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Konstanz Mit Leidenschaft in die Welt der Bücher

23.01.2008
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Den Rest seines Lebens möchte Gerard Montague nicht mit Gartenarbeit verbringen. "Dazu fühle ich mich noch viel zu jung", sagt der 61-Jährige. Stattdessen sitzt er mit Zwanzigjährigen im Seminar und schreibt Hausarbeiten: Gerard Montague studiert Philosophie. Den Bachelor hat er im vergangenen Mai mit der Note 1,7 abgeschlossen. Im kommenden Jahr will er den Master in der Tasche haben. "Das Argument, wir älteren Semester würden den Jungen einen Platz wegnehmen, ist eine Frechheit", sagt Montague. "Das Studium ist Bildung und nicht nur Ausbildung."

Im Gegensatz zu seinen Kommilitonen hat Gerard Montague sein Berufsleben schon hinter sich, zumindest das erste. In den 70er Jahren kam er aus Dublin in Irland, einem damals "armen und rückständigen Land", nach Ostbayern. In einer Firma der chemischen Industrie war er zuerst für Forschung und Entwicklung zuständig und dann für die Betriebsorganisation, bevor er sich um die Themen Umwelt und Unternehmensethik kümmerte. Mit 58 Jahren ging er in Frührente. "Das war eine freiwillige Notwendigkeit", erzählt der Ire. Die Firma hat Arbeitsplätze abgebaut. Deshalb war seine Pensionierung zwar nicht freiwillig, aber er sei dennoch gern gegangen: "Zeit zu haben ist das Wertvollste", sagt Gerard Montague. Heute investiert er sie in Literatur, Spaziergänge und sein Philosophiestudium. Dafür ist er eigens von Bayern nach Konstanz gezogen - wegen der Lage und der guten Universität. Dass er nun neben Kommilitonen aus einer anderen Generation sitzt, stört ihn nicht; im Gegenteil: "Ich bin begeistert von der jungen Generation. Sie ist zielstrebig, aber nicht verbissen", sagt der Student. Mit einigen von ihnen habe er sich sogar angefreundet. "Aber manche ignorieren mich auch, weil ich nicht auf dem Partnerschaftsmarkt unterwegs bin", sagt Montague und lacht. Bei den Hausarbeiten habe er mit seiner Lebenserfahrung sogar Vorteile. Nur bei den Klausuren sieht er sich im Hintertreffen: "Mein Kurzzeitgedächtnis ist nicht mehr so gut", sagt er.

In seiner Masterarbeit will Gerard Montague sich der Ethik zuwenden. Und was passiert nach dem Abschluss? "Dann hänge ich ein großes Schild an die Haustür und schreibe drauf: Philosophische Unternehmensberatung'", sagt Montague. Oft stimme in Firmen weder die Personalpolitik noch die Ethik. Gerard Montague rüstet sich für sein zweites Berufsleben, für eine neue Herausforderung. Für ihn hört lebenslanges Lernen erst mit dem Tod auf.

Kirsten Schlüter

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