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Konstanz Neue Gemeinschaftsunterkünfte: Bürger wehren sich gegen zu viele Flüchtlinge

525 Flüchtlinge sollen schon bald in zwei Unterkünften im Stromeyersdorf leben. Eine neue Bürgerinitiative wehrt sich und fordert geringere Zahlen für den Stadtteil.

Die im Februar im Kreistag beschlossenen vier neuen Gemeinschaftsunterkünfte für Konstanz haben die Debatte um die Unterbringung von Flüchtlingen voll entfacht: Während mehrere Tausend Menschen gegen die Unterkunft am Hörnle unterschrieben haben und die Stadt die Entscheidung immer wieder verschiebt, wehren sich nun auch die Anwohner des Gewerbegebiets Stromeyersdorf.

Mehr als 500 Flüchtlinge sollen zwischen Seerheinufer und B 33 untergebracht werden. Damit ist für viele Bürger das Maß überschritten. „Wir sind nicht gegen Flüchtlinge, aber wir sind für angemessene Zahlen“, sagt Anwohner Michael Priesemeister. Asylsuchende in dieser Menge in dem kleinen Gebiet unterzubringen, sei nicht verträglich. „Zumal im direkten Umfeld nur rund 50 Anwohner leben“, sagt der Konstanzer. In ganz Stromeyersdorf sind laut Stadt 821 Einwohner registriert.


Bürgerinitiative Stromeyersdorf

 

Einige der Anwohner haben nun die Bürgerinitiative Stromeyersdorf gegründet. „Viele dachten, dass wir gemeinsam etwas machen müssen“, erklärt Doris Priesemeister. Die Initiative will sich im Allgemeinen für das Gewerbegebiet einsetzen. Erstes Ziel aber ist es, die Zahl der Flüchtlinge im Stadtteil zu verringern: auf 150 Personen für die Line-Eid-Straße und 40 Personen für die Stromeyersdorfstraße. „Wir fordern eine faire und solidarische Verteilung der Flüchtlinge auf alle Konstanzer Stadtteile“, sagt Michael Priesemeister, Sprecher der Bürgerinitiative. Mit vier Unterkünften und fast 800 Flüchtlingen liegt der Schwerpunkt der im Kreistag neu beschlossenen Verteilung im Konstanzer Industriegebiet.

Benedikt Graf, Sprecher des Landratsamts, erklärt auf Anfrage, die Standorte der einzelnen Unterkünfte seien darin begründet, dass dem Landkreis dort geeignete Grundstücke von der Stadt angeboten wurden. „Die Nähe der beiden Standorte in der Stromeyersdorfstraße und Line-Eid-Straße ist daher zufällig. Bei den derzeit hohen Zuweisungszahlen sind wir aber auf Objekte mit entsprechender Kapazität angewiesen“, sagt Graf. Die Möglichkeit, die Belegungszahl jetzt schon zu reduzieren, bestehe nicht.
 

Offene Karten erwünscht

 

Die Anwohner wollen ein Gespräch mit der Stadt. Doch die blocke ab, es gebe null Informationen, sagt Doris Priesemeister. „Wir wollen offene Karten und eine Chance, der Stadt mitzuteilen, wie wir das Ganze sehen.“ Die Stadt plant nach eigenen Angaben eine Infoveranstaltung in Stromeyersdorf im März. Sozialbürgermeister Andreas Osner erklärt in einer Stellungnahme: „Die Veranstaltung konnte erst geplant werden, nachdem das Landratsamt, die entsprechenden Beschlüsse herbeigeführt hatte und wir genauere Pläne über die Art und Weise der Bebauung vorgelegt bekamen.“ Osner macht den Anwohnern wenig Hoffnung, ihr Ziel zu erreichen: „Bis Ende des Jahres müssen wir circa 1770 Flüchtlinge in unserer Stadt aufnehmen. Wir brauchen die Plätze im Industriegebiet, damit die Stadt ihre Quote erfüllen kann.“

Für die Anwohner von Stromeyersdorf ist die Situation unbefriedigend. Michael Priesemeister erklärt: „Die Geflüchteten brauchen Hilfe, das ist klar. Doch die Hilfe geht ganz Konstanz an. Dazu muss jeder seinen Teil beitragen.“ Er ist sich sicher, es gibt genug Alternativen für die Unterbringung der Asylsuchenden in der Stadt: „Für uns ist der Punkt erreicht, uns zu wehren.“

 

Zwei Unterkünfte

 

Line-Eid-Straße: Bis zu 370 Flüchtlinge sollen in der Unterkunft leben. Durch die Bedenken des Gestaltungsbeirats jedoch, werden die Planungen – zwei viergeschossige Gebäude in Massivbauweise zu bauen – überarbeitet, um Fläche für Freizeitgestaltung zu gewinnen und sozialen Konflikten entgegenzuwirken. Die Kapazität könne sich dadurch noch verändern.

 

Stromeyersdorfstraße: Knapp 500 Meter Luftlinie entfernt entsteht die zweite Unterkunft: 147 Plätze für Asylbewerber sind zwischen Stromeyersdorfstraße und Am Seerhein vorgesehen. 78 Container sollen dafür zweigeschossig aufgestellt werden.

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