Andreas Braun ist kein Mann, der lange um den heißen Brei redet. „Über das, was gerade in Konstanz passiert, kann ich nur noch den Kopf schütteln“, sagt der Geschäftsführer von Tourismus Baden-Württemberg. Was ihn so entsetzt, sind die Pläne des Gemeinderats, weite Teile des erlebnis- und unterhaltungsorientierten Angebots der Konstanzer Tourist-Info aus dem Programm des Konziljubiläums zu kippen. Genau das will offenbar eine Mehrheit des Gemeinderats in einer Sitzung am heutigen Dienstagabend (ab 18 Uhr, Ratssaal) durchsetzen. In der Vorlage zur Sitzung heißt es: „Da der Gemeinderat vom touristischen Gesamtprojekt ‚Erlebbares Mittelalter' nicht überzeugt ist, wird es aufgelöst.“
"Erlebbares Mittelalter" steht auf der Kippe
Für den Cheftouristiker des Landes ist das eine falsche Entscheidung: „Dieses einzigartige Ereignis Konzil ist eine große Chance für die Stadt. Europaweit wird das Thema Aufmerksamkeit erregen. Gäste aus allen möglichen Ländern werden kommen. Die Stadt Konstanz ist gerade dabei, diese einmalige Chance aufs Spiel zu setzen“, warnt Andreas Braun. Seit Monaten beobachtet er, wie mit dem Thema in Konstanz umgegangen wird. „Ich bin fassungslos, dass es bei einem fünfjährigen Fest nicht auch Programmpunkte geben soll, die Spaß machen. Es geht doch auch darum, den Leuten zu zeigen, was damals passiert ist, und wie man das heute erleb- und begreifbar machen kann“, so Braun im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Es müsse doch legitim sein, möglichst viele Brücken zu bauen zwischen dem Heute und dem Gestern, erklärt der Landestouristiker. „Gerade Familien erreicht man mit einer rein wissenschaftlichen Betrachtung und Aufarbeitung ganz sicher nicht“, so Braun.
"Konstanz setzt einmalige Chance aufs Spiel"
Der Stuttgarter Tourismusmanager kennt die Ideen der Konstanzer Tourist-Information. Braun bezeichnet sie als „tolle und durchdachte Konzepte“. Insgesamt, so Braun weiter, sei Konstanz sehr gut auf das Konziljubiläum vorbereitet. Umso bedauerlicher sei es da, dass es bei allen Fortschritten auch immer wieder Rückschritte durch den Rat gebe. Andreas Braun erkennt in dieser Ablehnung aber auch ein Grundmuster wieder: „Konstanz größtes Pfund ist doch der Tourismus, trotzdem wird das stets so stiefmütterlich bis skeptisch betrachtet.“ Und: Keine andere Stadt im Land stehe dem Tourismus so negativ gegenüber wie Konstanz.
Konstanz stehe Tourismus sehr negativ gegenüber
Braun vermutet hinter dieser Haltung auch eine gewisse Sattheit der Stadt. Für ihn ist das zwar nicht neu, aber er kritisiert das deutlich: „In der Skepsis gegenüber Unterhaltungsangeboten zeigt sich aus meiner Sicht auch ein bildungsbürgerlich-elitäres Gehabe“, so der oberste Tourismuschef des Landes.
Andreas Braun sieht die Stadt in der Pflicht, sich auch an dem touristischen Programm des Jubiläums finanziell zu beteiligen. „Angesichts der Nachrichten der jüngsten Zeit aus der Pharma- oder Solarbranche hätte es Konstanz dringend nötig, in nachhaltigen Tourismus zu investieren“, sagte Braun.
zu beteiligen, ich nicht ... mehr ...