Konstanz Mit Augen und Herzen in Rom
Gläubige in der Gebhardkirche feierten den Trauergottesdienst für Papst Johannes Paul II mit. Sie verfolgten die Zeremonie in Rom auf einer Großbildleinwand. Bild: Rindt
Üblicherweise blicken die Gläubigen hier auf den Altar der Gebhardkirche, jetzt schauen sie nach Rom. Auf einer Großbildleinwand läuft die Übertragung der Trauerfeier für Papst Johannes Paul II. Der Altar der Kirche ist hinter dem Großbild verschwunden. Heute spricht hier nicht Pfarrer Andreas Rudiger. Kardinäle in Rom haben das Wort.
Rund 40 Gläubige sitzen in der Kirche. Sie sehen sich den Trauergottesdienst nicht nur an, sie feiern ihn mit. Sie stehen auf zu den Fürbitten, sie knien nieder zur Gabenbereitung und sie kommen der Aufforderung der Gottesdienstleitung in Rom nach, sich gegenseitig ein Zeichen des Friedens zu geben.
Gleichzeitig mit den Menschen auf dem Petersplatz feiern die Gläubigen in der Gebhardkirche auch die Kommunion. Die Diakone Thomas Stolle und Jens-Ullrich Sowa verteilen die Hostie. Stille Besinnung im Kirchenraum. Selbst das Dröhnen der Rüttelwalze von der Baustelle vor der Kirche ist verstummt. Der Moderator im Fernsehen schildert jetzt, wie auch in Rom Menschen vor Großbildleinwänden die Messe mitfeiern.
Wenig später versucht er die Stimmung tiefer Ergriffenheit in Worte zu fassen. Die Kameras schwenken wieder und wieder über die großen Menschenmassen auf dem Petersplatz. 300000 Pilger erleben dort die Trauerfeier mit.
In der Gebhardkirche fühlen sich Menschen, die zur kurzfristig angesetzten Übertragung auf Großbildleinwand gekommen waren, Rom besonders nah. "Die Stimmung war ergreifend", stellt Johanna Klöckener fest. Sie bedauert, vor Abschluss des Gottesdiensts gehen zu müssen. Ein Termin habe sich nicht mehr verschieben lassen. "Es war genau so, als wäre ich auf dem Petersplatz gestanden", stellt Hildegard Störzer fest, die tatsächlich schon 28-mal dorthin gereist ist. Heute war sie mit ihren Augen und ihrem Herzen dort.
