Konstanz Naturschützer bangen ums Bussenried
Kämpfen um den Erhalt des Naturschutzgebiets Bussensee bei Litzelstetten: Eberhard Klein (links) vom Nabu und Thomas Schaefer vom BUND. Bild: rau
Konstanz – Wie schön es hier ist, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Einen knappen Kilometer westlich des Ortsrands von Litzelstetten liegt das Bussenried da, in einer kleinen Senke. Kein menschengemachter Lärm ist zu hören, die kleine Lichtung im Wald schimmert in allen Grüntönen. Zu beiden Seiten erheben sich rundliche Hügel – Drumlins, Zeugen der jüngsten Kaltzeit. Zwischen ihnen hat vermutlich noch lange nach dem Rückgang der Gletscher ein großer Brocken Eis gelegen, heute kündet nur noch die Senke von einer bewegten Entstehungsgeschichte der Landschaft. Und auch das, was hier vor 30 Jahren noch einen einmaligen Naturraum ausgemacht hat, ist zum Teil schon verloren.
Am Rand stehen Thomas Schaefer, örtlicher Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND), und Eberhard Klein, sein Pendant beim Naturschutzbund Nabu. Auch sie blicken gerne ins Bussenried, doch ihre Mienen sind eher sorgenvoll. Denn hier, auf einem kleinen Stückchen intakter Bodanrück-Landschaft, müsste etwas geschehen. Ziemlich viel sogar, sagen sie. Und mit ordentlich Geld. Doch das Geld ist nicht da, und das Bussenried in seiner heutigen Gestalt könnte schon in wenigen Jahrzehnten unwiederbringlich verloren sein. Schon haben sich die ersten Büsche und kleinen Bäume ihren Platz erkämpft in einem Gebiet, das früher eine wenig ertragreiche Streuwiese war. Von den Enzianen, Knabenkräutern und Sommergräsern ist nichts mehr zu sehen.
Statt dessen wuchert vom Waldrand her die Goldrute. Auch eine schöne Pflanze, aber hier keineswegs heimisch. Und die ursprünglich eher moorigen Böden werden trockener, das dort gefangene organische Material verrottet, Kohlendioxid wird freigesetzt, ein unguter Kreislauf. Eberhard Klein und sein Nabu könnten etwas dagegen unternehmen. Als der Verein die Pflege des Naturschutzgebiets vor rund 20 Jahren übernahm und mit ihm den gesetzlichen Auftrag, es „in einen guten Zustand zu versetzen“, fehlte es an Ideen nicht. Zweimal im Jahr sollte die Fläche gemäht werden. Oder ein Bauer könnte sie mit seinen Kühen beweiden lassen, würde angesichts des mageren Futterangebots aber einen kleinen Ausgleich benötigen. In mühsamer Handarbeit waren die Naturschützer in der Vergangenheit hier tätig, doch seit zwei Jahren ist fast nichts mehr passiert, wie Klein selbst einräumt: „Es fehlt einfach das Geld.“
Gemeinsam mit Thomas Schaefer geht Klein mit der schwarz-gelben Landesregierung hart ins Gericht. Standen in Baden-Württemberg im Jahr 2005 noch 33 Millionen Euro für den Naturschutz zur Verfügung, seien es 2009 nur noch 28 Millionen. Was sich nach einer vergleichsweise kleinen Differenz anhört, könnte im Bussenried den Verlust eines typischen und selten gewordenen Naturraums bedeuten. Hier müssten Zivildienstleistende und Ehrenamtliche mit Motorsensen und kleinen Balkenmähern anrücken, in manchen Bereichen vielleicht unterstützt durch einen Bauern mit größerem Mähgerät. Dann könnte, sagt Klein, dieses „Trittstein-Biotop“, das gefährdeten Arten ungemein hilft, erhalten werden. 50 000 Euro, auf drei Jahre verteilt, „das wäre eine ganz tolle Sache“, ist sich Klein sicher.
Er fordert zusammen mit Thomas Schaefer, dass sich das Land stärker engagiert – wer für zwölf Millionen Euro zwei Kilometer Umgehungsstraße wie jetzt bei Wollmatingen bauen könne, müsse auch für die Natur etwas übrig haben, sagen die beiden Umwelt-Aktivisten. Dem Landratsamt, das die Aufträge zur Pflege der Naturschutzgebiete im Kreis verteilt, seien die Hände gebunden, „die Frage muss politisch geklärt werden.“ Und für die beiden Verbände geht es auch ums eigene Überleben: Mit der Pflege von Naturschutzgebieten deckt der Nabu zwei Drittel seines Haushalts, der BUND ein Viertel. Mit dem CDU-Abgeordneten Andreas Hoffmann haben Klein und Schaefer schon gesprochen, der Grüne Siegfried Lehmann unterstütze ihre Positionen sowieso.
Noch, sind sich Schaefer und Klein einig, ist es für das Bussenried nicht zu spät. Wenn das Land sich zu seiner Aufgabe bekenne, könne das kleine Juwel bei Litzelstetten durchaus erhalten werden. Wer seine Schönheit entdecken will, muss vom Grillplatz am Purren ein Stückchen an Feldern vorbei und zuletzt durch den Wald laufen. Und genau hinsehen. Denn „Landschaft“, sagt Schaefer noch, „ist nun mal kein Europapark.“

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