Die allgemeine Verunsicherung ist zu spüren. Oft ist derzeit die Frage zu hören, ob die Begegnungszone am Bahnhof funktionieren wird. Andererseits wird der neue Stadtboulevard jetzt schon von Fußgängern genossen: Obwohl er noch nicht komplett gestaltet ist, queren Passanten die Straße an jeder beliebigen Stelle – so wie es künftig sein soll.
Bürgermeister Kurt Werner versteht die Unsicherheit, doch er baut auf reibungslose Abläufe am Bahnhof: „Die Menschen nehmen den Boulevard jetzt schon an. Ich meine, es wird funktionieren.“ Letztlich könne die Begegnungszone aber erst beurteilt werden, wenn sie komplett ausgebaut ist. Ende Juni soll es jedenfalls soweit sein. „Wir sind im Zeitplan“, berichtet er. Anschließend werden die Arbeiten am Fischmarkt fortgesetzt, wo ein beidseitiger Radweg angelegt wird.
Die Bauarbeiten seien bislang reibungslos verlaufen, berichtet der Bürgermeister. „Wir haben bisher kaum Beschwerden bekommen.“ Es sei eine gegenseitige Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer zu beobachten. So müssen sich die Fahrer der städtischen Buslinien umstellen, da die Haltestellen umgestaltet wurden.
Mit großem Interesse verfolgt Gisela Zinnert den Umbau am Bahnhof. Sie befürchtet Parkprobleme für Bahnkunden. Es seien nur noch drei Kurzzeitparkplätze geplant, aus ihrer Sicht zu wenig. „Soll man die 80-jährige Oma mit Gepäck von der Tiefgarage aus zur Bahn bringen? Muss man das Auto bei Zugverspätung dann schnell woanders hinbringen?“ Immer sei davon die Rede, die Gesellschaft werde älter, und man fordere, die Stadt entsprechend zu gestalten, sagt sie. Kurt Werner bittet in diesem Punkt um Geduld, es sei zu früh, um klare Aussagen zu treffen. Es sei aber erklärtes Ziel gewesen, die Zahl der Parkplätze deutlich zu verringern, um den Fußgängern das Überqueren des Boulevards an jeder Stelle zu erleichtern. Bei den jetzigen Plänen habe es eine breite Bürgerbeteiligung gegeben. Zudem sei es Autofahrern möglich, kurz anzuhalten und Mitfahrer aussteigen zu lassen. „Wer länger parken will, muss in ein Parkhaus.“
Kurt Werner weist auf den Modellcharakter hin. Bis Ende des Jahres soll getestet werden, ob alles wie gewünscht funktioniert. Es werde sicher einige Zeit dauern, bis eine deutliche Verkehrs-Verlagerung zu spüren ist, schätzt der Baubürgermeister. Das Beispiel St. Gallen zeige aber, wie es funktioniert: Die Schweizer Stadt habe das Ziel der Verkehrsreduzierung im Bezirk um die Kathedrale mittlerweile mit ähnlichen Mitteln erreicht.
Das Konstanzer Modellvorhaben wird in der Fachwelt mit Interesse verfolgt. So wird Kurt Werner die Pläne beim Konvent der Baukultur in Hamburg vorstellen, Veranstalterin ist die Bundesstiftung Baukultur. „Ich bin gespannt, wie sie diskutiert werden“, sagt Werner. Er werde beim Konvent fordern, die Standards bundesweit zu ändern, um den Fußgängern wie in der Schweiz Vorrang einräumen zu können. Derzeit ist aus rechtlichen Gründen nur ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit Tempo 20 möglich, alle Verkehrsteilnehmer sollen aufeinander Rücksicht nehmen.
Die Begegnungszone am Bahnhof Konstanz sorgt für viel Diskussionsstoff

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