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Konstanz Neubaupläne nach Altstadtbrand umstritten

04.08.2012
Konstanz -  Nach dem Altstadtbrand in Konstanz vor eineinhalb Jahren soll nun das zweite schwer beschädigte Haus abgerissen werden. Über die Neupläne sind nicht alle glücklich.

Während der Neubau beim früheren Schuhhaus Haug Form annimmt, muss das Haus links daneben noch abgerissen werden.  Bild: Hanser

Das zweite Gebäude von rechts zeigt den geplanten Bau von Brillen Müller. Im jetzigen Entwurf überragt der First das Schuhhaus Haug (rechts), dies soll geändert werden.  Bild: Repro: sk

Der Neubau an der Stelle des Altstadtbrandes kommt gut voran. Das Haus daneben (mit den Stützbalken) wird noch abgerissen.  Bild: Hanser

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Eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand in der Altstadt ist der Neubau des Schuhhauses Haug gut vorangekommen. Das Gebäude von Brillen Müller steht allerdings noch immer mit den mächtigen Stützbalken da. Mancher in der Stadtverwaltung ist schon ungeduldig geworden. Doch nun geht es mit den Neubauplänen voran. Der Gestaltungsbeirat hat sich zweimal damit befasst. Das beim Brand stark beschädigte Haus soll jedenfalls abgerissen werden, so viel steht fest.

Bauherr Harm-Udo Müller gibt keine Auskunft zum Stand des Verfahrens. Er verweist auf den Planungsprozess, der noch nicht abschlossen sei. Er und sein Architekt müssen nachbessern, der Gestaltungsbeirat hat ihnen einige Hausaufgaben aufgegeben. Schon in der ersten Sitzung im Mai hatte es in der Stellungnahme geheißen, das bauliche Umfeld müsse stärker berücksichtigt werden. Dabei sei es aber möglich, es neu zu interpretieren, also moderner zu bauen. Dies betreffe sowohl das Volumen, als auch Fassade und die Gestaltung im Hinterhof. Der Beirat empfahl, die Dachflächen zu vergrößern und das Volumen im Hinterhof zu reduzieren. Jüngst ist der Beirat erneut zusammengekommen, um den überarbeiteten Entwurf zu begutachten. Das Ergebnis: Das Projekt habe sich verbessert, doch die Höhe der Fassade in der Kanzleistraße wird „weiterhin als überzogen angesehen“. Die Firsthöhe solle unter der des Nachbargebäudes liegen. An das Haus schmiegt sich ein relativ niedriges an (siehe Skizze). Es gehört Walter Geisselhardt. Der Universitätsprofessor lebt im Rheinland, hat aber nach wie vor einen starken Bezug zu Konstanz, wo er aufgewachsen ist.

Seine Enkelin bewohnt das Haus in der Kanzleistraße, das seit 1914 in Familienbesitz ist. Er hatte in den Tagen des Brandes darum gebangt, schließlich war lange offen, ob das Nachbarhaus ebenfalls einstürzt. Geisselhardt ist von den Neubauplänen nicht ganz begeistert. Als Nachbar hat er seine Bedenken der Stadtverwaltung mitgeteilt. Er befürchtet vor allem im Hinterhof eine zu massive Bebauung, die dem historischen Ensemble nicht gerecht werde.

Sein Architekt Burghard von Sondern geht noch weiter. Er sieht die Hausfluchten kritisch und die geplante Fassade. „Die Schaufenster passen gar nicht in die Zeile.“ Es seien zwar ganz unterschiedliche Gebäude in der Kanzleistraße, doch aus seiner Sicht wirken die Fassaden insgesamt als Ensemble. Burghard von Sondern versteht auch die Haltung des Denkmalamtes der Stadt nicht. Als das Geisselhardt-Haus umgebaut wurde, sei penibel auf die Form der Fenster und die Fluchten geachtet worden. Beim jetzt geplanten Neubau seien dagegen keine kleingliedrigen Fenster vorgesehen. Er findet die Gestaltung des Haug-Gebäudes deutlich besser.

Beim Gebäude von Brillen Müller müsse nach dem Willen des Beirats nachgebessert werden, sagte Bürgermeister Kurt Werner zum SÜDKURIER. Der Eingangsbereich sei aber nicht als großes Schaufenster geplant, es handle sich um einen kleinen Vorraum mit Vitrinen. In den Details sei der Entwurf noch zu überarbeiten. Positiv sieht er die große Dachfläche ohne Gaupen. Die Fassade sei insgesamt modern: „Das finde ich auch richtig.“ Die bisherige sei nicht historisch, sondern im 20. Jahrhundert gestaltet worden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine schöne Lösung finden.“

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