Mein

Konstanz Mainau erinnert an die dunkle Seite der Blumeninsel

Nach 1945 starben auf der Mainau befreite französische KZ-Häftlinge aus Dachau. Es dauerte 66 Jahre, bis an sie erinnert wird

Den Schatten über dem Blumenidyll wollte man jahrzehntelang nicht haben. Beim Bummel über die Mainau sollten die zahlenden Gäste bunte Blüten sehen, das herrliche Arboretum mit seinen majestätischen Bäumen, das Panorama von Bergen und See. Dass auf der Mainau 33 aus dem Konzentrationslager Dachau befreite ehemalige Häftlinge starben, mochte nicht ins Bild passen.

Doch die beharrliche Arbeit geschichtsbewusster Konstanzer und vielleicht auch der Generationenwechsel auf der Insel haben gewirkt: Am Sonntag wird an prominenter Stelle ein Erinnerungszeichen für die NS-Opfer errichtet – ein Grabstein ist es nicht, denn die Toten blieben nicht lange auf der Mainau. Sie wurden schließlich in ihre Heimat Frankreich umgebettet.

Neu sind die Erkenntnisse über die Rolle der Mainau in der NS-Zeit nicht: Schon vor mehr als 15 Jahren hat der Konstanzer Geschichtelehrer Arnulf Moser die wesentlichen Fakten erforscht und imUniversitätsverlag veröffentlicht. Graf Lennart Bernadotte (1909-2004) hatte die Kriegsjahre im neutralen Schweden verbracht, das Eiland wurde 1943 an die NS-Bautruppe Organisation Todt verpachtet. Sie wollte dort eine Art Erholungsheim einrichten, wozu es aber nicht kam. Nach Kriegsende verfügte die französische Besatzungsmacht über die Insel und brachte schwer kranke Häftlinge des KZ Dachau zur Erholung auf die Mainau – nicht alle überlebten den Aufenthalt.

Mehrfach und besonders intensiv 1995 war der aus schwedischem Adel stammende mit der Last der deutschen Geschichte konfrontiert, zumal er von der Verpachtung der Insel an den bautechnischen Arm des NS-Regimes durchaus profitierte. Doch die Erkenntnisse aus Arnulf Mosers Buch „Die andere Mainau 1945. Paradies für befreite KZ-Häftlinge“ wurde in der offiziellen Insel-Geschichtsschreibung bis 2012 ausgeblendet. Am Ende sollte es die rührige Deutsch-Französische Vereinigung der Stadt sein, die das Thema 2011 erneut ansprach, öffentlich Druck auf Lennart Bernadottes Erben ausübte, viele Konstanzer für ihr Anliegen gewann und am Ende ihr Ziel erreichte: Die Mainau hat eine Historikerkommission mit der Erforschung ihrer dunklen Jahre beauftragt, und am Sonntag wird der Gedenkstein aus bretonischem Granit errichtet.

Dass man fast 65 Jahre lang einen Bogen um die weniger idyllischen Seiten der Mainau gemacht habe, weist Graf Lennarts Tochter Bettina Bernadotte, heute Geschäftsführerin des größten Tourismusbetriebs am Bodensee, weit von sich. Bereits im Frühjahr 2012 sagte sie in einem Interview mit unserer Zeitung: „Es ist doch gut, dass die Menschen daran Interesse haben.“ Historiker Moser scheint sich auf der Insel mit seinem Buch 1995 dennoch keine Freunde gemacht zu haben: In die Kommission, deren Arbeit unter anderem in dem neuen Gedenkstein mündete, wurde er nicht berufen. Zur Feierstunde am Sonntag, deren Teilnehmer sich um 12.30 Uhr an der Kasse treffen und den Insel-Eintritt erlassen bekommen, wird er trotzdem gehen.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Hervorragende Weine vom Bodensee
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren