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Konstanz Nächste Runde im großen Konstanzer Streit-Thema: Das Grillverbot im Herosé-Park wackelt

Der Brutzel-Bann am Ufer des Seerhein ist nicht durchsetzbar und wird auch der Lebenswirklichkeit nicht mehr gerecht: So sieht es eine kommunalpolitische Mehrheit. Wenn der Gemeinderat den Beschluss nicht noch kippt, steht die Einrichtung einer Zone fürs legale Grillen unmittelbar bevor. Und die Politik hat noch weiter reichende Pläne.

Mittwochabend, einer der schönsten Tage im Mai. Von der Schänzlebrücke bis zur Fahrradbrücke nutzen unzählige Besucher die neue Promenade am Seerhein und den Herosé-Park. Etwa alle zehn Meter steigt eine Rauchsäule in den Abendhimmel. Hier ein Grill auf Dreibeinstativ, dort eine Einweg-Brutzelschale. Es ist fast windstill, Qualmschwaden liegen über einer der meistgenutzten Anlagen im Stadtgebiet. Es riecht nach Sommer, sagen die einen. Es stinkt nach Gesetzesübertretung, sagen die anderen. Am Morgen danach berichten Anwohner der Hofgärten von einer unruhigen Nacht und blicken mit Spannung auf die politische Debatte des Abends. Der Technische und Umweltausschuss des Gemeinderats berät in erster Lesung, ob am Herosé eine Zone für legales Grillen errichtet wird.

Die Diskussion wird damit enden, dass aller Voraussicht nach nicht nur eine Zone für die Benutzung vor allem der Einweggrills eingerichtet wird, sondern dass auch zwei stationäre, für alle nutzbare Grillanlagen eine Mehrheit finden. Mitarbeiter noch anzusiedelnder Kioske sollen sie betreuen. In allen anderen Bereichen des Ufers und des Parks soll das Brutzeln verboten bleiben. Wie das aber durchzusetzen wäre, darauf gibt auch eine eineinhalbstündige Debatte keine Antwort. Klar ist nur das Meinungsbild: Auch an die gelockerten Regeln werden sich nicht alle halten. Doch im Technischen und Umweltausschuss geht es darum nur am Rande, über das von der Verwaltung vorgeschlagene Präventionsteam soll am Dienstag der Gemeinderat entscheiden.

Einen Versuch sei die 10 mal 15 Meter große, laut Marin Wichmann vom Amt für Stadtplanung und Umwelt maximal weit von der Wohnbebauung abgerückte, Grillzone allemal wert, finden Gisela Kusche (Freie Grüne Liste), Heinrich Fuchs (CDU), Alfred Reichle (SPD), Sabine Feist (CDU), Anne Mühlhäußer (FGL). Doch durch die meisten Redebeiträge zieht sich die Frage, die der pensionierte Polizeibeamte Reichle auf den Punkt bringt: "Klappt es, oder klappt es nicht?" Die Grillzone hat aber auch Gegner. Anselm Venedey (Freie Wähler) glaubt nicht, dass der Platz im vom Ufer aus gesehen hintersten Eck des Parks überhaupt angenommen wird: "Wir lösen damit die Probleme überhaupt nicht." Und Peter Müller-Neff beklagt, damit werde das letzte Fleckchen der Ruhe im Herosé auch noch zerstört.

Jeden Sommer gibt es Konflikte wegen Lärm und Müll am Seeufer, vor allem im Bereich Herosé-Park.
Jeden Sommer gibt es Konflikte wegen Lärm und Müll am Seeufer, vor allem im Bereich Herosé-Park. | Bild: Archiv SK

So nimmt die Debatte eine überraschende Wendung, als es plötzlich nicht mehr nur um eine Grillzone geht, sondern auch um zwei weitere Standorte. Auf dem Great-Lakes-Areal, in der Nähe des Bodenseeforums, könnte ein neuer Ort der Begegnung entstehen, die alte Forderung nach einem Beachvolleyball-Platz und Bäumen wird einmal mehr laut, Johannes Hartwich (FDP) schließt sich neben Anselm Venedey und Müller-Neff an. Als Baubürgermeister Karl-Langensteiner signalisiert, dass die Stadtverwaltung die Vorschläge prüfen wolle, entspannt sich die Diskussion. Am Ende gibt es acht Ja- und vier Nein-Stimmen für die Grillzone, sieben Ja- und fünf Nein-Stimmen für deren Erweiterung um einen festen Edelstahl-Grill mit Rost, einen einstimmigen Beschluss für die Prüfung zwei weiterer Standorte sowie für eine neue Grillsatzung.

Das letzte Wort hat am Dienstag, 23. Mai, der Gemeinderat.

 

Was wo geplant ist

  • Herosé-Park, hinterer Bereich: Grillzone von zehn mal fünfzehn Metern mit Steinplatten im Rasen, auf denen mitgebrachte Grills aufgestellt werden können. Dazu einige Sitzgelegenheiten und neu seit der politischen Beratung am Donnerstagabend auch ein fester Grill aus Edelstahl, ähnlich den am Schänzle rege genutzten Modellen.
  • Herosé-Park, vorderer Bereich: In der Nähe der Slip-Anlage soll das Alkohol-Präventionsprojekt b.free zusammen mit der Caritas als Betreiber einen Kiosk errichten, was dieses Jahr allerdings nicht mehr klappt. Angegliedert werden soll laut TUA-Beschluss ein öffentlicher, vermutlich elektrisch betriebener und rauchfreier Grill. Wie die Kosten von 30 000 Euro einmalig und 4000 Euro pro Jahr aufgebracht werden, ist allerdings unklar.
  • Great Lakes, kurz vor der Schänzlebrücke: Die Organisation Coycoy soll in der Nähe des Bodenseeforum ihren bereits 2016 betriebenen Kiosk auch diesen Sommer eröffnen dürfen. In späteren Jahren könnte dort auch Grillgut angeboten werden, das auf einem vom Coycoy-Team überwachten Grill ebenso wie selbst Mitgebrachtes gebrutzelt werden darf. (rau)

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