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Konstanz Lian Farah ist das neue Gesicht des Café Mondial

Der Syrer will Menschen zusammen bringen und für gute Gemeinschaft sorgen. Im Palmenhaus des Café Mondial ist er Ansprechpartner für Besucher und Koordinator

Ein bisschen unpassend wirkt er schon, wie er da auf einem der zusammengewürfelten bunten Holzstühle sitzt, mit seiner kräftigen Statur und dem dichten schwarzen Bart. Jedenfalls für einen kurzen Moment. Bis Lian Farah lacht und anfängt zu erzählen, vom Café Mondial, seiner Geschichte, seinen Plänen für die Zukunft. Seine positive Art, seine Offenheit und Direktheit sind ansteckend, schon nach einem Moment ist klar: Er passt ganz genau hierher, ist nicht nur das neue Gesicht, sondern auch ein Stück Herz und Seele des Cafés.

Seit Januar ist Lian Farah für die Koordination des Café Mondial zuständig, organisiert die Belegung der Räumlichkeiten und steht den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, in Konstanz den richtigen Ansprechpartner für ein bestimmtes Anliegen zu finden. Dabei ist es erst anderthalb Jahre her, dass der Syrer sich selbst entschloss, seine Heimat zu verlassen. Nachdem es „immer schwieriger“ wurde, dort zu leben, wie er sagt, machte er sich auf den Weg nach Deutschland. Über die Türkei und Griechenland, die viel zitierte Balkanroute also, verschlug es ihn zunächst nach Landshut, dann nach Ellwangen, schließlich nach Konstanz, wo er anfangs in der Zeppelin-Halle unterkam. Mittlerweile wurde sein Asylantrag genehmigt, zumindest für die nächsten drei Jahre hat er also Sicherheit. Seit März wohnt er in einer Wohngemeinschaft.

Trotzdem kann Farah sich noch gut an die Anfangszeit erinnern. „Als ich damals in Landshut ankam, dachte ich, die Leute würden sich permanent streiten“, erinnert er sich lachend an seine ersten Begegnungen mit der deutschen Sprache. Mittlerweile hat sich das fraglos geändert. Der Syrer spricht beinahe fließend Deutsch, arbeitet momentan auf das Sprachlevel C 1 hin – die Voraussetzung, um an einer deutschen Universität studieren zu können. Aus Syrien hat er bereits einen Bachelor in Business Management, zum Jura-Abschluss fehlte ihm noch ein Jahr, als er im September 2015 floh. Beide Studiengänge werden jedoch in Deutschland nicht anerkannt.

Für viele andere wäre das wohl ein Grund zur Verzweiflung – nicht so für den 27-Jährigen. „Ich will sehr gern Erfahrungen an einer deutschen Uni machen“, sagt er. Jura, Politik, Geschichte, International Law, Farah kann sich vieles vorstellen. Auch, zum Studium nochmal umzuziehen, vielleicht nach Berlin, die Stadt gefällt ihm. „Ein bisschen Sorge bereitet mir nur die spezielle Sprache, die man beherrschen muss, gerade in Jura oder Politik“, berichtet Farah. Doch ernstliche Zweifel, dass er diese Herausforderung nicht auch noch meistern würde, kommen nicht auf, wenn man ihm zuhört.

Kein Wunder also, dass die Wahl auf Lian Farah fiel, als das Café Mondial Ende letzten Jahres nach einem neuen Koordinationsleiter suchte, der das Café managen und anderen Flüchtlingen bei der Orientierung in Konstanz helfen kann. Als Besucher des Cafés war Farah schon vorher ein gern gesehener Gast und vor allem aus der Refugee Law Clinic, die in den Räumen des Cafés Rechtsberatung für Flüchtlinge anbietet, für viele ein bekanntes Gesicht. Seit Januar 2016 übersetzt der Syrer hier ehrenamtlich aus dem Arabischen ins Englische. Dabei profitiert er von seinen Jura-Kenntnissen, Teile des Studiums in Syrien absolvierte er auf Englisch. „Ich hatte damals einfach das Bedürfnis, etwas zu tun, und so bin ich durch Zufall Teil der Refugee Law Clinic und des Café Mondial geworden“, sagt Farah heute.

Was das Besondere am Café Mondial ist? „Dass es für alle ist“, lautet seine so simple wie treffende Antwort. „Gerade in der Anfangszeit, als ich in der Zeppelin-Halle gelebt habe, habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass viele Leute helfen wollten, aber mir keine Fragen gestellt haben, nicht mit mir ins Gespräch gekommen sind“, erinnert sich der 27-Jährige. „Aber auch Flüchtlinge brauchen Freunde. Um etwas über andere Menschen zu erfahren, muss man sie nach ihrer Meinung fragen. Und genau das ist das Café Mondial: Zusammenkommen, zusammen essen, miteinander ins Gespräch kommen.“

Café Mondial

  • Zur Idee: Das Café Mondial ist ein Ort der Begegnung für alle Konstanzer, von Einheimischen über Durchreisende bis zu Geflüchteten. Nach dem Prinzip „Pay as much as you can“ bezahlt jeder für Getränke nur das, was er zahlen kann und möchte.
  • Öffnungszeiten: Das Café ist jeweils mittwochs von 15 bis 18 Uhr, samstags von 14.30 bis 17.30 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Jeden zweiten Mittwoch finden im Rahmen des „besonderen Cafés“ von 19 bis 22 Uhr wechselnde Veranstaltungen statt. Adresse: Zum Hussenstein 12, neben dem Palmenhaus.

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