Konstanz Meditation in der Kirchenhöhle
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So hatte man das Konstanzer Münster noch nicht gesehen: die Säulen blutrot, der Altarraum in eisiges Blau getaucht, die Orgel weiß von unten angestrahlt. Der Kopf hinter der aufwändigen Licht-Installation war Rolf Zavelberg, und der Anlass ein Konzert von Trompeter Markus Stockhausen und Klarinettistin Tara Bouman. „Klangvisionen“ heißt das Projekt, für das die Künstler immer neue Räume mit Musik und Licht erschließen. Nach Konstanz hat sie die frisch gegründete Jazz & Rockschule geholt, um am Vorabend von „Jazz Downtown“ ein ganz besonderes Konzerterlebnis zu bieten. Und für ein solch experimentelles Projekt fanden erfreulich viele Neugierige den Weg ins Münster.
„Das Spannende an dem Projekt ist, sich immer wieder auf den Raum einzustellen“, sagt Rolf Zavelberg. Am Tag nach dem Konzert ist er sehr zufrieden mit dem Ergebnis. „Das Münster ist ein toller Raum“, sagt er. „Es hat Spaß gemacht, ihn zu erkunden.“ Dabei kommt es dem Lichtkünstler darauf an, bestimmte Details hervorzuheben, die man sonst nicht beachten würde. Die vielen dreidimensionalen barocken Verzierungen etwa. Zavelberg beleuchtet Putten und Schnörkel etwa am Hochaltar steil von unten – so entstehen wilde Schatten, die Kirche bekommt etwas von einer Tropfsteinhöhle. Wenn er Säulen und Decke in einheitlich rotes, blaues oder gar rosa Licht taucht, scheint sich die Größe des Kirchenraumes noch einmal zu verdoppeln. Auf eine Leinwand hinter den Musikern werfen Blumen ihre verzerrten Schatten – und auch Stockhausen und Bouman selbst, während sie spielen.
„Intuitive Musik“ nennt Komponist und Trompeter Stockhausen das, was da klingt – eine Mischung aus Improvisation, Meditation und fertigen Strukturen. Mit Jazz hat das selten zu tun, die Musik ist fast nur schwebender Klang, Rhythmus taucht höchstens in Form von ruhigen Pulsen auf. Genau das ist, auf Dauer, auch das Problem. Über anderthalb Stunden trägt die Spannung dieser vor allem schönen Musik, die stets an der Grenze zum Banalen, Esoterischen steht, eigentlich nicht. Obwohl Stockhausen und Bouman perfekt spielen, ungeheuer sensibel hörend und aufeinander reagierend. Trotzdem gut, dass Zavelbergs Lichtspiele immer wieder für neue Aha-Effekte sorgen.
Dabei hatte das Konzert eigentlich sehr spannend begonnen – weil nämlich die 13 Monate alte Tochter der Musiker wegen eines abgesprungenen Babysitters das Duo auf der Bühne zu einem spontanen Trio erweiterte. Bouman und Stockhausen bauten ihr Glucksen und Brabbeln geschickt in die Improvisationen ein – bis das der Kleinen doch zu langweilig wurde...
