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Konstanz Mit Playmobil auf Zeitreise

15.12.2010


Die Ausstellung „Archäologie und Playmobil“ im Archäologischen Landesmuseum lässt Kinderherzen höher schlagen. Durch die Spielzeug-Welt führt der Schüler Niklas Hornig

Sie reiben verwundert ihre Augen, müssen sich gegenseitig kneifen. Doch das ist kein Traum. Eine kleine Playmobil-Welt eröffnet sich vor den staunenden Kinderaugen im hiesigen Landesmuseum.

Die Eisenbahn dreht ihre Runden durch die Geschichte. Pyramiden, Burgen und Schiffe erheben sich zwischen Rittern, Sarazenen und Kelten. Wikinger greifen ein christliches Kloster an, ägyptische Bauern protestieren gegen die Arbeitsbedingungen. Den Überblick behält der Schüler Niklas Hornig, der die Kinder durch die verschiedenen Epochen führt. Doch als er die kleine Gruppe zur Führung zusammenruft, kommt die nur zögerlich, die Augen fest auf das bunte Spielzeug gerichtet.

Zum fünften Mal präsentiert das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg die etwas andere Ausstellung „Archäologie und Playmobil“. Auf 100 Quadratmetern gibt das Museum Kindern anhand von Playmobil-Figuren Einblick in die Konstanzer Geschichte, aber auch in die Weltgeschichte.

Ausschlaggebend für den Erfolg der Ausstellung ist unter anderem das Projekt „Kinder führen Kinder“. Dabei vermitteln Schüler wie Niklas den teilnehmenden Mädchen und Jungen möglichst einfach und präzise die geschichtlichen Hintergründe der nachgestellten Szenarien.

„Warum wird das Schiff denn dort vergraben?“, fragt ein Junge neugierig. Niklas reagiert lächelnd, als ob er auf diese Frage schon gewartet hätte. „Die Wikinger haben ihre Toten zusammen mit einem Schiff begraben, um so in die Welt der Toten gelangen zu können“, erklärt der Schüler und ruft überraschtes Nicken bei Kindern und Eltern hervor.

Danach zeigt er routiniert mit Händen und Armen den Unterschied zwischen zehn und 10 000 Jahren, erzählt vom ersten geschichtlich überlieferten Streik und beruhigt eine Mutter, die denkt, eine der Wikingerhütten würde anfangen zu brennen. „Das ist eine Schmiede, die muss qualmen“, erläutert Niklas ruhig.

Der 15-jährige Schüler glänzt mit Fachwissen und anschaulichen Erklärungen. Er macht die Führung nicht zum ersten Mal. Vor fünf Jahren kam er aufgrund seines Interesses für Archäologie zum Museum und führte die ersten Kinder durch die Playmobil-Welt. „Damals war alles total chaotisch und improvisiert“, erinnert sich Niklas, „doch wir lernen dazu“, sagt er. Kinder und Eltern sind begeistert von dem jungen Führer. „Niklas ist wirklich nett und weiß ziemlich viel“, freut sich die neunjährige Hanna, die bereits zum vierten Mal die Ausstellung besucht.

Konzipiert und aufgebaut wurde die archäologische Playmobil-Welt von Ausstellungstechniker Helmut Preuß. Sein Anliegen war es, ein besonderes Angebot für Kinder zu schaffen: „Ich habe meiner Fantasie freien Lauf gelassen, so entstand die Idee.“ Auf 16 Quadratmetern startete das Projekt vor fünf Jahren. Seit dem entwickelt Preuß jedes Jahr eine neue und größere Konstruktion. Ob Antike, Mittelalter oder Neuzeit, der Ausstellungstechniker weiß, die Playmobil-Figuren richtig einzusetzen. „Es macht mich glücklich, wenn Kinder Spaß haben“, so Preuß.

Das Konzept des Museums ist einfach aber wirksam. Nicht nur, dass Kinder ein reges Interesse für Archäologie und Geschichte entwickeln, die Familien nutzen auch die Zeit im Museum. „Nach der Playmobil-Ausstellung wollen wir uns auch noch die anderen Ausstellungen anschauen“, sagt Andrea Nusser und erhält ein zustimmendes Nicken ihrer Kinder.

Noch bis zum 6. März können Kinder und Eltern die Playmobil-Welt im Archäologischen Landesmuseum bewundern. Das Projekt „Kinder führen Kinder“ ist für alle Besucher kostenlos. Die Führer im Alter von neun bis 15 Jahren freuen sich auf große Gruppen. „Mit vielen Kindern bringt es einfach noch mal viel mehr Spaß. Kinder sagen, was sie denken und stellen viele neugierige Fragen“, sagt Niklas Hornig. Da kann sich die Führung schon mal in die Länge ziehen.

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