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Konstanz Modernisierung des Konstanzer Bahnhofs wird nur Minimallösung

Die Modernisierung des Konstanzer Bahnhofs kommt - aber sie fällt kleiner aus, als sich das viele gewünscht hätten. Und teurer als gedacht wird sie auch noch. Der Technische Ausschuss des Gemeinderats stimmte am Donnerstagabend für die kleine Lösung - zähneknirschend.

Der Technische Ausschuss hat gestern zähneknirschend die letzte Zustimmung zum lange ersehnten barrierefreien Umbau des Bahnhofs gegeben. Von Januar 2018 bis April 2019 sollen Bahnsteige erhöht und verlängert, die Unterführung optisch aufgewertet und mit zwei Aufzügen versehen sowie die Beleuchtung modernisiert werden. Die unterirdische Verbindung zu den Bahnsteigen zwei und drei wird im Zuge des Umbaus aber nicht verbreitert. Dies war vielfach gefordert und als notwendig erachtet worden.

Jahre nach Start der Planungen bekommt Konstanz also nur die Minimallösung und diese ist um ein vielfaches teurer als zunächst veranschlagt. Die Stadt muss die vollen Kosten für die Planung der barrierefreien Bahnsteige übernehmen und 15 Prozent der Baukosten, insgesamt 1,5 Millionen Euro, 499 000 Euro mehr als noch 2015 veranschlagt. Bürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn machte im Ausschuss deutlich, dass der Stadt nichts anderes übrig bleibe als jetzt der teuren, kleinen Lösung zuzustimmen, wolle sie, dass überhaupt noch im Rahmen des Modernisierungsprogramms gebaut werde. Dieses läuft 2019 aus. Es gelte aber zu beobachten, ob die Minimallösung wirklich ausreiche, um die Bedürfnisse der Reisenden zu befriedigen. Es könnten dann weitere Forderungen nachgeschoben werden.

Der Behindertenbeauftragte Stephan Grumbt sieht die Notwendigkeit eines zusätzlichen barrierefreien Wegs, für den Fall, dass Aufzüge an der Unterführung ausfallen. Er schlägt dazu den Bau des auch schon seit langem diskutierten Aufzugs von der Bodanbrücke zu den Bahnsteigen vor. Er plädierte für eine technisch einfache Lösung, die im Notfall bereitstehe. Er erinnerte daran, dass mit der Modernisierung des Bahnhofs der ebenerdige Übergang zu den Bahnsteigen zwei und drei auf Höhe des Schweizer Bahnhofs verschwinden soll. Stattdessen wird der Bahnsteig eins um zehn Meter verlängert, so dass dort künftig auch zwei Zugpaare halten können. Für den ebenerdigen Weg müsse Ersatz geschaffen werden. Thomas Buck, Stadtrat des Jungen Forums, plädierte dafür, den Übergang zu erhalten, ebenso Gisela Kusche (Freie Grüne Liste). Technisch müsse dies doch möglich sein. Dazu würde allerdings ein neues Planverfahren notwendig werden, hieß es von Seiten der Verwaltung. Bürgermeister Langensteiner-Schönborn sieht nur die Möglichkeit, dies in eventuelle Nachforderungen einzubringen, sollten tatsächlich Probleme bei den Reisenden offensichtlich werden.

"Wir stimmen mit geballter Faust zu", sagte SPD-Stadtrat Jürgen Ruff. Er blickte zurück auf das erfolglose Jahrzehnt des Ringens um andere Lösungen, die alle daran scheiterten, dass die Stadt Konstanz die Hauptlast der Kosten hätte tragen müssen. Unter anderem waren eine vor allem städtebaulich interessante breite Unterführung vom Bahnhofsplatz in den Hafen diskutiert worden, aber auch Überführungslösungen. "Wenn wir 2006 als Tiger gestartet sind, dann sind wir allenfalls als Topflappen gelandet", wetterte Ruff im Ausschuss. Die jetzige Minimalvariante lasse es gar nicht zu, dass mehr Menschen die Züge nutzen. Sie sei deshalb nicht zukunfsfähig. Schon 2014 seien sich die Experten einig gewesen, dass es nicht reiche, nur Aufzüge an die bestehende Unterführung zu klatschen. Er übte zudem grundsätzliche Kritik an den Bedingungen des noch unter Schwarz-Gelb beschlossenen baden-württembergischen Programms zur Bahnhofs-Modernisierung. Es verpflichte die Kommunen, zu zahlen, ohne dass diese sich an den Planungen beteiligen dürften. Holger Reile (Linke) sagte, er könne die ständigen Kostensteigerungen nicht nachvollziehen.

FGL-Stadträtin Anne Mühlhäußer zeigte sich einerseits erleichtert, dass der Bahnhof barrierefrei wird, andererseits enttäuscht über die kleine Lösung. "Endlich, endlich, endlich, tut sich was. Aber es ist kein großer Wurf." Die Deutsche Bahn sei so unglaublich schwerfällig. Die Schweizer Bahn zeige, wie selbst kleine Bahnhöfe barrierefrei gestaltet werden können. Auch Heinrich Fuchs (CDU) sagte: "Ich bin nicht durchweg begeistert." Er hat vor allem Zweifel, ob die Belegung des Bahnsteigs eins mit zwei Zugpaaren wirklich funktionieren wird. "Vor zehn Jahren hätten wir alles billiger haben können", fasste Michael Fendrich (FDP) zusammen. Klaus-Peter Kossmehl (Freie Wähler) blickte selbstkritisch auf die vielen Debatten über den Bahnhof im Gemeinderat: "Dass wir nach zehn Jahren nur die kleine Lösung bekommen, da haben auch wir Schuld daran."

Ein erster Spatenstich zur Verbesserung der Bahnsteig-Qualität entlang der Seehas-Linie steht übrigens schon in Kürze an: Am Montag, 20. März, um 11.30 Uhr beginnt am Haltepunkt Reichenau die Erhöhung des Bahnsteigs. Sie soll den barrierefreien Zutritt zum Zug ermöglichen.

Das Bahnhofs-Programm

Der Konstanzer Bahnhof gehört zu 21, die im Rahmen eines Modernisierungsprogramms in Baden-Württemberg stufenfrei ausgebaut werden. Das Investitionsvolumen liegt bei 138 Millionen Euro. Für den Umbau des örtlichen Bahnhofs sind 4,7 Millionen Euro veranschlagt. Bahn und Bund tragen davon 2,6 Millionen Euro, das Land 573 000 Euro und die Stadt 1,5 Millionen Euro. 2015 hatten die Planer noch mit Kosten in Höhe von 3,3 Millionen Euro gerechnet. Die Bahn führt für die Preissteigerung vor allem technische Gründe an. (rin)

 

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