Eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand in der Altstadt ist der Neubau des Schuhhauses Haug gut vorangekommen. Das Gebäude von Brillen Müller steht allerdings noch immer mit den mächtigen Stützbalken da. Mancher in der Stadtverwaltung ist schon ungeduldig geworden. Doch nun geht es mit den Neubauplänen voran. Der Gestaltungsbeirat hat sich zweimal damit befasst. Das beim Brand stark beschädigte Haus soll jedenfalls abgerissen werden, so viel steht fest.
Seine Enkelin bewohnt das Haus in der Kanzleistraße, das seit 1914 in Familienbesitz ist. Er hatte in den Tagen des Brandes darum gebangt, schließlich war lange offen, ob das Nachbarhaus ebenfalls einstürzt. Geisselhardt ist von den Neubauplänen nicht ganz begeistert. Als Nachbar hat er seine Bedenken der Stadtverwaltung mitgeteilt. Er befürchtet vor allem im Hinterhof eine zu massive Bebauung, die dem historischen Ensemble nicht gerecht werde.
Sein Architekt Burghard von Sondern geht noch weiter. Er sieht die Hausfluchten kritisch und die geplante Fassade. „Die Schaufenster passen gar nicht in die Zeile.“ Es seien zwar ganz unterschiedliche Gebäude in der Kanzleistraße, doch aus seiner Sicht wirken die Fassaden insgesamt als Ensemble. Burghard von Sondern versteht auch die Haltung des Denkmalamtes der Stadt nicht. Als das Geisselhardt-Haus umgebaut wurde, sei penibel auf die Form der Fenster und die Fluchten geachtet worden. Beim jetzt geplanten Neubau seien dagegen keine kleingliedrigen Fenster vorgesehen. Er findet die Gestaltung des Haug-Gebäudes deutlich besser.
Beim Gebäude von Brillen Müller müsse nach dem Willen des Beirats nachgebessert werden, sagte Bürgermeister Kurt Werner zum SÜDKURIER. Der Eingangsbereich sei aber nicht als großes Schaufenster geplant, es handle sich um einen kleinen Vorraum mit Vitrinen. In den Details sei der Entwurf noch zu überarbeiten. Positiv sieht er die große Dachfläche ohne Gaupen. Die Fassade sei insgesamt modern: „Das finde ich auch richtig.“ Die bisherige sei nicht historisch, sondern im 20. Jahrhundert gestaltet worden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine schöne Lösung finden.“
Brandkatastrophe in Konstanz: Am 23. Dezember 2010 standen in der Innenstadt vier Häuser in Flammen. Ein Gebäude aus dem 14. Jahrhundert stürzte zusammen. 54 Menschen verloren ihr Hab und Gut.
