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Konstanz "Maschinen denken anders"

03.07.2008
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Prof. Dr. Dirk Baecker ist Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie

und -analyse an der Zeppelin- Universität in Friedrichshafen und Autor der

"Studien zur nächsten Gesellschaft". Drei Fragen und Antworten zu Menschen und Maschinen.

Professor Baecker, wie ist unser Verhältnis zu künstlicher Intelligenz - und wie wird es in der "nächsten Gesellschaft" aussehen?

Heute schauen wir ganz gebannt auf die künstliche Intelligenz und fragen uns, wann die Maschinen wohl auf eine Art und Weise denken können, die wir für menschlich halten: gebunden an ein eigenes Gedächtnis, assoziativ, bei Bedarf auch emotional, dann wieder kühl und nüchtern. In der nächsten Gesellschaft weiß man, dass Maschinen nicht nur anders denken als wir, sondern auch anders kommunizieren. Wir werden uns daran gewöhnen, Computer so zu beobachten, wie wir heute Delfine beobachten, um herauszufinden, was sie können und was sie nicht können. Wir werden Gesetze für Computer schreiben, wie sie Isaac Asimov schon einmal vorgeschlagen hat, und werden beobachten, ob und wann sie sich an diese Gesetze halten und ob und wie wir sie bestrafen können, wenn sie das nicht tun. Wir werden mit ihnen Geschäfte machen und uns mit ihnen zu Gesprächen verabreden. Wir werden einen großen Teil unserer Selbstkontrolle an sie abgeben und sie werden uns sagen, wann es Zeit für unsere Medikamente ist, für sportliche Aktivitäten, für einen Telefonanruf bei guten Freunden oder für einen "Termin mit uns selbst".

Dann können wir also auch soziale

Beziehungen zu Robotern aufbauen?

Wir schon, und wir tun es ja bereits, wenn wir sie beschimpfen, für dumm halten oder anflehen, nicht gerade jetzt ihren üblichen Systemabsturz zu produzieren. Die Frage ist allerdings, ob die Roboter da auch mithalten können. Möglicherweise werden sie lernen, zu denken wie wir. Aber zu kommunizieren, das ist schon schwieriger. Denn Kommunikation setzt ja voraus, damit zu rechnen, dass man den anderen nicht durchschauen kann und auch gar nicht durchschauen will. Werden Roboter also in der Lage sein, mit Intransparenz umzugehen, ohne sich von ihr blockieren zu lassen?

Bedeutet mehr Technik in der Gesellschaft eigentlich weniger Menschlichkeit?

Nein, wir haben es mit einem wechselseitigen Steigerungsverhältnis zu tun. Wir sind immer menschlicher und damit auch immer unmenschlicher geworden, je mehr wir uns von den Tieren, den Geistern, den Göttern und den Maschinen zu unterscheiden gelernt haben. Und je menschlicher und unmenschlicher wir wurden, desto größer wurde unser technischer Einfallsreichtum. Inzwischen denken wir darüber nach, wie wir Kühlschränken beibringen können, ihren Strombedarf zu reduzieren, wenn sie merken, dass das Stromnetz überlastet ist. Macht uns das menschlicher oder unmenschlicher? Gleichzeitig wird an "intelligenten Streubomben" gebastelt. Die großen Fragen, die sich uns stellen, sind nicht einfach zu beantworten. Wir müssen genau hinschauen. Dabei hilft uns die Technik. Aber tun müssen wir es selbst.

Nicole Rieß

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