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Konstanz Mit Biogas über den Bodensee: Die neue Fähre wird ein technisches Meisterstück

Abschied vom Dieselmotor, weniger Abgas und Feinstaub: Die Stadtwerke Konstanz verfolgen bei ihrem Neubau ehrgeizige Ziele. Wenn alles optimal läuft, wird sie sogar mit nachwachsenden Rohstoffen betrieben.

Über den Bodensee, ohne fossile Brennstoffe zu verbrauchen: Die Stadtwerke Konstanz haben für ihre neue Fähre ehrgeizige Pläne. Das Schiff, das 2018 die Flotte verjüngen soll, wird voraussichtlich mit Biogas fahren, das aus Reststoffen gewonnen wird. Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Reuter bestätigte dem SÜDKURIER, dass das Pilotprojekt in trockenen Tüchern ist. In ganz Europa sei ihm kein bereits gebautes oder geplantes Schiff dieser Größe bekannt, das mit dem umweltfreundlichen Treibstoff angetrieben wird. Auch der Bund fördert das Vorhaben, für das der Motorenhersteller MTU Friedrichshafen (firmiert inzwischen unter Rolls Royce Power Systems) und die Stadtwerke zusammenarbeiten. Aus dem Etat des Verkehrsministeriums kommen eine Million Euro, weil auch Berlin sich wichtige Erkenntnisse erhofft. Für den Zuschuss hatte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung maßgeblich eingesetzt.

Flüssiges Erdgas soll die Fähre zunächst über den See bringen

Wenn Norbert Reuter über das Projekt spricht, klingt er begeistert. Zunächst hatten die Stadtwerke Ideen für eine rein elektrisch betriebene Fähre verfolgt. Der Plan scheiterte. Stattdessen setzen die Projektpartner jetzt auf LNG. Die Abkürzung steht für liquefied natural gas, verflüssigtes Erdgas – doch auch hochwertiges Biogas kann in entsprechenden Motoren eingesetzt werden. Lieferant, heißt es in einer bisher unveröffentlichen Projektbeschreibung, könnte eine geplante Biogas-Verflüssungsanlage in Mühlingen bei Stockach sein. Klappt das nicht, würde allerdings fossiles Erdgas zum Beispiel aus Norwegen eingesetzt, das über Rotterdam angeliefert wird.Wie neu die bisher noch kaum angewendete Technologie ist, das Gas direkt im Motor zu verbrennen, zeigt sich auch daran, dass die neue Fähre zunächst mit einem herkömmlichen Dieselmotor ausgeliefert wird. MTU braucht bis ins Jahr 2019, um einen betriebssicheren Motor zu entwickeln. Daher ist das neue Schiff zunächst nur „LNG ready“, denn es soll die „Fontainebleau“ aus dem Jahr 1970 ersetzen – ihre Zulassung läuft aber schon Mitte 2018 aus.

Beim Bau werde alles für den späteren Motoren-Austausch vorbereitet – auch die Tankanlage. Denn das Flüssiggas wird nicht wie Diesel getankt, stattdessen werden volle Druckbehälter als Container direkt eingeladen und angeschlossen.Auch bei MTU ist das Interesse an dem Vorhaben groß: Direkt am Bodensee bekommt das Unternehmen ein Vorzeige-Projekt im Wortsinn. Man erhoffe sich nicht nur wertvolle technische Erkenntnisse für den Wachstumsmarkt Gasmotoren, sondern setze auf die Multiplikatorwirkung, heißt es. Dieses regionale Netzwerk ist auch Norbert Reuter wichtig: „Wenn wir das im Verbund aus Stadtwerken Konstanz, Rolls Royce Power Systems Friedrichshafen und Erdgas Südwest mit deren neuer Anlage in Mühlingen hinbekommen, ist das ein ganz starkes Signal.“

 

Die Fähre und ihr Antrieb


Das Schiff: Die neue Fähre wird wie die 2010 in Dienst gestellte „Lodi“ 81,80 Meter lang und kann etwa 64 Personenautos transportieren. Die Planung ist weit fortgeschritten, noch im Dezember wird der Auftrag zum Bau europaweit ausgeschrieben. Da nach der Schließung der Bodan-Werft in Kressbronn kein Lieferant direkt am Bodensee mehr zur Verfügung steht, wird das Schiff in einer weiter entfernten Werft gebaut, dann für den Transport zerlegt und schließlich im österreichischen Fussach 2017 oder 2018 vom Stapel laufen. Die kompletten Baukosten werden auf 14,2 Millionen Euro geschätzt.

Der Motor: Über Jahre wurde die Idee verfolgt, die neue Fähre rein elektrisch zu betreiben. Die Pläne scheiterten, weil der Bau 6,2 Millionen Euro mehr gekostet hätte und alle zehn Jahre neue Batterien fällig geworden wären. In Norwegen ist man auf einer Strecke, die der Verbindung Konstanz-Meersburg durchaus ähnlich ist, einen Schritt weiter: Über den Sognefjord pendelt seit Sommer 2015 die Elektrofähre „Ampere“. Anders als der Neubau für den Bodensee hat sie einen Doppelrumpf. Die Antriebsleistung ist vergleichbar: Die „Ampere“ hat zweimal 450 Kilowatt, die neue Konstanzer Fähre wird mit etwa 750 Kilowatt ausgestattet. (rau)

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