Konstanz Maultaschenprozess: Viele Schlagzeilen und eine Frage
Überall Maultaschen: Der Konstanzer Fall hat die überregionale Presse bewegt. Auch sie stellen die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Bild: Montage: Allgaier
Es müssten noch diverse Dinge geklärt werden, sagte Klaus Staudacher auf Anfrage des SÜDKURIER.
Der Friedsrichshafener Anwalt für Arbeitsrecht habe zwar schon mit einer Tochter der 58-jährigen Klägerin über das Urteil gesprochen. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, ob er Berufung einlegen wird.
Am Freitag hatte das Arbeitsgericht Radolfzell die Klage der 58-jährigen Altenpflegerin gegen eine fristlose Kündigung wegen sechs gestohlener Maultaschen zurückgewiesen (wir berichteten). Sie war 17 Jahre lang bei der Spitalstiftung Konstanz angestellt und in einem Seniorenpflegeheim tätig gewesen.
Aufgrund dieses langen Arbeitsverhältnisses war sie unkündbar; die Spitalstiftung konnte sie also nicht einfach so entlassen. Beobachter kritisieren, die Arbeitgeberin habe nur nach einer Möglichkeit für eine fristlose Entlassung gesucht.
Der Fall ging erwartungsgemäß durch die überregionalen Medien, nachdem zahlreiche Journalisten und Kamerateams das Ende des Prozesses am Freitag mitverfolgt hatten. Viel Platz nahmen die „Maultaschen“ in namhaften Nachrichtensendungen ein. Die FAZ überschreibt einen Leitartikel mit dem Titel „Die Kündigungsfalle“. Darin kommt die Autorin zum Schluss: „Die ‚Maultaschenaffäre' zeigt deutlich: Das Kündigungsrecht ist aus den Fugen geraten.“ Und: „…man darf schon fragen, warum Arbeitnehmer die einzige Beschäftigungsgruppe sind, bei der solche Bagatelldelikte zur – meist sogar fristlosen – Kündigung führen. Bei Vorständen, Geschäftsführern, Beamten oder Soldaten sind Gerichte großzügiger.“
Die Stuttgarter Zeitung titelt „Für eine Handvoll Maultaschen“ und zieht Vergleiche mit ähnlichen Fällen in der Bundesrepublik. Im Kommentar moniert der Autor ähnlich wie die Kollegin aus der FAZ: „Ein Manager ist bisher noch nie wegen des Verzehrs eines belegten Brötchens entlassen worden. Im Gegenteil, einem Broker, der seine Bank ruiniert hat, ist noch eine Abfindung in Millionenhöhe zugesprochen worden, obwohl der tatsächlich das Vertrauen nicht nur seines Arbeitgebers, sondern auch all seiner Kunden enttäuscht haben könnte.“
Welche schlimmen Folgen schwäbische Maultaschen haben können, stellen unter anderem auch die TAZ, die Abendzeitung und Süddeutsche Zeitung dar. Zumeist tauchen Konstanz und die Spitalstiftung auf den ersten Seiten der großen Zeitungen auf.
Ein Prozess mit lauter Verlierern
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