Mein

Konstanz Nachhaltigkeit, Ressourcen, Entwicklung: Referenten zeigen Kommunen Möglichkeiten auf

Beim 2. Mainauer Nachhaltigkeitsdialog "Ressorceneffizienz – Chancen für zukunftsfähige Kommunen" mit Umweltminister Franz Untersteller waren rund 170 Teilnehmer, doch nur wenige davon aus Gemeinden aus dem Landkreis. Das Unternehmen Mainau, in dessen Comturey die Veranstaltung stattfand, ist ein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit.

Rund 100 Teilnehmer beim der ersten Auflage und nun an die 170 beim zweiten Mal – der Mainauer Nachhaltigkeitsdialog stößt eindeutig auf Interesse. Doch obwohl der Titel der diesjährigen Veranstaltung "Ressourceneffizienz – Chancen für zukunftsfähige Kommunen" an die Gemeinden gerichtet war, kam nur ein kleiner Teil der großen Publikumsrunde aus Orten im Landkreis Konstanz. Dafür fand die Veranstaltung mit der Comturey der Insel Mainau in einem Gebäude statt, dass bereits auf die Sparsamkeit ausgelegt ist, die mitunter Thema des Nachhaltigkeitsdialogs war.

Wie können Kommunen nachhaltig Ressourcen nutzen? Wie Ressourcen sparen? Wie sieht eine nachhaltige Entwicklung aus? Welche Strategien gibt es, sind aber vielleicht noch nicht so bekannt? Um diese und weitere Aspekte ging es bei der Veranstaltung. Björn Graf Bernadotte und der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller stellten bereits zu Beginn der Veranstaltung heraus, wie wichtig der richtige Einsatz von Ressourcen ist, um im Standortwettbewerb vorne zu liegen. "Städte und Gemeinden, die attraktiv und lebenswert sein und bleiben wollen, werden sich künftig verstärkt mit der Frage beschäftigen müssen, wie sie mit ihren Ressourcen umgehen und wie effizient sie sie einsetzen", sagte Untersteller, der auch Einblicke in die im Mai verabschiedete Landesstrategie Ressourceneffizienz gab.

Lamia Messari-Becker, Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung für Umweltfragen, blickte in die Geschichte des energiesparenden Bauens zurück. So entstand zum Beispiel das erste Passivhaus im Jahr 1991 in Darmstadt. Große Überraschung herrschte, als die Expertin mit einer Grafik veranschaulichte, dass es zwischen 1999 und 2014 bei Neubauten eine Preissteigerung von 45 Prozent gab, da die Anforderungen, zum Beispiel für die Energieeffizienz, stark gestiegen seien. Für die Zukunft der Kommunen formulierte sie ganz klar: "Eine nachhaltige Stadtentwicklung braucht bezahlbare Baupreise."

Das Baumaterial Recyclingbeton, das Messari-Becker in ihrem Kurzvortrag ansprach, wurde auch im weiteren Verlauf der Veranstaltung wiederholt genannt. Die Expertin sowie weitere Referenten bedauern, dass das wiederverwendbare Material in Deutschland noch wenig genutzt werde, während es in der Schweiz häufig Anwendung finde. Messari-Becker wies auch auf einen wichtigen Aspekt für die Kommunen hin: "Die Kosteneffizienz im laufenden Betrieb wird oft vernachlässigt." Es werde meist nur auf den Preis für den Bau selbst geachtet. Auch Altbauten sprach sie an. Eine große Herausforderung für die Gemeinden liege darin, ältere Häuser zukunftsfähig zu machen. Als Möglichkeit nannte sie die Nutzung von Abwasserwärme oder Fotovoltaikanlagen auf den Dächern, wenn andere Modernisierungen aufgrund des historischen Charakters nicht möglich oder erwünscht seien.

In einem von zwei kurzen Podiumsgesprächen unterhielten sich Franz Untersteller und Lamia Messari-Becker. Der Minister wies dabei auf Förderprogramme hin und führte die laufende Erweiterung des Landratsamts Ludwigsburg als Beispiel für die Verwendung von Recyclingbeton an. Eines von mehreren Hemmnissen für den Einsatz dieses Materials sieht er darin, dass Bauherren ungern altes Material für ein neues Haus verwenden wollten. Er bat am Ende die anwesenden Gemeindevertreter an diesen Baustoff zu denken, wenn wieder eine Ausschreibung anstehe. Er verwies dabei auch auf Beratungsangebote des Landes.

In einem zweiten Podium und mehreren Kurzvorträgen ging es um die verschiedenen Aspekte des Tagesthemas. So sprach zum Beispiel Michael Kuhn von der Kuhn GmbH auf dem Podium aus seiner Erfahrung als langjähiger Gemeinderat und Bürgermeister-Stellvertreter darüber, dass die Räte immer den günstigsten Anbieter bei Ausschreibungen bevorzugten und Bedenken hätten, es anders zu machen. Dabei wies Kuhn ausdrücklich darauf hin, dass es laut Vergabehandbuch möglich sei, Aufträge freihändig zu vergeben. Bene Müller von der Solarcomplex AG in Singen sprach in einem Referat über regenerative Energie und Abwärme und Werner Sternad vom Fraunhofer Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB gab Einblicke in die Verwendung von Klärschlamm als Ressource. Moderator der Diskussionen und der gesamten Veranstaltung war Hannes Spieth, Geschäftsführer Umwelttechnik BW.

Auf der Mainau spielt das Thema Nachhaltigkeit bereits seit einigen Jahren eine große Rolle. „Die Grünabfälle der Mainau werden derzeit von einem regionalen Partner kompostiert, von dem wir wiederum auch Erde zum Einsatz in unseren Beeten beziehen", nannte Bettina Gräfin Bernadotte dafür als Beispiel. Mittel- bis langfristig wolle das Unternehmen auf Eigenkompostierung setzen und habe dabei die Einsparung von Kohlenstoffdioxid im Blick.

 

Veranstaltungsreihe und die Themen

  • Die Reihe: Veranstaltungen wie der 2015 eingeführte Nachhaltigkeitsdialog haben auf der Insel Mainau Tradition. Über viele Jahre gab es dort Mobilitätsgespräche, die die Landesregierung mitveranstaltet hat. Der Nachhaltigkeitsdialog der Lennart-Bernadotte-Stiftung und des Landesministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft hat diese ersetzt. Das erste Thema 2015 war der Klimaschutz, die aktuelle Veranstaltung hatte das Thema "Ressourceneffizienz: Chancen für zukunftsfähige Kommunen" und für 2017 durften die Teilnehmer Vorschläge hinterlassen.
  • Der Veranstaltungsort: Die Insel Mainau steht für das, was das große Leitthema der Reihe ist: Nachhaltigkeit. "Die kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung ist ein Unternehmensziel der Mainau GmbH", beschreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite. Die Vorträge fanden in der 2014 neu gebauten Comturey statt, einem Gebäude, das nach modernen Energiestandards errichtet wurde.
  • Landesstrategie Ressourceneffizienz: Sie beinhaltet 31 Maßnahmen in fünf Aktionsfeldern. In den kommenden fünf Jahren will die Landesregierung die Kommunen in ihrer Ressourceneffizienzpolitik unterstützen und durch gezielte Beratungsangebote stärken, zum Beispiel durch die Landesagentur Umwelttechnik Baden-Württemberg. (löf)

Sichern Sie sich jetzt SÜDKURIER Digital und erhalten Sie dazu das iPad Air 2. Sie erhalten damit die Digitale Zeitung und Zugang zu allen Inhalten bei SÜDKURIER Online.
Exklusive Bodenseeweine
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Konstanz/Bodanrück
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren
    Jetzt Newsletter anfordern:
    © SÜDKURIER GmbH 2017