Konstanz (mir) Es riecht ein bisschen nach Karamel und chemischen Substanzen. Aus Lautsprechern ertönt Musik, überall stehen elektronische Geräte herum. Menschen in weißen Kitteln hantieren mit Reagenzgläsern und Objektiven. Wir befinden uns im Hauptlabor der Firma "GATC Biotech AG" im Industriegebiet in Konstanz. Die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion und Abgeordnete des Wahlkreises Konstanz, Birgit Homburger, ist heute gekommen, um den erfolgreichen Betrieb zu besichtigen.
Vor genau 17 Jahren gründete Thomas Pohl mit seinen zwei Brüdern und seinem Vater die Firma, damals noch unter dem Namen "Gesellschaft für Analytik und Consulting mbH". Im Jahr 2000 wird aus der Gesellschaft die "GATC Biotech AG". "Die Buchstaben stehen für die vier Bausteine der DNA", erklärt Thomas Pohl. Als eines der ersten Unternehmen in Europa hat sich der Betrieb mittlerweile zum führenden Anbieter für molekularbiologische Dienstleistungen und Bioinformatik-Software in Europa etabliert. Mit mehr als 10000 Kunden weltweit und rund 60 Mitarbeitern wächst die Firma jährlich um 15 bis 20 Prozent. Neben Konstanz als Hauptsitz hat die "GATC Biotech AG" weitere Niederlassungen in England, Frankreich und der Schweiz.
"Unsere Kundschaft kommt aus den Bereichen Pharma, Chemie, Lebensmittelindustrie und Biotechnologie", erzählt der Firmengründer. "Wir erhalten von den Unternehmen DNA-Proben, die wir dann im Labor genau analysieren. Es werden Qualitätskontrollen gemacht, gentechnisch wird nichts verändert."
In dem modernen zweistöckigen Gebäude befinden sich unten die Büros, oben geht es zu den Laboren. "Biotechnologie ist die Zukunft und einBereich mit großem Wachstumspotential", meint Birgit Homburger beim Gang durch den Betrieb interessiert. Sie hat sich auf dem Gebiet schon etwas schlau gemacht. Im April führte sie eine Tour durch diverse Biochemie-Firmen in Deutschland. "Die Branche ist sehr vernetzt, immer wieder tauchen die gleichen Namen auf", bemerkt sie lächelnd.
Ganz neu bei "GATC Biotech" ist der so genannte "NightXpress". "Das ist ein Service, den nur wir anbieten und sonst keiner", erzählt Thomas Pohl. Eingeschickte DNA-Proben werden innerhalb einer Nacht sequenziert und das Ergebnis am nächsten Morgen als Download zur Verfügung gestellt. "Wir wollen ein schnelles Ergebnis liefern. Unsere Geräte laufen 24 Stunden, gearbeitet wird im Schichtbetrieb", sagt der Unternehmer.
Neben der Sequenzierung und dem Verkauf von Software beteiligt sich die "GATC Biotech AG" auch an verschiedenen Förderprogrammen im Bereich Forschung. "In einigen Jahren wird es vermutlich möglich sein, das eigene Erbgut komplett zu sequenzieren", erzählt Thomas Pohl. Viele neue Erkenntnisse könnten dadurch gewonnen werden. So kann zum Beispiel die Brustkrebswahrscheinlichkeit bei Frauen analysiert werden, oder es kann untersucht werden, warum einige Medikamente beim Einen wirken und beim Anderen nicht.
"Auch wenn die Entwicklung im Bereich der Biotechnologie rasant ist, so muss man das Buch des Erbguts ganz verstehen", meint Pohl. "Bis dahin fließt jedoch noch viel Wasser den Rhein runter."
