Die Unternehmensleitung der Mein Fernbus GmbH (MFB) lässt sich die Werbung für ihr neues Angebot durchaus was kosten. Für Mittwoch hat sie eine Autofähre der Konstanzer Stadtwerke gechartert. Während das Schiff bei Sonnenschein und leichter Brise den Überlinger See durchpflügt, präsentieren die MFB-Gründer und -Geschäftsführer Panya Putsathit (36) und Torben Greve (37) Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Tourismusbranche ihren zweiten Streich.
Der erste Streich war die Linie eins, eine Fernbusverbindung, die München via Friedrichshafen mit Freiburg verbindet. Seit 100 Tagen wird die Strecke bedient und „wir sind sehr, sehr zufrieden“, sagt Torben Greve, der Kaufmann und ein Studienfreund von Co-Geschäftsführer Putsathit ist. Der zweite Streich ist nun Linie 2: Ab 10. August können Reisende von Konstanz via Meersburg und Friedrichshafen nach München und zurück fahren. Ab Herbst soll die Route dann über Konstanz hinaus nach Zürich verlängert werden.
Bei der Präsentation führen die Verantwortlichen von Mein Fernbus griffige Argumente ins Feld: Die Fahrpreise sind für die Strecke München-Konstanz, oder Konstanz-München, mit 29.50 Euro (Erwachsene) und 18 Euro (Kinder) günstig, die Fahrtzeit ist mit 3.15 Stunden kürzer als die einer Bahnfahrt und umsteigen muss man auch nicht. Außerdem führen die Geschäftsführer vor Augen, dass die Nutzung des Fernbusses gemessen am Energieverbrauch pro Person im Vergleich zur Konkurrenz von Bahn und Privat-Pkw die unschlagbar umweltfreundlichste Form des Reisens ist. „Nur das Fahrrad ist umweltfreundlicher“, sagt Panya Putsathit.
Und weil das so ist, wirbt Mein Fernbus mit dem Slogan „Fahr grün“. Die Farbe der Busse ist grün, und die Promoter tragen grüne Hemden. Im Kreise der Zuhörerschaft auf der Fähre müssen die Veranstalter am Mittwoch keine Bedenken abbauen. Fernbus-Linie zwei und „Fahr grün“ überzeugen. Der Konstanzer Baubürgermeister Kurt Werner lobt das Angebot und betont, man sehe keine Konkurrenz zum Busangebot der Stadtwerke. Daniela Pahl-Humbert, Geschäftsführerin der Internationalen Bodensee Tourismus GmbH, spricht von einer neuen grünen Anfahrmöglichkeit nach Konstanz. Iris Müller, Leiterin von Meersburg Tourismus, stellt fest, der Bodensee werde von der Fernverbindung profitieren. Nachdenklich gestimmt ist allein Jean-Christophe Thieke. Bahnverbindungen könnten unter der neuen Konkurrenz leiden, befürchtet der stellvertretende Kreisvorsitzende der Jungen Union im Bodenseekreis, der auch im Landesfachausschuss Verkehr der CDU vertreten ist. Man werde die Entwicklung beobachten müssen.
