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Konstanz Männer weinen nicht, sie singen

16.09.2008
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Gut besuchte Premiere der Filmdoku "Full Dedication Alvaro" im Scala

Seine Kleidung ist ebenso individuell wie seine Musik. Avantgarde-Künstler Alvaro trägt ein leuchtend blaues Sakko, anstelle eines Einstecktuches eine Zahnbürste. Für den Fall, dass er außer Haus übernachten muss. Eine der Geschichten, die er gern in Umlauf bringt. Die Bürste ist blau, farblich abgestimmt auf die Jacke. Ebenso die weiße Blume hinter dem Ohr und die weiße Hose. Als der 64-jährige gebürtige Chilene gemeinsam mit den Filmemachern Jochen Hägle, Hans Kotter und Christian Zschammer im gut besuchten Scala vor die Zuschauer tritt, hält er eine langstielige Rose in der Hand. Er ist aufgeregt. Es ist sein Abend. Die Premiere einer Dokumentation seines Lebens, vor allem um die rund 30 Jahre, die er in Konstanz verbrachte.

Premierenfeier des Films Full Dedication Alvaro

Natürlich ist der Film vor allem getragen von seiner Musik. "Men don't cry, they sing wird in der ersten Szene eingespielt, während die Kamera auf einer Ecke seiner Wohnung verweilt und Alvaro aus dem Badezimmer herein schlurft, um Toilettenpapier zu suchen. In der nächsten Einstellung sitzt er auf der Bank vor dem Standesamt und singt und begleitet sich selbst auf einem Keyboard. Für die drei Menschen, die neben ihm sitzen und eigentlich für sich selbst. Dann handelt er den Preis einer Schuhreparatur herunter, bietet als Zugabe ein Lied. Eine seiner ungewöhnlichen Kompositionen, die in ihrer melancholischen Klangfolge, getragen von einer hellen Kopfstimme, direkt ins Ohr gehen. Auch wenn die Musik anders ist als das meiste, was man je gehört hat. Vielleicht gerade deshalb. Es macht Spaß, zuzuhören, es ist anders, authentisch.

Zu Beginn seiner Karriere spielte Alvaro Saxofon in einer chilenischen Band mit Namen The Dandies, die Rock'n'Roll-Songs im Programm hatte. Das war 1962. In den 70er Jahren - mittlerweile im Exil in London - gründete er gemeinsam mit Joe Strummer eine der ersten Punkbands, die 101ers.

Punk war es, was Filmemacher Hans Kotter anfänglich mit Alvaro verband, seit er im Alter von zwölf Jahren auf ihn aufmerksam wurde und später eine seiner Platten von ihm anforderte. Das Projekt, eine Doku über Alvaros Leben zu drehen, wurde in Zusammenarbeit mit Kameramann Jochen Hägle und Cutter Christian Zschammer als eigen finanzierter Low-Budget-Film umgesetzt, den die drei sozusagen in ihrer Freizeit drehten. Ohne Drehbuch. Das würde bei Alvaro nicht funktionieren, sagt Kotter mit einem Grinsen. Stattdessen lässt man den Mann einfach erzählen. Viele Dinge, die er aus seinem Leben und seiner Kunst dem Publikum näher bringen möchte. Und auch Dinge, die für ihn eine Aufarbeitung sein müssen: dass er nach dem Putsch in Chile nicht mehr in sein Land zurückkehren konnte, dass er sich nirgendwo auf der Welt wirklich zu Hause fühlt und nicht glaubt, wirklich glücklich sein zu können. Und die Geschichte, als Kind von einem Fremden missbraucht worden zu sein. Dies alles hat ihn und seine Kunst geprägt. Seine Lieder ein wenig traurig werden lassen.

Musik war immer sein Thema. Für sie hängte er einen gut bezahlten Job als Werbetexter an den Nagel. Auch deshalb, weil er das Feilschen, Spielen und Verdrehen von Worten nicht mehr ertragen konnte. Stattdessen macht er Musik, die aus ihm selbst kommt und in kleiner Auflage auf Tonträger gestellt wird, beispielsweise von seinem Partner, dem Bassisten Jens Volk. Auch er kommt in "Full Dedication Alvaro zu Wort, ebenso Alvaros Ex-Frau Hilde Schneider, seine Nachbarin und andere Konstanzer Bürger, die ihn während seiner Zeit am See kennen und schätzen gelernt haben. Und eines können sie alle bestätigen: dass Alvaro seine Kunst mit Hingabe betreibt, eben "Full Dedication.

Monika Rack

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