ein großer Erfolg: 122 Bücher sollten über Paten angeschafft werden, es sind aber stolze 188 geworden. Bild: Bild: Hanser
Schnell war klar, dass Brandstifter am Werk waren. Es sei immer noch kein Tatverdächtiger in Sicht, hieß es bei der Staatsanwaltschaft Konstanz. Die Kriminalpolizei hatte bei ihren Ermittlungen zwei weitere Brände in der Nachbarschaft festgestellt und einen Zusammenhang gesehen.
Der Wiederaufbau des Kinderhauses Edith Stein soll nun bald angepackt werden. „Unser Ziel ist ein neuer Aufbau, aber nicht überhastet“, sagt Leiter Thomas Kannenberg. Nach wie vor geht er davon aus, dass das neue Gebäude Ende 2012 steht. Die Bauzeit betrage ungefähr eineinhalb Jahre. Von außen solle es komplett anders aussehen, energetisch werde es auf dem neuesten Stand sein. Die Innenarchitektur sei jedoch vergleichbar mit dem alten Haus. „Mein Büro zum Beispiel wird fast genau an derselben Stelle sein wie vorher“, erzählt er.
Wenn man die ehemalige Pestalozzi-Schule besucht und in die vielen lachenden Kindergesichter schaut, wird schnell klar: Der Schock über den Verlust des Kinderhauses Edith Stein in der Gustav-Schwab-Straße ist überwunden. „Von den Kindern konnten wir einiges lernen“, erzählt Thomas Kannenberg im derzeitigen Domizil. Nach dem Brand im Juni sei ein nahtloser Übergang zurück zum Alltag wichtig gewesen. Für die Kinder, von denen nur die wenigsten den Brand selbst mit angesehen hatten, sei es am wichtigsten gewesen, dass die Mitarbeiter alle unversehrt waren. Er ist begeistert von der großen Solidarität in der Stadt. „Es war sofort klar: Wir bauen's wieder auf.“
Da trotz vieler Spenden noch einiges fehlte und vor allem der Bücherbestand des Kinderhauses vom Brand nicht verschont geblieben war, rief der Elternbeirat die Aktion „122 Wunschbücher für das Kinderhaus Edith Stein“ ins Leben. Ziel der Aktion sollte es sein, Paten für 122 Bücher zu finden, die Kinder, Eltern und Erzieher zuvor in einem gemeinsamen Prozess ausgewählt hatten. Diese Aktion wurde nun am Freitag in einer kleinen Abschlussveranstaltung beendet und den Kindern die Bücher von der Buchhandlung Homburger und Hepp überreicht.
„Bücher üben eine gewisse Faszination auf Kinder aus“, sagt Thomas Kannenberg. Das sehe man daran, wie sich die Kinder auf sie gestürzt haben. Die Aktion kam bei allen sehr gut an. Oft war die Resonanz von Paten: „Das habe ich meinen Kindern vorgelesen!“ Bücherpaten sind unter anderem Oberbürgermeister Horst Frank, Autorin Gaby Hauptmann und der Künstler Tobias Bücklein. Aus 122 wurden schließlich 188 Bücher. Sie sollen der Anfang sein für eine neue Bibliothek im Kinderhaus, in der die Kinder Bücher zum gemeinsamen Lesen mit ihren Eltern ausleihen und den Bildungsapparat schon einmal langsam kennenlernen können.
