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Konstanz Nach dem Terror in Paris: Kerzen, Tränen und Stille in Konstanz

Spontane Mahnwache auf dem Münsterplatz: Rund 400 Menschen haben der Terroropfer in Paris gedacht. Unter ihnen waren viele Franzosen, aber auch Flüchtlinge, die selbst den IS-Terror erlebt haben.

Konstanz teilt die Trauer und setzt ein Zeichen gegen den Terror im Namen des Islam: Rund 400 Menschen haben am Samstagabend auf dem Münsterplatz der Opfer der Terroranschläge von Paris gedacht. Landes-Europaminister Peter Friedrich (SPD) und Claus-Dieter Hirt, Vorsitzender der Deutsch-Französischen Vereinigung, hatten zu der stillen Mahnwache aufgerufen. Politiker vieler Parteien kamen ebenso wie etliche in Konstanz lebende Franzosen, unter ihnen Austauschstudenten. Auch Flüchtlinge, die den IS-Terror in Syrien und im Irak erlebt hatten, zündeten am Münsterportal Kerzen an. Fabio Crivellari (CDU) und Nese Erikli (Grüne), die mit dem SPD-Bewerber Friedrich im Landtagswahlkampf stehen, nahmen ebenfalls teil.

"Ein Stich in unser aller Herz"

Der Frankreich seit langem eng verbundene Peter Friedrich erklärte in seiner kurzen Ansprache sichtlich bewegt: „Diese Anschläge sind ein Stich in unser aller Herz, die wir an die Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit glauben.“ Das Gedenken im Zentrum von Konstanz sei auch ein „Zeichen, dass wir dem Angriff widerstehen, der auf die Freiheit verübt wurde.“ Die schrecklichen Vorgänge dürften nun nicht gegen die Flüchtlinge gewendet werden, die in Deutschland Schutz vor genau diesem Terror suchten. Claus-Dieter Hirt versicherte den in Stadt und Region lebenden Franzosen die Solidarität der Konstanzer. OB Uli Burchardt, der auch die Stadtflagge mit Trauerflor hatte auf Halbmast setzen lassen, erklärte: „Dies ist ein beeindruckendes und ein großes Zeichen, das wir zu unseren Freunden nach Frankreich schicken. Wir sind in Gedanken bei ihnen.“

Bei der Mahnwache auf dem Münsterplatz kamen rund 400 Menschen zusammen, um  gemeinsam der Opfer der brutalen Terroranschläge in Paris zu gedenken.
Bei der Mahnwache auf dem Münsterplatz kamen rund 400 Menschen zusammen, um gemeinsam der Opfer der brutalen Terroranschläge in Paris zu gedenken. | Bild: Oliver Hanser

Kavva el Avand, der selbst aus Syrien geflohen ist und in Konstanz unterkam, hat soeben seine Kerze auf die Münstertreppe gestellt. Stadträtin Zahide Sarikas übersetzte für ihn: „Wir waren in unserer Heimat selbst vom IS-Terror betroffen. Wir haben Tag für Tag und Nacht für Nacht in Angst gelebt. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie das für die Menschen in Paris ist.“ Er dankte Europa für die Aufnahme und erklärt: „Es ist nichts Besonderes, dass wir heute Abend hier sind, es ist selbstverständlich.“ Jacob, ein weiterer Flüchtling aus Syrien, ergänzte auf Englisch: „Wir sind hierher gekommen, um eine Zukunft für dieses Land und mit diesem Land zu erschaffen, wir sind nicht gekommen, um etwas zu zerstören.“ Sein Freund Ahmed: „Wir wünschen uns und Konstanz ein friedliches Zusammenleben.“

Sichtlich mitgenommen stimmten Studenten aus Frankreich leise ihre Nationalhymne an. Die Trikolore-Fahnen, die sie mitgebracht hatten, hingen nach der Mahnwache über einem Kerzenmeer am Münsterportal. Fabri Crivellari (CDU), sagte am Rande des Gedenkens über die Anschläge: „Das ist für mich keine Religion, sondern ein religiös verbrämter Kult der Gewalt.“ Die Reaktionen auf den Terror zeigten aber, dass es auch eine Rückbesinnung auf unsere gemeinsamen europäischen Werte gebe: „Unsere Freiheit wird herausgefordert, aber wir geben sie nicht preis.“ Wie Friedrich und Crivellari forderte auch Nese Erikli (Grüne), die Opfer nicht für die Flüchtlingsdebatte zu missbrauchen. Erikli sagte: „Die Flüchtlinge fliehen genau vor diesen Terroristen hierher.

Es ist absurd, dass genau das als Diskussionsgrundlage für die rechten Debatten dient.“ Sie habe diese Entwicklung schnell befürchtet, so Erikli, und genau so sei es auch gekommen. Sie appellierte: „Menschen sollen zusammenrücken, aber keinen Aktionismus entfalten.“

 

Tiefe Betroffenheit

Beim Gedenken waren französische Studenten dabei. Arno sagte, seine Familie lebe in Paris. Er sei gekommen, um sich ihr, seinen Landsleuten, aber auch den Konstanzern nahe zu fühlen. Eine Studentin, die ihren Namen nicht nennen wollte, sagte auf dem Münsterplatz: "Wir danken der Stadt Konstanz, dass es diese Gedenken gibt... Es ist alles so schrecklich. Ich habe während des Fußballspiels die Explosionen gehört und wusste, dass etwas Schreckliches passiert sein musste."

 

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Terroranschläge in Paris: Im Jahr 2015 hat es in Frankreich zwei große Terroranschläge gegeben. Am 7. Januar verübten islamistische Extremisten einen blutigen Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo". Am 13. November gab es Terroranschläge an sechs verschiedenen Orten in Paris und Saint-Denis mit Geiselnahmen in der Konzerthalle Bataclan. Insgesamt kamen weit über hundert Menschen ums Leben.
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