Konstanz Legionellen im Konstanzer Seerhein-Center: Duschverbot in 57 Wohnungen

Die Duschbrause bleibt trocken: Wegen der Verunreinigung mit Legionellen hat das Gesundheitsamt für eine der größten Wohnanlagen in Konstanz ein Duschverbot ausgesprochen.

Die Duschbrause bleibt trocken: Wegen der Verunreinigung mit Legionellen hat das Gesundheitsamt für eine der größten Wohnanlagen in Konstanz ein Duschverbot ausgesprochen. Die Bewohner im Seerhein-Center müssen viel Geduld haben, und das über die anstehenden Festtage hinweg. Das Verbot bleibt bis mindestens Ende Januar bestehen.

Bewohner des Seerhein-Centers dürfen nicht duschen

Die Bakterien sind bei einer turnusgemäßen Überprüfung des Warmwassersytems zum Vorschein gekommen. Und das in nur einer der 57 Wohnungen, sagt Heinz Colligs. Er ist Pressesprecher vom Hausverwalter Treureal. Das Gesundheitsamt habe nach dem Fund sofort ein Duschverbot in der gesamten Wohnanlage ausgesprochen.

Grund für Duschverbot sind Legionellen

Unklar ist, ob die Bakterien nur punktuell oder im gesamten Wassersystem Nährboden zur Vermehrung haben.

Gefahren und Bewohnerstimmen
  • 1. Warum sind Legionellen im Warmwasser so gefährlich? Die Bakterien vermehren sich in Warmwasser und können beim Duschen oder in Whirlpools über kleinste Wassertropfen aufgenommen werden. Vor allem bei Menschen mit schwachem Immunsystem kann das zu Erkrankungen (Legionärskrankheit) wie schweren Lungenentzündungen und fieberhaften Symptomen führen. Baden in der Badewanne und das Trinken von verunreinigtem Wasser ist unbedenklich.
  • 2. Ab wann sind die Bakterien gefährlich? Es gibt eine Gefahrenskala: Bei bis zu 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro Milliliter ist der Befund unbedenklich, zwischen 100 und 1000 KBE besteht eine mittlere bis hohe Kontamination, von einer extrem hohen Verseuchung mit sofortigem Handlungsbedarf spricht das Gesundheitsamt ab einem Wert von 10 000 KBE wie am Zähringerplatz.
  • 3. Was muss dann getan werden? Sofortig Maßnahmen sind die Erhöhung der Warmwassertemperatur auf bis zu 70 Grad. Damit gespült, sterben Legionellen im Rohrsystem ab. Neben einer erhöhten Wasserzirkulation ist die Isolation von Leitungen eine weitere Möglichkeit. Es gibt spezielle Reinigungsfilter für Duschbrausen. Dieses Angebot habe noch kein Bewohner oder Eigentümer im Seerhein Center am Zähringerplatz in Anspruch genommen, erklärt die Hausverwaltung Treureal.
  • 4. Was sagen Bewohner im Seerhein-Center? „Das muss man schon ernst nehmen. Auch, wenn die Werte nur in bestimmten Wohnungen sehr problematisch sind. Man versucht so gut wie möglich, bei Bekannten zu duschen – oder sollte darüber nachdenken, den Wohnsitz kurzzeitig zu wechseln“, sagt Mieter Simon Bruhn. Eine andere Bewohnerin sagt: Das Duschverbot sei anfangs frustrierend und absolut ärgerlich gewesen. Sie habe sich lange gefragt, warum sie nicht duschen, das Wasser aber trinken dürfe. (phz/sap)

Helmut Eckert, Mediziner im Kreisamt für Gesundheit und Versorgung, bestätigt den Vorfall im Seerhein-Center und spricht von einer großen Gefahr. Es gibt unterschiedliche Gefahrenstufen. In jener Wohnung am Zähringerplatz sei eine „extrem hohe Verunreinigung“ des Warmwassers mit Legionellen, die höchste Kategorie, festgestellt worden: über 10.000 koloniebildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Wasser.

Gefahr schwerer Krankheiten

Die Gefahr lauere beim Duschen in kleinsten Wasserteilen. Wer sie einatmet, dem drohen schwere Krankheiten. Das Trinken von verunreinigtem Wasser ist dagegen nicht gefährlich.

Der Fund in der Wohnung habe eine unverzügliche Gefahrenabwehr erfordert, erklärt Helmut Eckert weiter – zum Beispiel durch Erhöhung der Temperatur in der Warmwasserzirkulation auf bis zu 70 Grad, damit Bakterien abgetötet werden. „Das haben wir gemacht“, sagt Treureal-Pressesprecher Colligs.

Am 13. Januar gebe es in allen Wohnungen eine groß angelegte technische Überprüfung, ob es sich bei der Verunreinigung um einen Einzelfall handelt. Im schlimmsten Fall liegt die Ursache im gesamten Warmwassersystem; im besten Fall lediglich in einer Leitung der betroffenen Wohnung, weil sich die Legionellen durch langes Nichtbenutzen der Wasserzufuhr vermehren konnten.

Wasser wird auf Legionellen getestet

Nach der Überprüfung, so Colligs, gebe es eine Handlungsempfehlung an die Eigentümergemeinschaft, Ende Januar weitere Tests auf Verunreinigung. Mindestens so lange bleibe das Duschverbot bestehen. Beim Baden in der Badewanne sehen Experten keine Gefahr.

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