Mein
 

Konstanz Litzelstetten: Der Mobilfunkmast ist weg und damit auch der Empfang für Telekom-Kunden

Auf dem Gebäude der ehemaligen Volksbank steht jetzt kein Mobilfunkmast mehr. Was Strahlungsgegner jubeln lässt, verärgert Telekom-Kunden – sie haben kaum noch Empfang. Eine neue Anlage kommt wieder ins Wohngebiet – worüber in Litzelstetten Enttäuschung herrscht.

Dass der Vertrag für den Mobilfunkmast auf dem ehemaligen Volksbankgebäude in der Litzelstetter Martin-Schleyer-Straße zum 31. Dezember 2015 ausläuft, war lange bekannt. Der Litzelstetter Ortsvorsteher Heribert Baumann versprach, Gespräche mit den Mobilfunkanbietern zu führen, mit dem Ziel, alle bestehenden Sendeanlagen an einem Standort außerhalb des Ortes anzusiedeln. Lange war in der Sache Funkstille, bis am 17. Dezember 2015 der Sendemast in der Martin-Schleyer-Straße abgebaut wurde. Die Strahlungsgegner jubelten zunächst. Telekomkunden hingegen sind verärgert. Sie haben in Litzelstetten nur noch selten Mobilfunkempfang.

„In der Ortsverwaltung beschweren sich die Bürger massiv, dass sie keinen oder kaum Mobilfunkempfang haben“, bestätigt Ortsverwaltungsleiter Klaus Frommer. Für den selbstständigen Taxiunternehmer Wolfgang Haberbosch, der seinen Sitz in Litzelstetten hat, ist dieser Zustand fatal. Er ist Geschäftskunde der Telekom und dringend auf ein funktionierendes Mobilfunknetz angewiesen. In seinem Büro oder in der Garage ist das Telekom-Netz aber gar nicht verfügbar. „Ich arbeite sowohl mit dem Handy als auch mit Kreditkartengeräten. Hier im Büro kann ich seit dem 17. Dezember keinen Kassenschnitt mehr machen. Dazu muss ich jetzt nach Wollmatingen fahren“, schildert Wolfgang Haberbosch. Bei der Telekom hat er reklamiert: „Ich habe zur Antwort bekommen, dass die Mobilfunknutzung nicht zu jeder Zeit an jedem Ort gewährleistet werden kann und ich mich einfach damit abfinden müsse“, schildert er. Abfinden will sich Haberbosch damit nicht. Er wollte zwei seiner Verträge vorzeitig kündigen, was jedoch abgelehnt wurde. „Das ist eine Frechheit. Dann erwarte ich zumindest Preisnachlass für den Zeitraum, und dass es schnell wieder funktioniert“, so Haberbosch.

Taxi-Unternehmer Wolfgang Haberbosch ist Telekom-Geschäftskunde. Seit dem Abbau der Mobilfunksendeanlage in der Martin-Schleyer-Straße hat er zumeist keinen Handy-Empfang mehr – was in seinem Beruf natürlich fatal ist.
Taxi-Unternehmer Wolfgang Haberbosch ist Telekom-Geschäftskunde. Seit dem Abbau der Mobilfunksendeanlage in der Martin-Schleyer-Straße hat er zumeist keinen Handy-Empfang mehr – was in seinem Beruf natürlich fatal ist. |

Die Telekom sucht bereits nach einer Lösung. Auf einem Grundstück im Willy-Andreas-Weg, das im Besitz der Telekom ist, soll eine mobile Mobilfunkstation eingerichtet werden. Es handle sich dabei um einen Lastwagen mit entsprechenden Antennen. „In der Regel werden diese Fahrzeuge bei Großveranstaltungen oder bei Katastrophen eingesetzt“, so Hubertus Kischkewitz, Pressesprecher der Deutschen Telekom. Derzeit würden die entsprechenden Genehmigungen eingeholt und ein Fahrzeug geordert. Kischkewitz geht davon aus, dass der mobile Antennenträger zu Beginn des zweiten Quartals einsetzbar ist. „Er wird sofort abgezogen, sobald der neue Standort einsatzbereit ist“, verspricht Kischkewitz.

Standort bleibt - Strahlung steigt

Der neue Standort ist der bestehende Mast im Kornblumenweg. Günter Dolak, pensionierter Nachrichtentechnikingenieur und darüber hinaus Kämpfer für einen humanen Mobilfunk, ist darüber gar nicht erfreut: „Wenn die Telekom dort GSM 900, GSM 1800, UMTS und LTE einrichtet, wird die Strahlung deutlich erhöht.“ Er ist maßlos enttäuscht, dass der Alternativstandort auf der Insel Mainau – und damit eine Verlagerung der Mobilfunkanlagen außerhalb des Wohngebiets – nicht realisiert wurde und dass auch die Möglichkeit eines Kleinzellenkonzepts nicht weiter verfolgt wurde. Das kann auch Albert Fuchs als Anwohner nicht verstehen. Er ist ebenfalls unzufrieden, dass keine Verbesserung erwirkt wurde.

Auch Ortsvorsteher Heribert Baumann ist enttäuscht: „Mir persönlich wäre ein Standort außerhalb des Orts auch lieber gewesen.“ Er hatte entsprechende Gespräche geführt und plötzlich „im November auf Nachfrage erfahren, dass die Telekom den Standort Kornblumenweg angeboten bekommen hat“. Die Anlage am Kornblumenweg könne man aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen, die erfüllt sind, nicht verhindern. „Der Gesetzgeber ist hier gefragt. So haben wir keine Chance“, stellt Heribert Baumann fest.
 

Hintergrund: Der Weg zum neuen Mobilfunkstandort


Die Suche: Die Deutsche Telekom AG habe frühzeitig nach Alternativen zum wegfallenden Standort in der Martin-Schleyer-Straße gesucht, so Hubertus Kischkewitz, Pressesprecher der Deutschen Telekom AG: „Einzig die Mitbenutzung eines bestehenden Standortes eines Wettbewerbers wäre uns möglich gewesen. Dies scheiterte jedoch am Veto der Kommune.“

 

Möglichkeit Mainau: Auch die Mainau war offenbar im Gespräch: „Alternativ haben wir in Zusammenarbeit mit der Kommune eine Lösung erarbeitet, die eine Versorgung von der Mainau vorsah. Da wir aber nunmehr nach der Fusion von Telefonica und E-Plus einen von deren Standorten in Litzelstetten übernehmen können, werden wir stattdessen demnächst diesen Standort nutzen“, so Kischkewitz in seinem Antwortschreiben.

 

Standort Kornblumenweg: Hierbei handelt es sich um den bestehenden Sendemast im Kornblumenweg. Noch sei nicht absehbar, wann dieser Standort in Betrieb gehen kann.

 

Die Frage der Entschädigung: Auf die Frage, ob Telekomkunden wie Wolfgang Haberbosch eine Entschädigung bekommen, antwortet Kischkewitz: „Preisnachlässe und Boni gibt es für temporäre Einschränkungen in einzelnen Mobilfunkzellen nicht.“ (as)

 

Regionale Produkte von Bodensee, Schwarzwald und Hochrhein auf SÜDKURIER Inspirationen. Gleich Newsletter abonnieren und sparen!
Wahre See-Liebe – Neue SEEStücke auf SÜDKURIER Inspirationen!
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Konstanz
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren