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Konstanz Nach Scala-Schließung: Abschied von einer Konstanzer Institution

Das Scala-Kino an der Konstanzer Marktstätte schließt überraschend schon einen Tag früher als angekündigt. Die Fans des Filmpalastes verabschieden sich mit einem Trauerzug.

Es war ein unvollständiger Abschied von einer Konstanzer Institution, was sich am Mittwochabend rund um das inzwischen geschlossene Scala-Kino zutrug. Statt, wie angekündigt, am Mittwochabend die letzten Filme zu zeigen, wurden die geplanten Vorstellungen abgesagt, das Kino praktisch einen Tag früher als zuletzt angekündigt geschlossen. Auf der Internetseite des Scala und in einem Aushang an der Kinotür, der mit dem Namen von Betreiber Detlef Rabe gezeichnet ist, wird zur Begründung auf Sicherheitsbedenken angesichts einer "Beerdigungsaktion" mit Fackeln, Kerzen, Pickeln und Co. verwiesen. Weiter heißt es: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir so ein Vorgehen aus Sicherheitsgründen nicht zulassen können. Angesichts der bisherigen Auseinandersetzungen um die Schließung unseres Kinos müssen wir leider damit rechnen, dass so eine Aktion geltende Sicherheitsbestimmungen nicht respektiert." Darüber hinaus war von den Kino-Betreibern am Mittwoch auf Anfrage nichts zu erfahren.

Die in der Bürgerinitiative (BI) "Rettet das Scala" organisierten Kino-Fans, die den Trauerzug planten, verwahren sich gegen den Eindruck, es hätte Gefährliches stattfinden sollen. Selbstverständlich sei allen Beteiligten klar gewesen, dass keine gefährlichen oder unerlaubten Aktionen stattfinden würden, sagt Jessica Bentsche, die von Anfang an bei der BI dabei war. Und es gibt einigen Unmut über den Scala-Betreiber. Bentsche: „Wir fühlen uns betrogen von ihm.“ Geärgert habe man sich auch über die Anschuldigung an die BI, die in den Äußerungen mitschwingt. Lutz Rauschnick, zeitweise treibende Kraft der Bürgerinitiative, schreibt in einer Stellungnahme von einer „miesen Aktion“ der Kinobetreiber.

Und auch Regisseur Douglas Wolfsperger, der derzeit mit Dreharbeiten an einem Dokumentarfilm über das Ende des Scala arbeitet, hält mit Ärger und Enttäuschung nicht hinter dem Berg. Normalerweise würde bei einer Kinoschließung ein schöner letzter Abend mit den treuen Fans organisiert: „Hier geht alles sang- und klanglos zu Ende. Das ist total stillos.“ So wurde es nichts mit einem letzten gemütlichen Kinoabend, das Scala, das vor 78 Jahren eröffnet wurde, blieb dunkel. Etwa 70 Fans bereiteten ihrem Filmpalast am Abend dennoch einen bildmächtigen Abschied. Sie zogen mit einem symbolischen Sarg unter Trommelschlägen durch die Konstanzer Nacht und trugen ihre Scala zu einem ebenfalls symbolischen Grab in der Nähe des Münster-Kreuzgangs, wo noch einige Worte der Trauer fielen – stets begleitet von Wolfspergers Filmteam, das schon am Nachmittag in Konstanz drehte.

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