KonstanzNach Eklat: Kaum mehr Chance auf neue Synagoge [1]
Nach dem Eklat von Montag lehnt der Dachverband der Juden in Baden den vom Konstanzer OB Horst Frank geplanten Runden Tisch zum Neubau einer Synagoge ab. Die Chancen auf den Bau eines Gotteshauses in der Altstadt schwinden damit erheblich. Konstanz – Der Dachverband will nicht mit der Stadt sprechen, wenn auch die abtrünnige Konstanzer Gemeinde mit am Tisch sitzt. Oberbürgermeister Horst Frank will keine Lösung für das seit Jahren stockende Vorhaben eines Synagogenbaus, wenn die Vertreter der größeren und traditionsreicheren Gemeinde, der Israelitischen Kultusgemeinde IKG, nicht gehört werden. Die junge, mit Unterstützung des Dachverbands gegründete Jüdische Gemeinde ist der Meinung, dass das Tischtuch mit der alten Gemeinde nach dem Streit auf heiliger Erde endgültig zerschnitten ist. Das Land Baden-Württemberg, das den Neubau mit Zuschüssen unterstützen soll, billigt dem Dachverband den Alleinvertretungsanspruch für die Menschen jüdischen Glaubens zu. Die Kultusgemeinde hält das für nicht rechtmäßig. Und zu allem Unheil kam es nun zu einer neuen Stufe der Eskalation in einem alten Konflikt: Dass es in Konstanz in absehbarer Zeit noch etwas wird mit einem neuen Ort der Begegnung mit der jüdischen Kultur, wird immer unwahrscheinlicher. OB Frank, der mit seiner Verwaltung und der Gemeinderatsmehrheit bisher jede klare Positionierung für eines der Lager vermieden hat, wusste von der Absage des Dachverbands Israelitische Religionsgemeinschaft Baden (IRG) am Dienstag noch nichts. Doch Wolfgang Fuhl, als Vorsitzender des Oberrats die einflussreichste Stimme der Juden in Baden, ließ keinen Zweifel: Ein gemeinsamer Weg mit der Kultusgemeinde, ihrem – vom Verband inzwischen abgesetzten – Vorsitzenden Peter Stiefel und den Brüdern Gideon und Benjamin Nissenbaum im Hintergrund könne nicht beschritten werden: „Es gibt keinen Spielraum für Kompromisse mehr“, sagte Fuhl: „Wir haben viele Einigungsangebote gemacht, in einem Runden Tisch sehen wir keinerlei Sinn mehr.“ Die Zukunft des Grundstücks an der Sigismundstraße beim ehemaligen Hotel Anker ist damit ungewisser denn je. Bis November 2008 sollte die Kultusgemeinde, der die Stadt das Grundstück für die Errichtung einer neuen Synagoge überlassen hat, bauen. Dies geht aus der Antwort von OB Frank an die Linke Liste hervor – als einzige Partei hat sie das Thema in den vergangenen Monaten aktiv bearbeitet. Weiter bestätigt Frank in dem Brief an die Stadträte Holger Reile und Vera Hemm, dass es seit einem Jahr einen rechtlosen Zustand gibt – „weil offenbar die Finanzierung seitens der IKG noch nicht gesichert werden konnte.“ Über eine Verlängerung der Baupflicht könnte nur der Gemeinderat befinden. Die Stadträte werden dazu allerdings ein klares Konzept fordern, wer bis wann was baut. Sollte es aber in naher Zukunft zu genau diesen Fragen keine überzeugenden Antworten geben, droht die Chance auf einen Synagogenbau ganz in der Nähe des 1938 von den Nationalsozialisten zerstörten Gotteshauses endgültig zu scheitern. Frank deutet in seinem Brief an, dass im Fall einer Rücknahme des Grundstücks durch die Stadt dieses öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben werden müsste. Es „sind grundsätzlich vielfältige Verwendungsmöglichkeiten denkbar“, so der OB. Ob sich in diesem Wettbewerb eine religiöse gegen eine wirtschaftliche Nutzung durchsetzen könnte, ist fraglich. Im November, so die Zusage des OB, soll das Thema nochmals politisch beraten werden. Mit dem Ergebnis eines wie auch immer gearteten Runden Tischs wird er bei den Stadträten dabei nicht aufwarten können: Die Plätze für den Dachverband, der seit 2004 immerhin vier jüdische Gemeindezentren in Baden gebaut hat, bleiben leer. Falls es überhaupt einen Termin gibt – denn bei der Einladung an die Kultusgemeinde müsste Frank zunächst entscheiden, ob er den von den Mitgliedern gewählten Vorsitzenden Peter Stiefel oder den vom Dachverband eingesetzten Allensbacher Anwalt Eberhard Börner einlädt.
... das Gotteshaus nach der Zerstörung durch das NS-Regime...
... und das Modell für den geplanten Neubau.Bilder: Stadtarchiv/Rindt
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