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Konstanz Mühlenweg auf mongolisch

Die Mongolei hatte den Autor Fritz Mühlenweg stets fasziniert. Eine junge mongolische Journalistin bringt sein Werk jetzt zurück nach Asien

Die mongolische Studentin Khulan Khatanbaatar hat ein Fritz-Mühlenweg-Buch in ihre Sprache übersetzt. Bild: privat
Die mongolische Studentin Khulan Khatanbaatar hat ein Fritz-Mühlenweg-Buch in ihre Sprache übersetzt. Bild: privat | Bild: Privat

Rund 8000 Kilometer liegen zwischen Deutschland und der Mongolei. Eine sehr lange Strecke, die mit sehr viel Heimweh gepflastert sein kann. Khulan Khatanbaatar weiß, wie sich das anfühlt. Die mongolische Journalistin hat von 2000 bis 2005 Literatur an der Universität Freiburg studiert. „Ich hatte viel Heimweh in dieser Zeit. Und dachte viel an meine Familie: meine Oma, meine Eltern und meine drei Geschwister“, schreibt sie in einer E-Mail. Irgendwann in dieser Zeit findet sie Trost in einem Buch. „Jeden Freitag ging ich damals in die Uni-Bibliothek. Eines Tages sah ich ein dickes rotes Buch mit dem Titel ‚In geheimer Mission durch die Wüste Gobi’. Ich wollte unbedingt erfahren, was für eine Mission ist es und was da passierte in der Gobi“, erinnert sich Khatanbaatar. Und so nahm sie den 746 Seiten starken Roman eines Mannes namens Fritz Mühlenweg in die Hand und begann zu lesen.

„Die fernen Berge, sonnige mongolische Landschaft, Gras, den Himmel mit den wunderschönen Sternen, große Gobi, die Hügel in der Wüste, Kamele, Pferde, Karawanen von früher“, hieß es da unter anderem. Als sie dies gelesen habe, habe sie tiefes Heimweh gespürt in ihrer Studentenbude in Freiburg, sagt Khulan Khatanbaatar: „Mein Land kam mir sehr weit entfernt vor. Anderseits kam mir die Mongolei auch sehr, sehr nah vor. Weil ich in Deutschland, so weit weg von zu Hause, ein Buch auf Deutsch gefunden hatte, das mir so nah war“, schildert die Mongolin ihre Gefühle. Mühlenweg, der Sohn einer Konstanzer Kaufmannsfamilie kannte die Mongolei bestens – er hatte sie von 1927 bis 1932 mehrfach bereist.

Die heutige Journalistin, die inzwischen unter anderem für die Wirtschaftszeitschrift „Mongolian Economy“ schreibt, war so begeistert von Mühlenweg, dass sie beschloss, den Mann, der so präzise ihre Heimat beschrieben hatte, auch in der Mongolei bekannt zu machen.

Während eines Stipendiums an der Jugendbibliothek München stößt sie auf ein weiteres Buch von Mühlenweg, ein Kinderbuch. „Ich suchte damals nach geeigneten Kinderbüchern für den mongolischen Büchermarkt“, erklärt sie. Khulan Khatanbaatar wird auf Mühlenwegs „Der Familienausflug“ aufmerksam. Eine Geschichte, die er in den 1950er Jahren – mit Illustrationen seiner Frau Elisabeth – veröffentlicht. Jetzt hatte Khatanbaatar ihr Buch gefunden. „Ich fand das Buch aus zwei Gründen spannend. Erstens: ‚Der Familienausflug’ stellt eine wahre Geschichte einer deutschen Familie dar. Zweitens fand ich die Bilder von Elisabeth Mühlenweg faszinierend und schön. Bücher mit den guten Illustrationen und einer Geschichte dazu sind wichtig für alle Kinder“, sagt Khatanbaatar. In ihrer Münchener Zeit entstand auch der Kontakt zu Ekkehard Faude, Konstanzer Verleger und einer der besten Mühlenweg-Kenner.

„Wir haben uns gefreut über die Anfrage von Khulan. Erstmals würde so etwas von Fritz Mühlenweg in der Mongolei zu lesen sein, Jahrzehnte nachdem er mit seinem Abenteuerroman die Mongolei in die deutsche Literatur brachte“, sagt Faude. Man wurde sich schnell einig und so ist neben einer mongolischen, jetzt auch eine zweisprachige (deutsch-mongolisch) Ausgabe des Kinderbuches hier in Faudes Libelle-Verlag erscheinen. Die Globalisierung hat eben auch ihre guten Seiten.


Wer war eigentlich Fritz Mühlenweg?

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