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Konstanz Mieten steigen bis zu 20 Prozent

23.02.2012


Mieter am St. Gebhard Platz in Konstanz sind empört: In ihrem Gebäude steigen die Mieten um bis zu 20 Prozent.

Renate Frommer ist frustriert. Sie beklagt eine deutliche Mieterhöhung für ihre Wohnung am Sankt-Gebhard-Platz. Sie solle Zuschläge in Höhe von 16 Prozent hinnehmen. Weitere Mieter sprechen von bis zu 20 Prozent Mieterhöhung im gleichen Gebäude. Sie sehen den Mietspiegel als Ursache allen Übels. „Er ist zum Teil völlig künstlich“, sagt ein Betroffener.

Die Firma Doser und Partner hat das Gebäude vergangenes Jahr gekauft. Die nun angekündigte Mieterhöhung begründet das Unternehmen tatsächlich mit dem Mietspiegel 2011. So gebe es für die gute Wohnlage einen Zuschlag von fünf Prozent, für die Stadtteil-Lage sogar von elf Prozent. Das finden die Betroffenen unerhört. Das Quartier in Petershausen sei damit auf einem Preisniveau wie das benachbarte Musikerviertel – eine Konstanzer Nobellage. Die rechtliche Situation sehen die Mieter nüchtern: Eine Erhöhung um bis zu 20 Prozent sei möglich. Insgesamt sei der Mietspiegel aber viel zu unpräzise. Mancher Fachmann sieht das ähnlich. „Ich bin der Auffassung, dass der Mietspiegel grundsätzlich dazu führt, dass das Mietniveau steigt“, kritisiert ein Anwalt. So sei die Einteilung in Stadtbezirke sehr subjektiv, wie das Beispiel Gebhard-Platz zeige. „Da würde kein vernünftiger Mensch von Seenähe sprechen.“ Mancher vermeintliche Vorteil entpuppe sich auch als Nachteil, sagen die Mieter. So beklagt Renate Frommer die Verkehrsprobleme durch den Wochenmarkt vor der Haustür.

Timo Doser von Doser und Partner versteht die Kritik an der Mieterhöhung nicht. Für eine Vier-Zimmer-Wohnung mit 113 Quadratmetern seien bisher 569 Euro Kaltmiete gezahlt worden, also 5,04 Euro pro Quadratmeter. Mit der Erhöhung auf 593 Euro liege der Quadratmeterpreis bei 5,26 Euro, also unter dem Niveau der Preise der städtischen Wohnungsbau-Gesellschaft Wobak. Er sieht den Mietspiegel als Vorteil für die Mieter. Früher seien drei Vergleichsmieten herangezogen worden. „Jetzt ist es für den Mieter deutlich besser.“

Herbert Weber, Vorsitzender des Mieterbunds Bodensee e.V., verteidigt den Mietspiegel. Der Gebhard-Platz liege zwar in Petershausen Ost, wo der Zuschlag für die Wohnlage elf Prozent betrage. Aber es seien Abschläge für die kleinräumige Situation möglich, so für Lärm oder andere Nachteile. Die Kriterien seien jedenfalls klar definiert. Das sieht auch Thomas Daiger, Vorstand von Haus und Grund (Verband der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer Konstanz und Umgebung e.V.) so. „Der laufende Mietspiegel 2011 hat eine sehr hohe Qualität.“ Der Fall Gebhard-Platz sei typisch für Altbauten, in denen die Mieten sehr lange Zeit unter dem Ortsniveau liegen. Erhöhe dann der Vermieter, sei das schmerzhaft.

Renate Frommer hat sich an die Stadt gewandt. Sie stehe in der Verantwortung. „Man bekommt das Gefühl, dass der Ausverkauf von Konstanz begonnen hat.“ Das sieht Bürgermeister Kurt Werner anders. Der Wohnraum sei sehr knapp, aber die Stadt habe etliche Projekte angepackt. „Ich bin überzeugt, dass die Stadt Konstanz im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten alles tut, um adäquate und finanzierbare Wohnungen für jedermann zu schaffen.“ Herbert Weber sieht den Mangel dagegen als entscheidend für das Mietniveau an: „Konstanz hat zu wenig Wohnungen.“ Der Mieterbund-Chef plädiert daher für neue Baugebiete.

Fehlplanung der Stadtverwaltung
Dass Herr T. Doser Geld verdienen will, ist verständlich und für mich nachvollziehbar.
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