Konstanz Nachbarschaftsstreit beschäftigt viele Behörden
– Die Vorwürfe gegen einen Mieter in der Werner-Sombart-Straße sind heftig: „Sobald sich auch nur ein Kind vor den Häusern spielend bemerkbar macht, schreit er die Kinder an, sie hätten da nichts verloren und sollen sofort verschwinden. Was er hier betreibt, ist schlimmster Psychoterror“, schreibt ein Nachbar an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) als Vermieterin. Der Mann soll sogar Kinder beim Spielen fotografieren und filmen. „Wir fürchten, dass es zu mehr als verbalen Übergriffen kommen könnte“, heißt es. Seit zwei Jahren soll das nun so gehen. 17 Familien haben den Brief unterschrieben.
Doch aus Sicht der LBBW stellt sich der Sachverhalt anders dar: Der Beschwerdeführer und zwei weitere Familien haben eine Ermahnung erhalten, da ihre Kinder sich nicht an die Hausordnung halten. Sie spielen laut LBBW Fußball in verbotenen Bereichen, beschädigen Grünanlagen, schreien innerhalb der Ruhezeiten und beleidigen andere Bewohner. Die Betroffenen wiederum bestreiten dies. Sie beklagen, dass den Kindern rund um die Wohnanlage immer weniger Platz zur Verfügung stehe. Die LBBW habe unter anderem eine Wiese bepflanzt, um Spielraum einzugrenzen. Birgit Ruess, Regionalleiterin der LBBW Friedrichshafen, steht dazu: „Damit unterbinden wir das Fußballspielen rund um das Haus. Schließlich sind Spielplätze und ein Bolzplatz in der Nähe.“ Ob der beschuldigte Mieter tatsächlich Kinder fotografiert oder gefilmt hat, ist nicht sicher. Bislang gibt es nur Aussagen von Kindern, die das gesehen haben wollen. Der Beschuldigte selbst war trotz mehrfacher Anrufe nicht zu erreichen.
Der Streit zieht inzwischen weite Kreise: Neben dem Vermieter sind auch der Mieterbund, das Jugendamt, das Bürgeramt, die Polizei und Anwälte damit befasst. Geändert hat sich wenig, da die Behörden aus verschiedenen Gründen nicht zuständig sind. So sagt Christine Barth von der Ortspolizei: „Wenn Kinder rund um die Häuser spielen und damit nicht alle Bewohner einverstanden sind, handelt es sich vorrangig um ein privatrechtliches Problem.“ Sie findet es schade, „dass Menschen ihre Probleme nicht mehr untereinander regeln können.“ Birgit Ruess beobachtet verstärkten Schriftverkehr durch Nachbarschaftsstreitigkeiten. „Der Fingerzeig auf andere nimmt zu“, sagt sie. Oft werde – wie auch in diesem Fall – verlangt, dass der Vermieter eingreift. „Wir appellieren an die gegenseitige Rücksichtnahme“, sagt Birgit Ruess.
Damit scheint es oft nicht weit her zu sein, wenn es in Konstanz um Kinder geht. An vielen Orten stehen „Spielen verboten“-Schilder. Auch Stadträtin Gabriele Weiner (FWG) hat als Mutter ihre Erfahrungen gemacht: „Ich habe zur Genüge erlebt, dass Kinder als störend empfunden werden. Sie werden nur geduldet, wenn sie brav im Sandkasten sitzen.“ Ein normales Miteinander gebe es nicht mehr. Das kennzeichne auch den Umgang mit Jugendlichen an der Seestraße oder am Herosé. „Schade, dass nur wenige Anwohner sich trauen, die Jugendlichen anzusprechen, anstatt gleich die Polizei zu rufen“, sagt sie und hat noch einen Tipp: „Zerstrittene Parteien sollten sich mit den Kindern zusammensetzen, um gemeinsam die Spielregeln aufzustellen. “ Dieser Zug scheint in der Werner-Sombart-Straße aber schon abgefahren. „Wenn es wieder zu Problemen mit diesem Nachbarn kommt, werde ich ihn wegen Beleidigung und Nötigung anzeigen“, sagt der Beschwerdeführer.

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