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Konstanz Nach Überfall: Sarikas kandidiert weiter

Nach dem brutalen Überfall auf die Konstanzer SPD-Landtagskandidatin Zahide Sarikas ermittelt jetzt das Landeskriminalamt (LKA). Für die 15-köpfige Ermittler-Gruppe kommt ein politisches Motiv in Betracht. Zahide Sarikas, die immer noch im Krankenhaus ist, will an ihrer Kandidatur festhalten.

Zahide Sarikas wurde am Dienstagabend in ihrem Büro in der Kreuzlingerstraße überfallen.
Zahide Sarikas wurde am Dienstagabend in ihrem Büro in der Kreuzlingerstraße überfallen. | Bild: Rau

Nachdem die in Anatolien geborene Politikerin Zahide Sarikas am Dienstagabend in ihrem Wahlkampfbüro in der Kreuzlinger Straße in Konstanz von einem Unbekannten angegriffen wurde, ermittelt das LKA. Das teilen die Staatsanwaltschaft Konstanz, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Polizeidirektion Konstanz am Mittwochnachmittag mit. Sarikas sollte sich gegen 19 Uhr gerade auf den Weg zu einer Podiumsdiskussion der Umweltverbände machen, als der unbekannte Besucher sie in ein politisches Gespräch verwickelte und sie anschließend brutal misshandelte.

Politisches Motiv kommt laut Polizei in Betracht

Sarikas, die sich im Wahlkampf stark für eine bessere Integration von Zuwanderern einsetzt und in Konstanz als Musterbeispiel für gesellschaftliche und politische Teilhabe von Migranten gilt, musste die Teilnahme an der Diskussion absagen und sich in ärztliche Behandlung begeben. Derzeit liegt die 46-jährige türkischstämmige Sarikas im Klinikum Konstanz. Wann sie das Krankenhaus verlassen kann, ist noch unklar.

"Zahide Sarikas geht es den Umständen entsprechend gut", melden ihr Wahlkampfteam und Zweitkandidat Tobias Volz am späten Mittwochnachmittag. Sarikas erstattete umgehend Anzeige bei der Konstanzer Polizei. Aus gut informierten Quellen war zu hören, dass Zahide Sarikas unter anderem getreten wurde. Sie soll Hämatome und äußere Verletzungen erlitten haben.

Jetzt ermitteln 15 Polizisten des LKA und der Kripo Konstanz in dem Fall. "Aufgrund der bislang vorliegenden Erkenntnisse kommt für Staatsanwaltschaft und Polizei ein politisches Motiv in Betracht, es wird in verschiedene Richtungen ermittelt", heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung. Dass es sich um eine private Auseinandersetzung handelt, ist nach Auffassung von Kriminalpolizei Konstanz und Staatsanwaltschaft Konstanz unwahrscheinlich. Sarikas hatte im Wahlkampf bereits berichtet, aus dem islamistischen Milieu bedroht worden zu sein. Sie spricht sich für einen aufgeklärten Islam aus und tritt für eine laizistisch verfasste Türkei ein.

Zeugen gesucht!

Die Ermittler suchen jetzt Zeugen, die zur Tatzeit am 15. März gegen 19 Uhr verdächtige Personen beim Wahlkreisbüro der SPD in der Kreuzlinger Straße 56 in der Konstanzer Altstadt beobachtet haben. Die Ermittlergruppe nimmt Hinweise unter den Nummern 07531/9950 und 0711/5401- 3360 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle entgegen.

Beobachter halten es nach SÜDKURIER-Informationen für möglich, dass sie auch aus rechtsextremen türkischen Kreisen angegriffen worden sein könnte: Die „Grauen Wölfe“ gelten als gefährliche, faschistisch orientierte Gruppe, die andere Meinungen brutal bekämpft.

Die Spur könnte aber auch ins deutsche Neonazi-Milieu weisen. Seit einem Übergriff auf eine Veranstaltung in Konstanzer Bürgersaal im März 2007 war es von dieser Seite in Konstanz nicht mehr zu Gewalttaten gekommen. Damals reagierte eine breite Bürgerbewegung mit „Konstanzer Aufruf gegen Neofaschismus“. Unter anderem stellte sich auch der Gemeinderat der Stadt hinter die Forderungen nach einem friedlichen Zusammenleben und einer Absage an jegliches rechtsextremes Gedankengut.

Volz springt ein - Sarikas kandidiert weiter

Einstweilen wird der Ersatzkandidat Tobias Volz aus Allensbach die Wahlkampftermine übernehmen. Das erklärte die SPD auf Nachfragen des SÜDKURIER. Zunächst gehe es dabei um die Termine in den nächsten Tagen. Ihr Wahlkampfteam teilte nach einem Gespräch mit Sarikas am Mittwochnachmittag mit: "Sie wird vorerst von ihrem Zweitkandidaten Tobias Volz vertreten. Für Zahide Sarikas steht außer Frage, dass sie an ihrer Kandidatur festhalten wird, sie lässt sich unter keinen Umständen von der Tat entmutigen." Desweiteren heißt es in der Erklärung: "Im Namen von Frau Sarikas möchten wir uns auch ganz herzlich für die zahlreichen Genesungswünsche aus dem In- und Ausland bedanken. (...) Ferner möchten wir auch darum bitten, von Anfragen an die Familie abzusehen."

Respekt bei den Konkurrenten

Sarikas hatte sich für ihr politisches Engagement großen Respekt auch bei ihren Konkurrenten bei der Landtagswahl erarbeitet. Sie zeigten sich in ersten Stellungnahmen am Mittwochmorgen schockiert über die Gewalt und den in Konstanz bisher beispiellosen Bruch mit jeder Form der politischen Kultur. Auch als Gastwirtin und Ehefrau eines ebenfalls vielfältig sozial engagierten Betreibers des türkischen Restaurants „Kuyu Kebap“ hat sie viele freundschaftliche Verbindungen innerhalb der bürgerlichen Kreise der Stadt hinein. 

 




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