Konstanz Leitfaden für Bauvorhaben zum Schutz des Musikerviertels

Ein Leitfaden soll Bauherren und Architekten den Weg weisen, wie Konstanz das Quartier erhalten möchte. Der Charakter mit Einzelhäusern soll erhalten bleiben.

Es steht als Zeichen für Noblesse und zählt zu den schönsten Vierteln in Konstanz. Einst von den Wohlhabenden auserkoren, erlebten Teile des Musikerviertels später zwar einen strukturellen Wandel. Dennoch: Seine historische und bedeutungsvolle Gesamt-Charakteristik ist heute noch ablesbar und soll es bleiben. Ein Gestaltungsleitfaden soll dabei helfen.

Das Villenviertel südlich der Mainaustraße hat einen erhaltenswerten Charakter, davon ist der Gestaltungsbeirat überzeugt. Auf ihn geht der Vorschlag zurück, einen Leitfaden für Bauherren und Architekten zu entwickeln. Anlass war im Jahr 2016 ein geplanter Anbau, mit dem das Experten-Gremium wenig einverstanden war; weil das Musikerviertel in seiner Ausprägung eben so speziell und einzigartig für Konstanz ist. Ein Fachbüro hat den Leitfaden entwickelt und einen weiteren Teilbereich am Dienstagmittag dem Gestaltungsbeirat vorgestellt.

Um die Struktur des Musikerviertels zu verstehen, ist ein Blick in die Geschichte notwendig. Diesen hat Denkmalschützer Frank Mienhardt zur Analyse des Fachbüros beigesteuert. Die Gebiete See-, Neu- und Hinterhausen waren mit adligen Landgütern und Bauernhöfen durchzogen, als sich Konstanz Mitte des 19. Jahrhunderts rechtsrheinisch ausbreitete. Entlang der Eichhornstraße entstand, schreibt Mienhardt, ein weitgehend rechtwinkliges Straßenschema. Zu den älteren Bauten zählen die Villa Prym und Villa Rosenau, errichtet in der Tradition adliger Landsitze mit viel Freiraum. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchsen auf kleineren Parzellen klassizistische und späthistoristische Stadtvillen und villenartige Wohnhäuser mit großzügigen Vorgärten.

Jugendstil, Reformstil und Heimatstil prägen die Bauweise der freistehenden und großzügig bemessenen Villen an den seenahen Straßenzüge. Sie kamen zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs hinzu. Nach 1918 bis in die 1930 folgte die nächste Bauphase im Heimatstil und einer zurückhaltenden Moderne. Es schlossen sich Lücken zwischen Salzberg und See, das Quartier erweiterte sich nach Osten bis zur Richard-Wagner-Straße. In den 1950er Jahren errichteten Bauherren die letzten und das Musikerviertel mitprägenden Häuser. In den späten 1960er Jahren, beschreibt Denkmalschützer Mienhardt, gab es ein Umdenken: mehrgeschossige Wohnhäuser mit Garagen und Stellplätzen anstelle von Vorgärten. Folge: Das bislang vom Quartier gewohnte Bild verändert sich. Frei von diesen Störungen blieb das Gebiet zwischen Zeppelin- und östlicher Beethovenstraße sowie Eichhornstraße.

Der Gestaltungsleitfaden ist noch nicht fertig, die Untersuchung für den nächsten Teilbereich im Viertel, die ursprünglich weitgehend erhaltene Schubert- und Beethovenstraße, allerdings schon. Nachverdichtungen in Form von Anbauten und Garagenbauten gefährdeten dort den Quartierscharakter, Flächen würden versiegelt, Grün verschwinde: Aus diesem Grund schlägt der Leitfaden einen strengen Schutz vor. Die Einzelhausbebauung als "charakteristishe Siedlungsstruktur" müsse erhalten bleiben, dazu zählen Grünflächen, Vorgärten, Baum- und Gehölzbestand, aber auch die Bewahrung von Baudetails wie Eingänge, Erker, Balkonen, der Baumaterialien, von Fenstern und Klappläden. Bei Anbauten müssten Maßstäblichkeiten unter höchstem Strukturerhalt bewahrt bleiben, Sicht- und Grünkorridore sollten freigehaltenbleiben, Garagenbauten sollten wie Gartenhäuser wirken.

Gauben haben sich der Dachform unterzuordnen. Einige Beispiel, um den Charakter des Musikerviertels nicht weiter zu stören, zu dem die Exklusivität gehört – abzulesen an aufgerufene Höchstpreise bei Vermietungen und Verkäufen.


Garagenbauten

Große Vorgärten, imposante Grünanlagen, das sind ebenfalls Markenzeichen des Musikerviertels. Das geht darauf zurück, dass in den 1920er und 1930er Jahren das Auto noch nicht weit verbreitet war. Der technische Fortschritt kam schnell. Ab 1948, heißt es n der Vorlage für den Gestaltungsbeirat, tauchten in Bauanträgen "Garagen" auf.

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