Mein

Konstanz Neue Freunde

01.03.2008
Artikel drucken
Schlagwörter


Freundschaften verlaufen grob gesagt in drei Phasen: In der ersten Phase, der Kennenlern-Phase, läuft alles recht einfach: Das Gegenüber ist wahnsinnig interessant, es gibt einen regen Austausch und viele gemeinsame Pläne. In der zweiten Phase nimmt die Faszination etwas ab, der Andere wird normaler. Wenn es gut läuft wird das Band der Freundschaft aber auch fester. Wenn es schlecht läuft, dann geht es bereits in eine mögliche Variante der dritten Phase über: Die Freundschaftstrennung. Oder man rauft sich so zusammen, dass eine stabile Basis für lange Zeit entsteht. Bleibt man in dem Beispiel, dann ist die durch den Wettbewerb "Stadt der Wissenschaft" initiierte aufflammende Freundschaft zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunalpolitik noch in der ersten Phase. Nach der Konstanzer Niederlage im Finale des Städtewettstreites geht es nun darum, diese Dreisamkeit weiter mit Leben zu füllen. Die Befürchtung, dass mit der Wettbewerbsanspannung gleichzeitig auch der Zusammenhalt abfällt, ist durchaus gerechtfertigt. Was kann man also dagegen tun?

Ein erster Schritt wäre das Motto "Grenzenlos denken" tatsächlich in das tägliche Handeln zu integrieren. Das bedeutet für jeden der drei Akteure über den eigenen Tellerrand zu schauen, seine eigenen Grenzen zu verlassen, und die Interessen der Anderen zumindest zu bedenken. Die positiven Erfahrungen, die die Hochschulen, die Unternehmen und die Stadtverwaltung im Bewerbungsverfahren in dieser Hinsicht gemacht haben tragen dazu bei, dass es am Ende bei jedem aus Eigeninteresse geschieht. Wenn die Teilnahme an dem Wettbewerb nicht nur Selbstzweck war, müssen jetzt auch ohne Titel weitere Schritte folgen.

Die Bereitschaft dazu ist da. Mit dem europäischen Satellitensystem Galileo und dem geplanten Kompetenzzentrum gibt es Projekte, in denen sich die junge Freundschaft der Drei bewähren und wachsen kann. Zwei Dinge sind hier jedoch wichtig. Erstens: All die Hoffnungen, die jetzt auf den Sektor Wissenschaft projiziert werden, wird er kaum in dem Maße erfüllen können. Wissenschaft wird Konstanz in Zukunft voran bringen, aber man darf auch nicht alles auf diese eine Karte setzen. Zweitens: Es wäre fatal, sich bereits jetzt komplett auf die noch zarten Bande zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu verlassen. Eine stärkere Vernetzung wird nicht von alleine "passieren". Überlässt man in dieser Phase das Netzwerk sich selbst, so steht zu befürchten, dass Stillstand und nicht Austausch Alltag wird. So wie bei frischen Freundschaften eben auch.

Um den Geist von Jena zu bewahren, braucht es etwas Identitätsstiftendes, Zusammenhaltendes - so wie es der Wettbewerb war. Unter einem solchen Dach oder einer solchen Marke könnte die neue Freundschaft in Zukunft stabil wachsen. Das Amt für Schulen, Bildung und Wissenschaft mit Waltraut Liebl-Kopitzki und Ursula Herold-Schmidt hat den Prozess bisher erfolgreich moderiert - warum sollten sie das nicht weiter tun? Erst recht, wenn Konstanz auch ohne Titel, das Jahr 2009 zum Wissenschaftsjahr machen will. Denkbar wäre auch eine erneute Teilnahme an dem vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgeschriebenen Städtekampf. Mit Oldenburg, Jena, Dresden und Braunschweig haben vier von fünf Gewinnern erst im zweiten Anlauf gewonnen. Eine Entscheidung hier hängt maßgeblich davon ab, was aus dem Wettbewerb wird. Derzeit denkt der Stifterverband über eine Reform nach.

Eine Lehre von Jena ist aber auch, dass die Stadt lernen muss, sich künftig konsequenter zu entscheiden. Das lange Abwägen für oder gegen eine Teilnahme brachte die Bewerbung unter Zeitdruck. Auch wenn am Ende ein gutes Ergebnis stand: Oldenburg hat auch deshalb gewonnen, weil es einen größeren Vorlauf hatte und nicht so zögerlich war. Berücksichtigt man diese Lehren von Jena, dann steht einer gedeihlichen und anhaltenden Freundschaft von Forschern, Unternehmern und Politikern nichts im Wege.

Konstanz
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung