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Konstanz Laute Rufe für ein besseres Bildungssystem

18.06.2009
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Ungewohnter Anblick: Etwa 1800 Konstanzer Schüler und Studenten verließen Schule und Universität, um gegen Studiengebühren und G8 und für mehr Chancengleichheit in der Bildung zu demonstrieren.

Konstanz – Solche Bilder hat Konstanz schon lange nicht mehr gesehen: Tausende junge Leute gingen gestern für ihre Forderungen auf die Straße. Schon morgens legte eine große Gruppe Gymnasiasten zeitweise den Verkehr lahm. Sie sorgte mit Sitzprotesten auf der Alten Rheinbrücke für ein kurzes Chaos. Später kam eine weitere Gruppe nach, die von der Universität in Richtung Marktstätte zog. Beim Gang durch die Innenstadt machten die Demonstranten deutlich, was sie fordern: „Bildung für alle, und zwar umsonst“ war ihre Parole gegen teure Schulbücher und Studiengebühren. Der Spruch „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“ richtete sich gegen schwierige Lernbedingungen. Die Schüler wollen die Abschaffung des achtjährigen Gymnasiums (G8), weil aus ihrer Sicht keine Zeit mehr für Freizeit und Freunde bleibt. Die Studenten protestierten gegen die verkürzten Bachelor- und Masterstudiengänge, die keinen Blick über den Tellerrand mehr erlaubten. Während die Studenten einfach ihre Seminare verließen, müssen minderjährige Schüler teilweise eine Entschuldigung mit Unterschrift der Eltern abgeben. Entgegen aller Gerüchte unter den Demonstranten stimmt es aber nicht, dass die streikenden Humboldt-Schüler nachsitzen müssen.

Schlusspunkt des Streiktags war die Abschlusskundgebung auf der Marktstätte. Etwa 300 Demonstranten tranken Bier oder bliesen Seifenblasen in den Sommerhimmel und hörten Sandro Philippi zu. Der 22-jährige Psychologiestudent ist Mitglied der Initiative Bildungsoffensive Konstanz, die sich dem bundesweiten Streiktag angeschlossen hat. „Wir fordern mehr Mitspracherechte“, rief er von einem Lastwagen herunter. „Und der Bildungs-Abschluss darf nicht vom sozialen Status der Eltern abhängen.“ Philippi wünschte sich auch die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems: „Was sind wir für eine Gesellschaft, die Kinder mit elf Jahren in getrennte Gebäude steckt?“, fragte er. Auch Franziska Stier, die für die Partei Die Linke in den Bundestag einziehen will, rief ins Mikrofon: „Nach der vierten Klasse wird selektiert, aber wir können es uns nicht leisten, das Potenzial der Masse zu vergeuden.“

Der Aktionstag verlief laut Joachim Felgenhauer, Leiter der Konstanzer Polizeidirektion, weitgehend friedlich. Zu einem kurzen Zwischenfall kam es allerdings auf dem Münsterplatz, wo eine Schülerin eine Kundgebung abhielt. Vier Polizisten stürmten auf sie zu und machten den Anschein, als würden sie sie verhaften. Die Polizei löschte auch SÜDKURIER-Fotos, die diese Szene dokumentierten. Später erklärte die Demonstrantin aber, dass sie zwar ihre Personalien angeben musste, aber nicht verhaftet wurde. Nach dem Ende der Kundgebung auf der Marktstätte setzten sich laut Polizei etwa 80 Blockierer am Bahnhofplatz auf die Straße. Erst als die Polizei nach einer halben Stunde mit einer Räumung beginnen wollte, verließen sie die Fahrbahn.



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Bildergalerien und Umfrage im Internet:

www.suedkurier.de/onlineplus


    
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